Hans Höhener: "Das System bewährt sich"

18.08.2014 | TPoscht online
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Hans Höhener, Verwaltungsratspräsident von Appenzellerland Sport. Fotos: zVg.

Die 2005 gegründete Sportschule Appenzellerland blickt auf ihr bestes Jahr zurück. 56 Jugendliche gehörten im Schuljahr 2013/14 der Organisation an; es resultierte ein finanzielles Plus.

«Das zurückliegende Jahr gibt Mut», stellte Hans Höhener, der Verwaltungsratspräsident von Appenzellerland Sport, an der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung fest. Die Sportschule Appenzellerland verzeichnete 2013/14 mit 56 Angehörigen so viele wie nie zuvor, und die sportliche wie schulische Bilanz bezeichnete Hans Höhener als hervorragend. Das System der Sportschule Appenzellerland bewähre sich.

«Weiterentwickeln»
Der Präsident dankte an der Aktionärsversammlung dem Kanton Appenzell-Ausserrhoden, der Gemeinde Teufen sowie den Partnerschulen in Trogen, Herisau und Teufen für die Zusammenarbeit und die Unterstützung. Dank Verzichtleistungen, Einsparungen in der Administration und der Grosszügigkeit von Partnern und Sponsoren schloss das Jahr mit einem Plus von rund 20’000 Franken.

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René Wyler, Leiter Sportschule Appenzellerland.

Individuelle Angebote
Sportschulleiter René Wyler wertete im personellen und sportlichen Rück- und Ausblick als sehr erfreulich, «dass wir unter dem Jahr praktisch nie Austritte zu verzeichnen haben.» Aus Altersgründen werden einige Jugendliche die Sportschule nun verlassen; gegen zehn werden eintreten.

Die Verantwortlichen rechnen für 2014/15 mit rund 50 Absolventinnen und Absolventen. «Wir wollen uns nicht auf wenige Sportarten spezialisieren», sagte René Wyler. Die Möglichkeit, für Vertreter einzelner Sparten individuelle schulische und sportliche Angebote zusammenzustellen, sei eine der Stärken der Organisation.

Nebst den Sportschülern betreut Appenzellerland Sport in der Sportschul-Vorstufe (Badminton) sowie als Stützpunkt oder in Zusammenarbeit mit Verbänden zahlreiche weitere Athletinnen und Athleten. (pd)

Erfolgsprojekt Sportschule Appenzellerland

pd. 66 Medaillen, davon 30 Titel, haben die Absolventen der Sportschule Appenzellerland im ablaufenden Schuljahr 2013/14 an Schweizer Meisterschaften geholt. 56 Schülerinnen und Schüler aus 8 Kantonen und Vorarlberg besuchten im letzten Schuljahr die Sportschule und wirkten mit ihren Erfolgen weit über die Grenzen des Appenzellerlandes hinaus.

Auch international war die Entwicklung sehr erfreulich. Neben Nationalmannschafts- und Länderkampfeinsätzen, WM- und EM-Aufgeboten sowie zahlreichen Podestplätzen an internationalen Turnieren belegen allein im Schuljahr 213/14 drei Broncemedaillen an Jugend Europameisterschaften den markanten Aufwärtstrend.
Der frühere Ausserrhoder Landammann und seinerzeitige Präsident der Eidg. Sportkommission, Hans Höhener, ist Initiant und Präsident von Appenzellerland Sport, der Trägerorganisation der Sportschule. Im August 2005 startete die Sportschule Appenzellerland mit 9 Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Trogen. Heute sind es 56.

Hans Höhener, wo liegt denn das Geheimnis der erfolgreichen Entwicklung?
Hans Höhener: Es sind natürlich verschiedene Faktoren. Im Vordergrund steht jedoch das Konzept, das Ausbildung und Sport möglichst ideal kombiniert – also unter einen Hut bringt. Die Sportschule bietet in Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden eine professionelle Betreuung und Begleitung im Sport an, während unsere Schulpartner gleichzeitig mit flexiblen Lösungsansätzen für eine optimale schulische und berufliche Ausbildung sorgen.
Sportschulen gibt es ja an verschiedenen Orten. Was ist denn an der Sportschule Appenzellerland anders?
Es gibt unterschiedliche Modelle, aber in den meisten Fällen werden – neben den Internatslösungen – spezielle Sport- und Talentklassen angeboten, die über einen festen, für alle einheitlichen Stundenplan verfügen, der Freiräume für den Sport bietet. Diese werden dann häufig über die jungen Athleten selbst zusammen mit Vereinen und Verbänden abgedeckt. Das „Appenzeller Modell“ geht von einem Gesamtkonzept von Schule und Sport aus, wobei je nach Sportart und Leistungsstand für Training und Wettkampf differenzierte Stundenplanlösungen organisiert werden. Zudem sorgen wir für eine polysportiv-athletische Grundausbildung. Mit eingeschlossen sind auch Einheiten für Sportwissen und Mentaltraining sowie eine regelmässige medizinische Beratung und Betreuung.
Das ist aber alles sehr komplex und stellt hohe Anforderungen an alle Partner …
Ja, so ist es. Doch es funktioniert hervorragend. Es bedingt viele Gespräche, eine gute und intensive Koordination und Zusammenarbeit zwischen Sport und Schule. Und die hat sich im Laufe der Jahre und mit den gewonnen Erfahrungen ausgezeichnet entwickelt. Das macht uns gewissermassen einzigartig. Wir bekommen denn auch immer wieder sehr schöne und motivierende Rückmeldungen zu unserer Arbeit – insbesondere auch von auswärtigen Schülern und Eltern, die das ausserrhodische Schulsystem sehr schätzen und loben.
Ist denn das Modell der Sportschule Appenzellerland eine „Eigenentwicklung“?
Ja, man kann das durchaus so sagen. Am Anfang stand eine Arbeitsgruppe, die Erfahrungen aus dem Schweizer und internationalen Sport zusammengetragen und dieses Modell entwickelt hat. Wesentliche, ja grundlegende Aufbauarbeit in der praktischen Umsetzung hat dann in den ersten 6 Jahren Patrick Eggenberger, ETH- Sportwissenschafter und Turnlehrer an der Kantonsschule Trogen, geleistet. Heute steht René Wyler, Sportlehrer ESSM, Diplomtrainer und LA-Experte, der Sportschule vor.
Welches sind denn die Partnerschulen?
Wir arbeiten mit der Kantonsschule Trogen sowie den Sekundarschulen Teufen und Herisau zusammen. Die Schüler besuchen ganz normale Regelklassen, haben aber für Training und Wettkämpfe spezielle Bedingungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Sportschule und den Schulpartnern ist vertraglich geregelt. Sie stellen je auch einen Schulkoordinator für die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Sport zur Verfügung, der u.a. auch die schulische Entwicklung überwacht, trainingsbedingte Absenzen und Freistellung für Wettkämpfe koordiniert.
Die Schüler trainieren ja bis zu 15 oder gar 20 Stunden pro Woche. Kann das nicht zu Überforderungen führen?
Im Gegenteil. Es ist erstaunlich, was jungen Menschen zu leisten im Stande sind, wenn ihr Talent gefördert wird. Wir müssen nur in seltenen oder ganzen besonderen Situationen, z.B. bei mehrwöchigen Abwesenheiten von Sportlern und Sportlerinnen, Stützunterricht organisieren. In den meisten Fällen sind sie gute Schüler, ja sehr oft steigt die schulische Leistung sehr deutlich an.
Und die Kosten. Wie finanziert sich die Sportschule?
Der schulische Unterricht wird wie bei jedem anderen Schüler auch durch die öffentliche Hand, also von Kantonen und Gemeinden, finanziert. Für den Sport ist ein „Sport-Schulgeld“ zu entrichten, das meist von den Eltern, teilweise unterstützt von Verbänden, Vereinen und persönlichen Sponsoren, übernommen wird und je nach Sportart und Aufwand zwischen 5‘400 und 9‘600 Fr./Jahr liegt. Bei auswärtigen Schülerinnen und Schülern kommen noch die Unterkunftskosten hinzu.

Wenn man den Trainings-, Koordinations- und Betreuungsaufwand mit Mentaltraining, Theorieunterricht und medizinischer Begleitung in Betracht zieht, sind die Kosten relativ günstig.
Die Kosten wären höher, wenn wir nicht durch den Kanton Appenzell A.Rh. und die Gemeinde Teufen finanziell unterstützt würden. Einen wichtigen Beitrag leisten auch die Sponsoren, Donatoren und Gönner sowie diverse Stiftungen, namentlich die F.&R. Lienhard-Stiftung.
Und wie sieht die Zukunft der Sportschule Appenzellerland aus? Wird sie sich weiter entwickeln können?
Die Entwicklung hängt nicht unwesentlich davon ab, ob es uns gelingt, zusätzliche Mittel zu generieren. Jedes neue Projekt, jede neue Sportart braucht Vorinvestitionen, mit denen wir nicht die jetzigen Schüler belasten wollen, die mit dem Sportschulgeld ihre eigene sportliche Ausbildung finanzieren müssen. Wir sind deshalb sehr dankbar, wenn es uns gelingt, für die Weiterentwicklung zusätzliche Mittel z.B. aus dem kantonalen Sportfonds sowie über Projektsponsoring, Donatoren und Gönnerbeiträge zu erhalten.

Interview: Lukas Pfiffner (pd)

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