











Am gestrigen «e-mobile Energieforum» im Lindensaal drehte sich alles um Elektrizität. Wer sich für E-Mobilität, Solarenergie, Ladeinfrastrukturen zu Hause und Fördergelder interessiert, war am richtigen Ort. Organisiert wurde der Abend von «Electrosuisse» und der Gemeinde.
«Rund 90 Leute haben sich angemeldet», sagt Gemeindepräsident Reto Altherr. Er hat sich beim Apéro vor dem Lindensaal unter die Leute gemischt. Und unter die neusten Modelle der E-Autos. Die Ausstellung gehört zum Programm. Bevor es um notwendige Infrastrukturen, Nachhaltigkeit und finanzielle Investitionen geht, kann man sich die potenziellen «Flitzer» anschauen.
Reto Altherr ist es auch, der den Abend offiziell eröffnet. «Mobilität bedeutet Möglichkeiten, Freiheiten und Ungebundenheit.» Darauf will kaum mehr jemand verzichten. «Wir müssen uns aber bewusst sein, dass diese Vorzüge auch eine Kehrseite haben.» Es braucht Infrastrukturen, die Umwelt wird in Mitleidenschaft gezogen. Altherr appelliert an die Einzelnen. «Sicher ist, dass die Mobilität nicht weniger werden wird. Wir müssen uns fragen, was jeder selbst tun kann.»
Alltagstaugliche E-Autos
Anschliessend übernimmt Urs Schwegler. Der Bau- und Werksingenieur setzt sich seit 30 Jahren mit energieeffizienten Fahrzeugen auseinander. «Unser System ist im Umbruch», sagt er und bezieht sich auf die Energiestrategie 2050, die 2017 knapp angenommen wurde.
In seinem Referat klärt er auf. Über den Durchschnittsverbrauch von E-Fahrzeugen im Vergleich zu jenen, die einen Verbrennungsmotor haben. Als Beispiel für ein Land, in dem inzwischen fast nur noch E-Autos unter den Neuzulassungen zu finden sind, nennt er Norwegen. «Das zeigt uns vor allem eines: E-Autos sind alltagstauglich!» Er scheint damit die teilweise vorhandene Ansicht verändern zu wollen, dass mit Strom angetriebene Autos nicht gleich leistungsfähig sind.
Und warum gibt es in der Schweiz noch nicht mehr E-Autos bei den Neuwagen? Schwegler hat auf diese Frage einige Antworten bereit. Die Batteriekapazität sei ein Thema. «Reichweite und Dauer der Ladung sind noch nicht überall und für alle ausreichend.» Ein weiteres Hindernis sind fehlende Rohstoffe für die Batterien und eine genügend schnelle Produktion dieser. Und der Preis. Ein E-Auto ist bis dato in jedem Fall teurer als ein Auto mit Benzin- oder Dieselmotor. Schwegler argumentiert, dass die Anschaffung zwar teurer, das Fahren dann aber viel günstiger sei.
Die Frage nach Nachhaltigkeit steht ständig im Raum. Eine der «sensiblen Fragen», wie Schwegler sie nennt. «Ein Auto ist nie sauber! Aber ohne Elektroautos werden wir die Energiewende nicht schaffen.» Einfach sei es nicht, die Batterien und genügend Strom zu produzieren, die Infrastrukturen bereitzustellen. Schwegler ist aber optimistisch.
Mobilität ist Glaubenssache
Marcel Gauch, Nachhaltigkeitsdelegierter bei der Empa, informiert über Batterien. Denn diese sind das Herzstück eines jeden E-Autos. Zu Beginn erläutert er kurz, wie eine Batterie aufgebaut ist und funktioniert. «Davor haben alle immer grossen Respekt, dabei ist es gar nicht so kompliziert», beginnt er. Er bringt dem Publikum die Idee nahe, intelligenter mit Ressourcen umzugehen. «Wir müssen wieder zurück zum natürlichen Tagesgang, das hat eindeutige Konsequenzen», erklärt er den Zuhörenden. Damit meint er die Notwendigkeit, Strom dann zu nutzen, wenn er erneuerbar produziert werden kann: tagsüber.
Auch er betont, dass E-Autos nicht umweltfreundlich sind. «Menschen machen immer einen Schaden, wenn sie sich bewegen. Auf jeden Fall sind E-Autos aber weniger schädlich.» Zum Abschluss seiner Präsentation zeigt er verschiedene Fahrzeuge, die teilweise mit wenigen PS hohe Geschwindigkeiten erreichen können. Im Vergleich zum SUV, der 130 PS hat, benötigt das futuristisch aussehende Gefährt in «Zigarrenform» gerade mal 13. «Das kann auch auf 120 km/h beschleunigen», erklärt Gauch. Kundenbedürfnisse könnten sich verändern, was weniger Verschwendung von Rohstoffen und eine nachhaltigere Mobilität bedeuten würde. «Das Ganze wird aber immer eine Glaubenssache bleiben», schliesst er sein Referat ab.
Die Workshop-Verantwortlichen stellen ihr Thema dem ganzen Publikum kurz vor. Marcel Gauch bietet die Möglichkeit, noch mehr Wissen über Batterien zu erlangen. Dominic Denoth von der Firma «Helion AG» informiert mit seinen Kollegen über Ladeinfrastrukturen in Mehrfamilienhäusern. Patrick Betschart von der «Lentec AG» leitet die Vertiefung «Kombination Solarstrom und E-Mobilität». Stephanie Bernhardsgrütter vom Amt für Umwelt Appenzell Ausserrhoden gibt Auskunft über die Förderprogramme auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Anschliessend teilen sich die Anwesenden in Gruppen auf und lauschen dort, wo sie besonderes Interesse haben. nek