
Die Freude über das Neue ist spürbar. Andrea Hackamp und Marc Boltshauser starten in den nächsten Wochen mit ihrem Redekreis «CRCL». An diesem Morgen erzählen sie der Dorfzeitung von ihrem Vorhaben. Vieles ist bewusst noch offen. «Wir sind im Entstehungsprozess – und im Vertrauen», sagt Marc Boltshauser. Klar ist jedoch, worum es ihnen geht: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, sich zeigen und gehört, gesehen und gefühlt werden dürfen.
Andrea Hackamp ist Naturheilpraktikerin mit Praxis in Teufen, Marc Boltshauser ist Designer und Kommunikationsberater und führt ein Büro für digitale und analoge Kommunikation. Doch bei CRCL soll nicht der berufliche Hintergrund im Vordergrund stehen, sondern die gemeinsame Intention und das Menschsein. Beide haben in ihrem Leben bereits einiges bewegt, hinterfragt und durchlebt. Sie kennen herausfordernde Wege, innere Prozesse, das wiederholte Hinschauen und das immer wieder neue Aufstehen. Gerade daraus ist der Wunsch entstanden, einen Raum zu öffnen, in dem Menschen sich auf ehrliche Weise begegnen und zeigen können.
Sich mitteilen, einander zuhören, einfach sein dürfen, ohne Zwang und ohne Erwartungen: Das sind einige der Stichworte, die im Gespräch immer wieder fallen. Die beiden möchten einen Ort schaffen, an dem alles sein darf: Leichtigkeit und Freude ebenso wie Schwere, Tränen oder Unsicherheit. «Alles darf sein, nichts muss» ist dabei ein wichtiger Gedanke. Niemand ist verpflichtet, etwas zu sagen. Man darf auch einfach zuhören, im Kreis sitzen, die Augen schliessen oder nur die Präsenz der anderen wahrnehmen – und nur das mitnehmen, was einem in diesem Moment dient.
Was bereits klar ist: Ab April trifft sich CRCL jede zweite Woche am Dienstagabend. Mal gibt es einen kleinen Impuls, mal entsteht der Abend aus dem Moment heraus. Vielleicht bringen die beiden eine Atem- oder Körperübung mit, vielleicht ergibt sich Musik, vielleicht einfach Stille oder offenes Teilen. Im Zentrum steht, etwas ins Kollektiv hineinzulegen, ohne dass jemand etwas damit tun oder unmittelbar darauf reagieren muss. Denn schon eine Geste, ein Blick oder ein stilles Nicken kann im Inneren etwas in Bewegung bringen.
Wichtig ist den beiden das Wahrhaftige. Viele Menschen funktionieren im Alltag, tragen Masken und zeigen nur einen Teil von sich. Im Kreis darf das anders sein. Wer den Mut hat, sich ehrlicher zu zeigen, kommt eher ins Fühlen – und dadurch auch ins Bewusstsein. Genau darin sehen Andrea Hackamp und Marc Boltshauser eine Kraft, die in der Gemeinschaft entstehen kann. Ungefragte Ratschläge oder Spiegel sollen im Kreis keinen Platz haben. Wohl aber Achtsamkeit, Respekt und echte Präsenz. Vor und nach dem Kreis sowie in den Pausen ist ein Austausch jedoch willkommen.
CRCL versteht sich weder als Selbsthilfegruppe noch als therapeutisches Angebot. Auch religiös oder übermässig spirituell soll der Kreis nicht sein – wobei Spiritualität durchaus als Werkzeug dienen darf. Willkommen sind Menschen jeden Alters, aller Geschlechter und Nationen, auch Eltern mit Teenagern. Entscheidend ist die Begegnung auf Herzenshöhe. «Wir sind keine Gurus oder Meister», sagt Marc Boltshauser und lacht. «Wir sind Raumhalter. Nicht mehr und nicht weniger.» CRCL soll ein wertfreier und sicherer Ort sein. Deshalb gibt es auch einige klare Regeln, die jeweils zu Beginn kommuniziert werden. Einen fixen Preis gibt es nicht. «Wir machen eine Kollekte», sagt Andrea Hackamp. Alle geben, was sie möchten und was für sie stimmt. Weitere Informationen sollen künftig unter the-crcl.ch verfügbar sein.