"Neues Sekschulhaus bietet viele neue Möglichkeiten"

01.09.2015 | Erich Gmünder
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Ursula von Burg ist seit 2011 im Gemeinderat. Die Klavierlehrerin präsidiert die Schulkommission. Fotos: Erich Gmünder

Die Sekundarschule soll vom Hörli ins Areal Landhaus zügeln. Am 18. Oktober entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über einen Projektierungskredit von 1,2 Mio. Franken für einen «Neubau Sekundarschule Landhaus».

Für den Gemeinderat ist die Sache klar: Er spricht sich einstimmig für die Verlegung der Sekundarschule vom Hörli ins Areal Landhaus aus und listet dazu im Abstimmungsedikt viele Argumente auf. Wir sprachen darüber mit Gemeinderätin und Schulpräsidentin Ursula von Burg.

Interview: Erich Gmünder

Seit zehn Jahren wälzt der Gemeinderat das Dossier Hörli. Warum geht es jetzt plötzlich so rasch?

In der Tat dauerte dieser Prozess noch einige Jahre mehr. Bereits 2006 wurde ein Siegerprojekt vorgelegt. Aufgrund der Intervention des Kantons, der eine Überprüfung der Sekundarstufe im ganzen Kanton vornahm, gelangte es nicht zur Weiterbearbeitung. Davor wurden schon Jahre in die Lösung des Raumproblems investiert – und die Schule musste immer wieder improvisieren, um mit der Entwicklung in der Pädagogik einigermassen Schritt halten zu können.

«Wenn der Tunnel angenommen
worden wäre, wäre diese
Vorlage jetzt kein Thema, und
wir müssten weiter Pflästerlipolitik
betreiben.»
Ursula von Burg

Das bedeutete auch, dass wir nicht einfach das alte Projekt wieder aus der Schublade hervornehmen konnten, sondern von vorne beginnen mussten. Es fehlen uns heute Gruppenräume, Ess- und Aufenthaltsräume und Lehrervorbereitungszimmer – einfach alles, was es braucht, seit nicht mehr die Gleichung gilt: ein Lehrer – ein Klassenzimmer.

Zurück zu meiner Frage: Warum geht es nun plötzlich vorwärts?

Die Arbeitsgruppe ist seit zwei Jahren intensiv am Arbeiten, die Abstimmung über eine Projektierung kann aber erst jetzt stattfinden, nachdem die Tunnelfrage geklärt ist. Wenn der Tunnel angenommen worden wäre, wäre diese Vorlage jetzt kein Thema, und wir müssten weiter Pflästerlipolitik betreiben.

Warum soll der Bürger Ja sagen zu einer Vorlage, die fast so teuer ist wie der abgelehnte Objektkredit der Gemeinde für den Tunnel?

Der Gemeinderat hat bei der Tunnelabstimmung gesagt, ein Tunnel wäre finanzierbar, aber zu einem hohen Preis. Er hat vor den Risiken einer Kostenüberschreitung gewarnt und war auch inhaltlich nicht überzeugt von dieser Lösung der Verkehrsprobleme. Aber es ist auch klar, dass wir uns das Schulhaus nicht hätten leisten können, wenn der Tunnel angenommen worden wäre. Es ist alles eine Frage der Prioritäten. Wir sind überzeugt, dass der Schulhausbau eine zukunftsorientierte Lösung ist.

Was gab den Ausschlag für die neue Variante?

Wir haben anderthalb Jahre lang ausschliesslich im Hörli eine Sanierungslösung gesucht – und keine befriedigende Antwort gefunden. Bis die Variante Landhaus ins Spiel kam. Da hat sich herausgestellt, dass die Kosten einer Sanierung nicht massiv günstiger sind als ein Neubau. Und dass ein neuer Standort grosse Vorteile bringt, was die Erschliessung, die Umgebung und die Synergien bei der Nutzung der Sportanlagen angeht.

28 Mio. Franken sind ein grosser Brocken – das Primarschulhaus Landhaus kostete vor 11 Jahren zwölf Mio. Franken weniger.

Die beiden Projekte lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen. Das Raumprogramm beim neuen Schulhaus ist einiges umfangreicher, und man darf auch die inzwischen eingetretene Bauteuerung nicht ausser Acht lassen. Wir bewegen uns in einem vergleichbaren Rahmen wie andere neue Schulbauten in der Region.

1,2 Mio. Franken kostet allein der Projektierungskredit – die sind bei einem allfälligen Nein verloren.

Das stimmt natürlich. Der Betrag enthält aber viele Vorleistungen und ist im Baukredit von 28 Mio. Franken bereits enthalten. Die reinen Wettbewerbskosten machen mit rund 350’000 Franken nur einen Bruchteil aus. Uns ist wichtig, dass die Kosten realistisch geschätzt werden und es am Schluss keine bösen Überraschungen gibt – und das gibt es nicht gratis.

Die Schülerzahlen zeigen momentan eher abwärts – besteht nicht die Gefahr, dass am Bedarf vorbei gebaut wird?

In der Tat sind die Schülerzahlen in den Nullerjahren zurückgegangen, wir stellen aber wieder einen leichten Anstieg fest, was auch auf die starke Bautätigkeit und den Trend zu grösseren Familien zurückzuführen ist. Laut den jüngsten Prognosen werden sich die Schülerzahlen auf leicht höherem Niveau stabilisieren. Das Projekt ist aber wie bisher auf neun Klassen ausgelegt, mit einer Reserve, falls andere Gemeinden dazu stossen würden.

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Wenn die Sek ins Landhaus zügelt, stehen die beiden Schulhäuser im Hörli leer. Was passiert dort?

Diese Frage hat unsere Projektgruppe intensiv beschäftigt und wir haben viele Ideen gesammelt. Mit diesem Thema wird sich jedoch vor allem die Projektgruppe Dorfzentrum befassen. Mit der Verkehrsplanerin Fabienne Perret konnte dafür bereits eine externe Fachfrau gewonnen werden, die mit den Anliegen der Teufner aus dem Projekt Ortsdurchfahrt bestens vertraut ist.

Sollte diese Frage nicht vorrangig geklärt werden, damit die Stimmbürger nicht die Katze im Sack kaufen müssen?

Richtig: Unser Ziel ist, dass die Stimmbürger dann wissen, wie es im Hörli weitergeht, wenn sie über den Baukredit abstimmen. Der Wegzug der Sekundarschule ist eine grosse Chance für die Dorfentwicklung und bietet Potenzial für viele neuen Möglichkeiten – ich vergleiche das mit einem Dominospiel. Eine Option ist zum Beispiel, dass das Dorfschulhaus anderweitig genutzt werden kann, wenn die Primarschule ins Hörli verlegt wird. Ich freue mich, wenn viele Leute mitdenken und ihre Meinung einbringen.

Wie sehen Sie der Abstimmung entgegen?

Durchaus hoffnungsvoll. Ich habe festgestellt, dass der neue Lösungsansatz je mehr überzeugt, je länger man sich damit auseinandersetzt.

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Hier ist der Neubau geplant, unmittelbar neben dem neuen Primarschulhaus Landhaus, anstelle des heutigen Biserhus.

 

Worum es geht*

Die Sekundarschule ist zurzeit in Gebäuden untergebracht, welche nicht mehr zeitgemäss sind: Einzelne Klassenzimmer sind klein, Gruppen- und Nebenräume fehlen, Wärmedämmung, energietechnische Anlagen und Infrastruktur entsprechen nicht mehr heutigen Anforderungen.

Eine bauliche Sanierung ist seit vielen Jahren ein Thema, wurde aber bisher aufgeschoben, weil Pläne bestanden, die Oberstufe auf wenige Standorte im Kanton zu konzentrieren. Inzwischen steht fest, dass die Gemeinden weiterhin autonom entscheiden, wie und in welchen Kooperationen sie ihre Schulen organisieren. Weil an der Teufner Oberstufe akuter Platzmangel herrscht, hat der Gemeinderat nun entschieden, die Erneuerung des Oberstufenschulhauses prioritär zu behandeln.

In verschiedenen Arbeitsgruppen und Kommissionen wurden der Raumbedarf abgeklärt, die Bausubstanz geprüft und mögliche Standorte für einen Ergänzungs- oder Neubau evaluiert. Dabei zeigte sich, dass ein neues Schulhaus im Landhaus bei vergleichbaren Kosten deutlich zukunftsorientierter ist als ein Um- und Ergänzungsbau oder auch ein Neubau auf dem Hörli-Areal.

«Ein neues Schulhaus im Landhaus
ist bei vergleichbaren
Kosten deutlich zukunftsorientierter
als ein Um- und Ergänzungsbau
oder auch ein Neubau
auf dem Hörli-Areal.»
Aus dem Abstimmungsedikt

Durch die Verlegung der Sekundarschule ergeben sich neue Möglichkeiten für die Dorfentwicklung. Der Gemeinderat ist von der Notwendigkeit eines neuen Oberstufenschulhauses überzeugt. Er hofft auf die Zustimmung der Teufner Bevölkerung zum Projektierungskredit, der es erlaubt, eine zukunftsorientierte Lösung in hochwertiger und standortgerechter Architektur zu erarbeiten.

Landerwerb im Landhaus

Die Gemeinde besitzt im Landhaus mit der Parzelle «Haus Biser» bereits einen kleinen Teil der für einen Neubau notwendigen Landfläche. Für die Realisierung der Schulanlage werden zusätzlich ca. 5’000 m2 benötigt. Sowohl mit den Eigentümern östlich wie auch westlich der Primarschule Landhaus wurden Verhandlungen zum Landerwerb geführt. Der Eigentümer des östlich der Primarschule Landhaus liegenden Grundstücks ist bereit, Land in diesem Umfang zu einem Preis von ca. CHF 4 Mio. zu verkaufen. Dem Landkauf im Landhaus steht der Wert der für eine andere Nutzung frei werdenden Liegenschaft im Hörli gegenüber.

Das im Landhaus zu erwerbende Land liegt teilweise in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, zum Teil aber in der Landwirtschaftszone. Voraussichtlich müssen rund 1’000 m2 vor der Realisierung des Bauvorhabens umgezont werden. Die Umzonung wird zusammen mit dem Baukredit zur Abstimmung gebracht. Dafür wird eine Arbeitsgruppe mit externer fachlicher Begleitung und Moderation eingesetzt.

*Auszüge aus dem Abstimmungsedikt der Gemeinde «Projektierungskredit Neubau Sekundarschulhaus Landhaus».

 

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