«Strom weg…? Plan B»

16.10.2023 | Sepp Zurmühle
Jodlerabend_Teil1 (19)
Der Unterhaltungsabend des Jodlerclub Teufen war ein voller Erfolg. Fotos: Sepp Zurmühle

Sepp Zurmühle

Am Samstag 14. Oktober füllt sich der Lindensaal erneut bis auf den letzten Platz. Mit «viel Strom» und erlebbarem Herzblut überbietet sich der Joderclub Teufen in vielerlei Hinsicht: wunderbar vorgetragene Jodellieder, berührende Zäuerli mit Schellenschütteln und Talerschwingen. Und ein Sing-Theater, das auch die ungeübtesten Lachmuskeln aktiviert. Auch organisatorisch ist der Abend eine hervorragende Teamleistung und gesamthaft ein einzigartiges Erlebnis fürs Publikum.

Eine Stunde vor Beginn der Vorstellung beginnt sich der Saal schnell zu füllen. Bis weit in die Schweiz hinaus und sogar ins benachbarte Ausland hat sich herumgesprochen, dass in Teufen die volkstümliche Gesangskultur gepflegt und auf hohem Niveau geradezu zelebriert wird.

Das Publikum besteht aus Menschen jeden Alters und es sind nicht nur eingefleischte Jodelfreunde, die den Saal, die Empore und zahlreiche Notstühle besetzen. So war es bereits am davorliegenden Samstag und leicht abgeschwächt am letzten Sonntagnachmittag, berichten Beteiligte. Total besuchten gut 1000 Gäste die drei Vorstellungen.

Vor der grossen Pause

Was im zweiten Teil geboten wird, übertrifft wohl die bereits hohen Erwartungen der meisten Anwesenden. Mit «Strom weg? …Plan B» wird ein Sing-Theater vom Feinsten geboten. Idee, Text und Regie stammen erneut von Leo Koller aus Innerrhoden. Dieser steht als «Säbel-Hans» auf der Bühne.

Angesichts der drohenden Strom-Mangellage hat der (reduzierte) Gemeinderat Teufen (Lorenz und Christian Heierli, Walter Graf) die zündende Idee. Ein Tüüfner See soll Strom produzieren. Die schöne Landschaft mit dem Campingplatz Lido di Lago Teufen wird Touristen anziehen.

Die Singfreude der Mannen auf der Bühne dringt – vom ersten Augenblick an – bis tief in die Herzen des Publikums im bald «kochenden» Lindensaal. Das Schellenzäuerli begeistert das Publikum auf Anhieb. Auch farblich ist es eine Pracht, das leuchtende Rot-Weiss, das erdige Braun und das kräftige Gelb vor dem Bühnenbild der grünen Appenzeller Landschaft.

Vereinspräsident Markus Wild begrüsst alle Anwesenden und führt auf sympathische, «gmögige» Art durch den Unterhaltungsabend. Viele Anlässe des Jodlerclubs Teufen wurden seit 2019 – wegen der Pandemie – abgesagt. Aufgrund des tragischen Unfalltodes des langjährigen Präsidenten Hanspeter Inauen, ist der heutige Anlass auf den Herbst verschoben worden. Nach vier Jahren Unterbruch war denn auch die Motivation ein tolles Programm auf die Beine zu stellen und dieses während vielen Monaten einzuüben riesig.

Das abwechslungsreiche Repertoire, wunderschön vorgetragen, mit diversen Zäuerli und Jodelliedern, wie z.B. «z’Alp», «Äti sing mit mir», «drei Edelstee» oder «Abschied von der Alp»… dankt das Publikum mit tosendem Applaus. Zwei besonders genussvolle Erlebnisse sind das Schellezäuerli zu Beginn und das Zäuerli, bei dem im Becki Taler geschwungen werden, gegen Schluss des ersten Teils. Ohne Dirigentenstab, bescheiden mitsingend, leitet Hansueli Hersche den Chor seit 2009 mit viel Erfolg.

Zwischendurch erzählt Migg Heierli drei Witze und macht die entsprechenden Bewegungen und Faxen. Das Publikum grölt und applaudiert frenetisch.

Während der grossen Pause servieren die Jodler, zusammen mit Helfenden – meist Ehefrauen und Partnerinnen – die bestellten Abendessen höchstpersönlich. Sie selber warten mit dem Essen bis nach dem zweiten Teil, der nach Mitternacht enden wird. Im Foyer können Gäste, die auf der Empore Platz fanden, frische Luft schnappen und ein Nachtessen geniessen oder bereits mit dem herrlichen Dessertbuffet beginnen.

Nach der grossen Pause 

Nach zwei Jahren kommen die Bauarbeiter aus Italien und verbreiten spielend und singend eine aufgestellte Prise Italianità bis sie die Baustelle wieder verlassen. «Brösmeli», der Jäger (Ruedi Preisig) wohnt bereits im schönen Wohnwagen auf dem Campingplatz. Platzwart «Seppetoni» (Gabriel Koller) hat alle Hände voll zu tun. Es treffen laufend weitere Gäste ein. «Köbi», der Besenhändler aus Hundwil (Edi Tanner) und natürlich die einzige Frau auf der Bühne. «Cresenza», die attraktive Baslerin – gespielt von Sandra Muff aus Niederteufen – verdreht die Männerköpfe im Basler Dialekt. Junge Surfer (u.a. Hansruedi Fitzi) gleiten über die Bühne. Ein Ruderer aus Haslen (Urs Imper) läuft mit seinem Boot beim Lido di Lago Teufen ein und ruft: «diä Schwimmende off d’Siite!». Er möchte einen zweiten Campingplatz in Haslen eröffnen. Säbel-Hans kann nicht nur Messer und andere Geräte schleifen, er kann vor allem wahrsagen. Doch nur für 100 Franken treffen seine Vorhersagen beinahe zu 100 Prozent ein. Wer wird wohl die schöne Basler Velofahrerin heiraten? Köbi aus Hundwil bereut bitterlich, dass er dem Säbel-Hans nur 50 Franken in die Hand gedrückt hat …

So viel Pointen, Witz und Humor, gepaart mit Schauspieltalent, Authentizität und musikalischen Fähigkeiten auf der Bühne, sieht man nicht alle Tage.

Präsident Markus Wild dankt denn auch ausgiebig allen Beteiligten, die ihre multiplen Talente und Fähigkeiten vor, hinter und auf der Bühne eingesetzt haben. Dazu gehören sicher auch die selbst gebauten, wunderschönen Requisiten und das Bühnenbild sowie die ganze Technik.

«Zweck des Vereins ist die Pflege und Förderung des Appenzellischen Brauchtums, insbesondere des Jodel- und Volksgesangs. Die Erhaltung und Förderung des kollegialen, geselligen Lebens und eine aufrichtige Kameradschaft…».

Beim Jodlerclub Teufen sind das keine Worthülsen oder Utopien, sondern mit Begeisterung (vor)gelebte und gezeigte Volkskultur, die spürbar ist und direkt zu den Herzen geht. Das jüngste Chormitglied ist gerade mal 20-jährig. Das erlaubt für die Zukunft viel Zuversicht.

Nach Mitternacht spielt die Kapelle Rondom aus Innerrhoden zum Tanz auf und es wird noch länger gefeiert. Die Sänger und «ihre Cresenza» geniessen endlich ihr wohl verdientes Mitternachtsessen.

Nachtrag: die Lüftung

So sehr der Tüüfner See vermutlich eine Utopie bleiben wird, sei an dieser Stelle eine Anregung erlaubt. Die Lüftung im Lindensaal könnte als «dringliches» Sanierungsprojekt im Budget der Gemeinde Teufen Aufnahme finden. So riesig und einstimmig die Begeisterung für die gebotene Unterhaltung beim Verlassen des Saals nämlich ist, so gross sind der beklagte Mangel an frischem Sauerstoff und die Überhitzung im vollen Saal und dies trotz merklich kühleren Aussentemperaturen. Kommt uns das nicht seit Jahren bekannt vor, oder handelt es sich wo möglich auch um einen blöden Witz, über den wir nur genüsslich lachen können?

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