Ortsdurchfahrt: Jetzt kommt eine Petition

02.05.2019 | Timo Züst
Felix_Gmünder_web
Der 68-jährige Felix Gmünder lebt seit 2016 in Teufen. Er ist Doktor der Biotechnologie und arbeitet noch heute für ein internationales Ingenieurbüro. Foto: tiz Timo Züst Seit der Information der Projektleitung der Ortsdurchfahrt Teufen über die Standortbestimmung und weitere Kostensteigerungen häufen sich die kritischen Leserbriefe. Felix Gmünder hat seinen Leserbrief bereits im Februar verfasst. Und jetzt geht er noch einen Schritt weiter: Er lanciert eine Petition. Eigentlich passt es so gar nicht: Felix Gmünder. Im Jahr 2011 hat er mit seiner Frau ein Eigenheim in Teufen erworben und ist 2016 hierhergezogen. Davor leitete er zehn Jahre lang in Singapur die Tochterfirma des internationalen Ingenieurbüros Basler & Hofmann. Von Haus aus ist er Mikrobiologe und Biochemiker, später doktorierte er als Biotechnologe an der ETH Zürich. Bei Basler & Hofmann leitete er die Abteilung Umwelt- und Arbeitssicherheit. Der 68-Jährige arbeitet auch heute noch in einem Teilzeitpensum. Meist von zuhause aus, einmal pro Woche pendelt er nach Zürich. Und nun lanciert er die Petition „Marschhalt Ortsdurchfahrt Teufen„. Warum gerade er? „Ich habe mich schon immer für die Belange meines Quartiers eingesetzt. Im Jahr 1997 sollte das Hallenbad Altstetten in Zürich abgebrochen werden. Ich und andere konnten den Weiterbetrieb – und zwar rentabel – mit einem Genossenschaftsvertrag mit der Stadt sichern“, erzählt er in tadellosem Zürcher Dialekt. Aber: „Meine Familie stammt ursprünglich aus Herisau. Und hier muss ich meinen Nachnamen nicht wie im Unterland buchstabieren“, sagt er lachend. Marschhalt statt Standortbestimmung Das Vorgehen ist wohlüberlegt. Eigentlich hätte Felix Gmünder mit der Petition schon vergangene Woche starten wollen. Aber er und die anderen drei Mitglieder der Petitionsgruppe – Manfred Brunner, Kurt Stäheli und Richard Wiesli – entschieden sich dazu, die neusten Informationen aus dem Gemeinderat abzuwarten. „Uns ist es wichtig, dass diese Petition nicht als Affront verstanden wird. Wir wollen dem Gemeinderat damit den Rücken stärken“, so Gmünder. Seit vergangenem Montag ist nun aber klar: Der Gemeinderat will die Standortbestimmung durch die Oberprojektleitung abwarten, bevor er aktiv wird. Das reicht nicht, finden die Petitionäre. „Wir wollen verhindern, dass mit Bauinvestitionen bei anderen Teilprojekten Sachzwänge für die Doppelspur geschafft werden.“ Namentlich geht es dabei auch um den Umbau des Bahnhofs, der im Juni starten soll. Zwar bestreitet Felix Gmünder die Notwendigkeit des dritten Gleises nicht. Er vermutet aber, dass im Falle einer Alternative zur Doppelspur auf einige Infrastruktur-Investitionen verzichtet werden könnte. Und anders als bei den eher zögerlich geführten Diskussionen der vergangenen Monate nennt die Petition diese Alternative nun auch beim Wort: „Die unterzeichnenden Personen bitten den Gemeinderat, die verschiedenen Varianten inklusive einer zweckmässigen Tunnellösung erneut grundsätzlich und sorgfältig zu überprüfen und die favorisierten Lösungen nochmals dem Volk vorzulegen.“ Und mit der Formulierung „zweckmässige Tunnellösung“ wird auch deutlich: Den Petitionären geht es nicht um eine Kurztunnel-Variante. Sie streben den Vergleich mit dem Langtunnel an. Stimmung ist gekippt Trotzdem: Die Petition hätte doch eigentlich schon längst lanciert werden können, oder? „Ausschlaggebend waren die vielen Leserbriefe und dass ich in meinem Umfeld immer mehr Kritik gespürt habe“, erklärt Felix Gmünder. Besonders die Kostensteigerung, aber auch die Situation während und nach der Bauzeit, beschäftige die Leute. Mit der Petition sollen diese Menschen nun eine gemeinsame Stimme erhalten. Und: „Wir haben uns bewusst gegen eine Initiative entschieden. Damit würden wir uns und den Gemeinderat zu stark einschränken. Ausserdem ist die Rechtslage sehr komplex.“ Dieses Vorgehen wird auch vom Ausschuss Gewerbe Dorf unterstützt, der seinerseits diese Woche eine Medienmitteilung zur ODT veröffentlich hat. Die Unterschriftensammlung hat nun bereits begonnen – und soll Ende Mai abgeschlossen sein. Dann wird die Petition dem Gemeinderat überreicht. Die Petition finden Sie hier.

Medienmitteilung:

Doppelspur Teufen – lieber spät als nie! Bereits Ende November letzten Jahres hat sich der Ausschuss Gewerbe Dorf aufgrund des damaligen Kenntnisstands in einer Medienmitteilung besorgt über die Entwicklung des Bauvorhabens Doppelspur Teufen gezeigt und die Bauherrschaft dazu aufgerufen, eine Auslegeordnung und sorgfältige Neubeurteilung vorzunehmen. An der öffentlichen Informationsveranstaltung vom 17. Januar 2019 wurde dann darüber informiert, dass sich die Kosten für das Gesamtprojekt voraussichtlich auf 53 Mio. Franken belaufen werden. Die Besorgnis des Ausschusses Gewerbe Dorf hat sich mit dieser Verdoppelung der Kosten bzw. Kostenüberschreitung von 100 Prozent gegenüber den in der Abstimmung vom 18. Januar 2015 im Edikt vorgelegten 26 Mio. Franken bestätigt. Eine Standortbestimmung und Kosten/ Nutzen-Analyse wurde zu diesem Zeitpunkt kategorisch abgelehnt. Lieber spät als nie! Der Ausschuss Gewerbe Dorf nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die Bauherrschaft jetzt doch noch eine Standortbestimmung und Kostenanalyse angekündigt hat. Die Tatsache aber, dass es zu einer weiteren Kostenerhöhung im Rahmen von 20 Prozent kommen kann und sich somit die Kosten für die Doppelspur in Richtung 65 Mio. Franken oder gar darüber hinaus bewegen können, muss hellhörig machen. Dies insbesondere auch, da der AB-Direktor als verantwortlicher Bauherr betont, dass es sich bei dieser Analyse um einen normalen Controlling-Auftrag als Bauherrschaft handle und die Doppelspur so oder so gebaut werde. Sozusagen: Koste es, was es wolle? Der Ausschuss Gewerbe Dorf fordert die zuständige Bauherrschaft auf, jegliche Bauvorhaben so anzugehen, dass sie den Bau einer Doppelspur bis zum Vorliegen der Analyse im September 2019 nicht präjudizieren. Dies gilt insbesondere für das Teilprojekt Bahnhof Teufen (15 Mio. Franken), dessen Baubeginn für diesen Juni geplant ist. Dabei steht einem provisorischen Einbau eines dritten Gleises zur Entlastung der Strecke Bahnhof bis Linde sowie der notwendigen Sicherheitsmassnahmen aus Sicht des Ausschusses Gewerbe Dorf nichts im Wege. Gleichzeitig hat der Ausschuss Gewerbe Dorf bei der Gemeinde schriftlich beantragt, die Trassensicherung öffentlicher Verkehr OV V.3.2, welche im Jahr 2017 sowohl aus dem kantonalen als auch dem kommunalen Richtplan rausgenommen wurde, mindestens bis zu dem Zeitpunkt wieder sicherzustellen, zu dem Klarheit über die künftige Ortsdurchfahrt besteht. Es gilt auf jeden Fall zu vermeiden, dass Teufen in der aktuellen Umsetzungsphase der Doppelspur schlussendlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird und jeglicher Handlungsspielraum für andere Ortsdurchfahrtslösungen mittelfristig, aber auch langfristig für spätere Generationen verbaut wird. Im Übrigen besteht kein Bedarf für voreiliges, unbedachtes Handeln auf Kosten der Offentlichkeit. So kann Teufen auf Basis der im September vorliegenden Analyse noch reagieren und es können die notwendigen Ruckschlusse daraus gezogen werden. Urs Alder, Kantonsrat. Im Namen des Ausschusses Gewerbe Dorf Teufen [grauer-kasten titel=“Der Ausschuss“ text=“Der «Ausschuss Gewerbe Dorf» ist offizielles Ansprechorgan für die Behörden und die Bahn, wenn es um Fragen und Entscheidungen im Rahmen der Ortsdurchfahrt Teufen geht. Er trifft sich regelmässig mit der Bauherrschaft (Bahn, Kanton) und der Gemeinde und setzt sich insbesondere für eine möglichst reibungslose Geschäftstätigkeit während der Bauphase sowie die Sicherheit sämtlicher Verkehrsteilnehmenden im Dorf ein. Dem «Ausschuss Gewerbe Dorf» gehören an: Thomas Schirmer, Präsident Gewerbeverein Teufen, Katja Diethelm, Brillehus, Barbara Ehrbar, Metzgerei Breitenmoser/Rest. Anker, Heinz Rusch, Coiffeur Tonio, Oliver Hörler, Hörler Tiefbau und Urs Alder, Kantonsrat.“]

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