Nein zum Tunnel - Teufen setzt auf Doppelspur

18.01.2015 | Erich Gmünder
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Die Appenzeller Bahn soll auch in Zukunft durchs Dorf fahren, einfach auf zwei richtungsgetrennten Gleisen. Archivfoto: EG

Der Offensive der Tunnelbefürworter in den letzten Wochen vor der Abstimmung war kein Erfolg beschieden: Teufen lehnt am 18. Januar 2015 den Objektkredit von 30 Mio. Franken für einen Tunnel zwischen dem Bahnhof und Stofel deutlich  ab, mit 1’058 Ja gegenüber 1’565 Nein oder im Stimmenverhältnis 40 zu 60 Prozent. Dies bei einer Stimmbeteiligung von 58,3 Prozent.

Hier geht’s direkt zum Abstimmungsergebnis auf www.teufen.ch

Der deutliche Entscheid ist eine Bestätigung für den Gemeinderat, der den Tunnelkredit zur Ablehnung empfohlen und die Doppelspurvariante bevorzugt hatte. Die IG Dorf sowie sämtliche Parteien hatten ihn dabei unterstützt.

Spannung durch Schlussoffensive der Befürworter

In den letzten Wochen hatte eine lose Gruppe von Teufnern mit einem Flyer, mit einem Inserat in der Appenzeller Zeitung und mit zahlreichen Leserbriefen eine eigentliche Schlussoffensive gestartet, um quasi in letzter Minute noch einen Meinungsumschwung herbeizuführen.

Federführend bei den Tunnelbefürwortern war der ehemalige „Wassermann“ Walter Hohl, der eine Handvoll Tunnelbefürworter um sich scharte und finanziell von anonymer Seite unterstützt wurde.

Walter Grob
Ein gefragter Mann: Am laufenden Band gibt Gemeindepräsident Walter Grob Radio- und Fernsehstationen sowie anderen Medien Auskunft über den Teufner Entscheid. Foto: EG

Gemeindepräsident Walter Grob zeigt sich über das Resultat erfreut und sieht die Arbeit des Gemeinderates bestätigt. Er hatte zwar selber der Sache nicht mehr ganz getraut und zehn Tage vor der Abstimmung noch eingeräumt, dass er „kein Gefühl“ dafür habe, wie die Abstimmung herauskomme. (folgt separates Interview)

Mit der Ablehnung des Tunnelkredits gelangt automatisch die Doppelspurvariante zur Weiterbearbeitung. Das Detailprojekt mit der Gestaltung der Dorfdurchfahrt muss dem Teufner Volk erneut vorgelegt werden.

Tunnel zu teuer, Doppelspur mit Fragezeichen

Die Gemeinde hatte den Tunnel nicht nur aus finanziellen Gründen abgelehnt, sondern mehrfach betont, dass die Doppelspur auch in Fragen der Sicherheit und Lebensqualität mehr Vorteile für das Dorf bringe.

Im Abstimmungskampf ging es beim Tunnel vor allem um die Frage, ob sich Teufen diese Investition (mit dem finanziellen Risiko einer Kostenüberschreitung) leisten könne, ohne andere grosse Vorhaben wie die Erneuerung der Sekundarschule Hörli zu gefährden, während bei der Doppelspur Fragen zur Sicherheit, beispielsweise für Kinder oder Velofahrer, zur Ästhetik (Stichwort Mastenwald) sowie zu den Auswirkungen während der Bauphase für die Läden im Dorf diskutiert worden. Deshalb war auch die Variante Einspur plus diskutiert worden, eine Weiterführung der bisherigen Dorfdurchfahrt, welche jedoch aus Sicht der Bahn nicht mehr zur Debatte steht.

Mit der Entscheidung vom Sonntag ist eine rund 60-jährige Debatte zur Lösung der Teufner Verkehrsprobleme mit diversen Tunnelprojekten definitiv abgeschlossen worden. Hätten die Teufner den Tunnelkredit angenommen, wäre der Ausgang immer noch ungewiss gewesen. Weil sich an den Kosten von 65 Mio. Franken auch der Kanton mit 5 Mio. Franken beteiligen sollte, hätte voraussichtlich das Ausserrhoder Volk das letzte Wort gehabt, wobei als ungewiss galt, ob die ärmeren Gemeinden bereit gewesen wären, dem „reichen“ Teufen bei der Tunnelrealisierung unter die Arme zu greifen.

Einbezug aller Kräfte

In einem rund zweijährigen Prozess mit Einbezug aller relevanten Gruppierungen und interessierten Kreisen waren die beiden Varianten in diversen Workshops „ergebnisoffen“ auf ihre Durchführbarkeit und Finanzierung geprüft worden, und die Gemeinde war bereit gewesen,  maximal 30 Mio. Franken für einen Tunnel zur Verfügung zu stellen. Der Anstoss kam von der im Sommer 2013 gegründeten IG Dorf, welche mit der Verpflichtung des früheren St. Galler und Zürcher Stadtbaumeisters Franz Eberhard die Diskussion versachlicht hatte (Franz Eberhard starb im Mai 2014).

Mit zwei öffentlichen Informationsveranstaltungen sowie einer Dauerausstellung im Haus Unteres Gremm wurde dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung getragen. Die Tüüfner Poscht hatte mehrere Dossiers veröffentlicht und in ihrem Onlineauftritt die Diskussion mit zahlreichen Beiträgen und Leserbriefen medial begleitet.

In einer Online-Umfrage der Tüüfner Poscht zwei Wochen vor der Abstimmung war die Ablehnung der Tunnelvorlage erstaunlich genau prognostiziert worden.

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