Schule am Esstisch, Wasserball in der Stube

01.04.2020 | Alexandra Grueter-Axthammer
Schule zuhause Familie Rutz_2020 (2)
Gemeinsam am Schulstoff arbeiten
Yannick und Mikka beim Lernen am Esstisch

Alexandra Grüter-Axthammer

Die Frühlingsferien stehen vor der Türe. Eigentlich freuen sich die Schülerinnen und Schüler jeweils darauf. Eigentlich. Doch diesmal ist es anders. Wie so vieles im Alltag in der Schweiz und rund um den Globus. Auch die Brüder Yannick und Mikka Rutz aus Teufen freuen sich nicht besonders auf die Schulferien.

Schulbücher liegen auf dem Esstisch im Wohnzimmer. Auf dem Kaminsims stapeln sich Arbeitsblätter mit Aufträgen der Schule, ordentlich sortiert. Yannick (12) und Mikka (10) arbeiten hier für die Schule. Yannick besucht die sechste Klasse im Landhaus und Mikka die vierte Klasse. Mutter Miriam ist auch zu Hause. Sie arbeitet von zu Hause aus – immer, nicht erst seit dem Lockdown. Am Nachmittag sei dann auch der Papa zu Hause. Er hat eine Praxis für Kieferorthopädie. Am Morgen erledigt er noch administrative Aufgaben und Notfälle in der Praxis und am Nachmittag hat er Zeit für die Familie.

«Die erste Woche mit den Kindern zu Hause war sehr anstrengend und harzig», erzählt Miriam Rutz. Vieles musste geklärt werden. Die alten Laptops hätten sie aufgerüstet, sodass jeder seinen eigenen habe. «Falls keiner zur Verfügung steht, bietet die Schule auch Compis an.» Aber auch mit den Buben hätte sie sich erst organisieren müssen. Und sie seien gelegentlich schon aneinandergeraten. Das habe sich nun aber gelegt und sie arbeiten gut zusammen.

Wochenplan und Teams

Die Strickarbeit hat Yannick bereits fertig, für die Veloprüfung müsse er noch lernen und mit den sportlichen Aufgaben sei er sowieso gut dran. In der Powerlektion darf er machen, was er möchte. Er zieht Pflanzen und Triopse auf. Mathe und Franz bereiten ihm wenig Mühe. Yannick hat einen Wochenplan von der Schule bekommen und ist mit den Lehrpersonen und den Gspänli via Teams (siehe unten) verbunden. Er kann seinen Wochenplan mehrheitlich so einteilen wie er möchte. Darin sei er sehr diszipliniert, sagt er. Täglich zwischen neun und zehn Uhr müsse seine Klasse präsent sein und die Aufgaben der Lehrpersonen «liken». Er benötige weniger Zeit für die Schule als «normal». Das sei aber auch langweilig. «Trainieren kann ich nicht und abmachen geht auch nicht.»

Die Klasse vom jüngeren Bruder Mikka arbeitet nicht mit Teams. Sie haben ihre Aufgaben in Papierform erhalten. Einmal wöchentlich telefoniert er mit der Lehrperson, aber eine Online-Verbindung gebe es nicht. Ihm fehlen seine Kameraden und er hat kaum Gelegenheit mit ihnen zu kommunizieren. Telefonieren sei nicht so sein Ding und die Brüder hätten noch kein eigenes Handy. Mikka findet es schwieriger zu Hause zu arbeiten. In der Schule könne er sich besser konzentrieren. «Hier hat es halt Spielsachen und dann nehme ich mir was und spiele damit. Wenn ich mich dann wieder an die Schulsachen mache, bin ich mit dem Kopf noch beim Spiel. Das finde ich schwierig.» Doch er sieht auch Vorteile: «So sehen meine Eltern wie gut ich in der Schule arbeite und was ich alles kann.» Das freut den Viertklässler.

Körperliche Auslastung fehlt

Die Brüder trainieren bei TriStar in St.Gallen Wasserball. Bis zum Lockdown drei bis fünf Mal die Woche. Das Training fehle beiden enorm, aber nicht nur das Training, auch das Team und die Freunde fehlen. «Ich gehe jetzt später schlafen, ich bin einfach nicht so müde. Sonst falle ich nach dem Training ins Bett und bin froh, wenn ich nur noch schlafen kann. Jetzt lese ich manchmal noch im Bett», sagt Yannick.

Nun organisierte der Club ein Onlinetraining. Am Dienstagabend das erste Training für die Wasserballer zu Hause. Mikka trainierte im Wohnzimmer, Yannick im Untergeschoss. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Voller Begeisterung hätten die Buben trainiert, sagt die Mutter. Aber auch, dass sie ihre Mannschaftskollegen wieder einmal sehen konnten, freute die beiden sehr. Zwischen den Übungen blieb auch kurz Zeit für einen kleinen Schwatz unter Freunden.

Strukturiert aber langweilig

Um 7.00 Uhr steht die Familie auf. Wenn der Papa arbeiten geht, geht der Rest der Familie, inklusive Hund Dewey, auf den Vita-Parcours im Steinegger Wald. «Etwa eine Stunde trainieren wir  dort», sagt Miriam. «Danach gibt es ein reichhaltiges Frühstück und im Anschluss widmen sich die Jungs der Schule, lernen oder arbeiten an ihren Projekten.» Chaotisch sei es nicht bei ihnen, eher sehr strukturiert. «Strukturiert aber langweilig», meint Mikka dazu.

Miriam ist froh, dass ihre Buben sich gut verstehen und sich auch gegenseitig helfen beim Schulstoff. Ganz gross im Kurs seien nun die Mindstorms Roboter. «Dafür war bisher kaum Zeit, neben dem Training und der Schule. Gemeinsam mit dem Papa bauen und programmieren sie manchmal stundenlang die Roboter.»

Nun stehen die Frühlingsferien bevor. Schulfreie Zeit also. «Dann wird es ja noch langweiliger», meint Mikka. Nein, beide freuen sich nicht besonders auf die Ferien. Das Trainingslager in Tenero wurde abgesagt und auch die Familienferien fallen aus.

Microsoft Teams – Online-Plattform


Teams ist eine online Plattform von Microsoft, eine zentrale Anlaufstelle für ein virtuelles Team. Es ermöglicht Chat, Besprechungen, Notizen und Anhänge zu kombinieren. Im Chat können sich die Mitglieder schnell und unkompliziert austauschen. Daten lassen sich hinterlegen und die Anbindung an weitere Microsoft Tools wie etwa Power Pont sind möglich.

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