Spitex: Neue Stelle und Coronavirus

09.03.2020 | Timo Züst
Kurt
Der 57-jährige Kurt Schedler ist ausgebildeter Pflegefachmann HF Psychiatrie. Seit Juni 2019 arbeitet er für die Spitex Rotbachtal. Foto: tiz Timo Züst Das Kerngeschäft der Spitex Rotbachtal ist die Betreuung ihrer Kundinnen und Kunden in deren Zuhause. Dazu gehören nicht nur Pflege und Hauswirtschaft, sondern auch psychiatrische. Dafür wurde im Sommer eine neue Stelle geschaffen. Und: Wegen des Coronavirus wird die Mitgliederversammlung abgesagt (Text unten). Betreuung. Wegen der steigenden Nachfrage wurde im Sommer 2019 eine neue Stelle geschaffen. Unterstützung bei der Bewältigung von Krisen; Trainieren sozialer Kontaktaufnahmen; Anleitung im Umgang mit Aggression, Angst und Wahnvorstellungen; Unterstützung zur Vermeidung akuter Selbst- oder Fremdgefährdung – ein paar Auszüge aus dem Leistungskatalog der Spitex Rotbachtal. Sie alle stehen unter dem Titel «Psychiatrische Leistungen ». «Wir bieten diese zwar schon länger an. Bisher waren wir aber immer auf externe Fachpersonen angewiesen», erklärt Geschäftsführer Roman John. Anders gesagt: Die Spitex Rotbachtal kaufte diese Leistungen ein. Geändert hat sich das im Juni 2019 mit dem Stellenantritt von Kurt Schedler. Seither betreut und begleitet er in einem 80 Prozent-Pensum für die Spitex sechs bis zehn Menschen bei ihnen zuhause. Und fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen den Betroffenen, den Ärzten, den Mitarbeitenden der Spitex und der Psychiatrie. «Mein ultimatives Ziel ist die Selbstständigkeit der Kunden. Gleichzeitig bin ich mir aber auch bewusst, wo die Grenzen liegen. Erreiche ich sie, wird meine Aufgabe zu der eines Vermittlers. Einige Kunden brauchen teilweise jahrelange Begleitung, andere nur kurze.» Tiefe Hemmschwelle Kurt Schedler kommt in unterschiedlichen Szenarien zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Betreuung nach einem Klinikaufenthalt. «Die Rückkehr in die alte Umgebung kann herausfordernd sein.» Gleichzeitig vermittelt die vertraute Umgebung das Gefühl einer zurückgewonnenen Selbstbestimmtheit. «Das ist für viele angenehmer als eine Nachbehandlung in der Klinik.» Manchmal meldet sich aber auch ein Hausarzt bei der Spitex und erkundigt sich nach psychiatrischer Betreuung für einen Patienten. Oder die Familie einer betroffenen Person meldet sich. «Die Spitex ist hier in der Region gut verankert. Das macht die Hemmschwelle etwas tiefer», sagt Andy Winkler. Er ist seit einem Jahr Präsident des Vereins Spitex Rotbachtal. Er vermutet, dass die Nachfrage im Bereich der psychiatrischen Pflege in den kommenden Jahren weiter steigen wird. «Und wie überall sind unsere Mitarbeitenden auch hier unser Kapital. Kurt Schedler füllt eine wichtige Lücke.» Kapital Mitarbeitende Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie, Sucht, Lebenskrisen – bei den von Kurt Schedler betreuten Personen kommen viele Krankheitsbilder vor. Für ihn steht die Diagnose aber nicht im Vordergrund. «Natürlich erhalten wir im Falle einer Vorgeschichte die nötigen Unterlagen. Am liebsten weiss ich aber beim ersten Kontakt noch möglichst wenig. Denn das wichtigste ist der Aufbau von Vertrauen.» Anders als bei der somatischen Pflege, die nach wie vor den Mammutanteil der Spitex-Aufgaben ausmacht, bleibt Kurt Schedler für seine Kunden während der gesamten Pflegedauer Bezugsperson. Da er bei der Spitex Rotbachtal bisher aber der einzige Psychiatrie-Fachmann ist, kommt es gezwungenermassen zu Lücken. «Natürlich bereite ich die Kunden auf kurze Abwesenheiten vor und bespreche mit ihnen das beste Vorgehen.» Trotzdem: Längerfristig sucht Geschäftsführer Roman John nach weiteren Lösungsansätzen. «Die Strategie ist klar – wir müssen Kooperationen suchen. Nicht nur in der psychiatrischen Pflege, auch in den anderen Bereichen.» Denn auch wenn bei der Spitex derzeit keine personelle Lücke besteht, die Suche nach gutem Pflegepersonal ist eine grosse Herausforderung. «Im vergangenen Jahr haben wir acht Monate nach einer Pflegerin gesucht.» Einsamkeit «Im ersten Gespräch geht es ums Kennenlernen. Dabei spürt man schnell, ob es passt und sich die Person auf mich einlassen will», sagt Kurt Schedler. Seine Kunden sind zwischen 20 und 80 Jahre alt und kämpfen mit den unterschiedlichsten psychischen Problemen. «Einsamkeit ist bei vielen ein Thema – nicht nur bei psychiatrischen Kunden.» Das kann an den Symptomen der Erkrankung selbst, aber auch an der noch immer stark verbreiteten Stigmatisierung psychischer Erkrankungen liegen. «Für einige bin ich der einzige, echte soziale Kontakt. Das ist für sie sehr wertvoll.» Seine Leistungen werden über die Krankenkasse abgerechnet und es gibt keine «Grundvoraussetzung ». «Wir beurteilen jeden Fall individuell. Wenn eine psychiatrische Betreuung nötig ist, steht sie dem Kunden auch zu», so Geschäftsführer Roman John.

MV wird verschoben

Das Coronavirus bringt auch die Pläne der Sptiex Rotbachtal durcheinander. Die für den 28. März angesetzte, siebte Mitgliederversammlung wird abgesagt bzw. verschoben. Die TP hat Geschäftsführer Roman John gefragt: Wieso? Herr John, die Mitgliederversammlung hätte erst Ende Monat stattgefunden. Warum haben Sie jetzt schon entschieden, sie zu verschieben? Unser Zielpublikum bei der MV gehört mehrheitlich zur sogenannten Risikogruppe im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Denn der Altersschnitt liegt bei über 60 Jahren. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen, der steigenden Anzahl Infizierter und der Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung prophylaktisch abzusagen. Hätten Sie mehr als 150 Besuchende erwartet? Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass jeweils zwischen 100 und 150 Personen anwesend sind. Da wir für den 28. März ein attraktives Rahmenprogramm geplant hatten, wären es wohl wieder ähnlich viele Leute gewesen. Ich nehme an, der Kanton hat die Absage empfohlen? Ja, er hat uns eindeutig zu einer Verschiebung geraten. Aufgrund des angesprochenen Risikos folgen wir diesem Rat. Wir kennen unsere Sorgfaltspflicht und wollen nicht im Nachhinein denken müssen: Ach, hätten wir doch bloss! Und wann findet die MV nun statt? Entweder im Mai oder Juni. Das gibt uns etwas Zeit die Entwicklungen rund um die Ausbreitung des Virus zu verfolgen. Und dann ist auch der Saal in Bühler noch frei. Hat das Coronavirus eigentlich auch einen Einfluss auf die tägliche Arbeit Ihres Personals? Teilweise. Einerseits halten wir uns natürlich penibel an die Hygienevorschriften des BAGs. Das wichtigste ist dabei Händewaschen und desinfizieren. Andererseits sind wir auch im Tagesgeschäft vorsichtig. Das bedeutet: Zeigt eine Patientin Grippe-Symptome werden beim Besuch chirurgische Schutzmasken getragen. Das betrifft sowohl die Pflegerin als auch die Patientin. tiz
Geschäftsführer Roman John nach der MV im vergangenen Jahr. Foto: Archiv

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