«Minergie-P» auch für Mietwohnungen

01.12.2012 | Sepp Zurmühle
Minergie P MFH (3)
Vorher:  Archivaufnahme. Fotos: Sepp Zurmühle und Erich Gmünder

Am 16. Dezember 2010, bei eisigen Temperaturen, riss ein Bagger Stück um Stück des alten Chalets an der Hauptstrasse 33 heraus… Für viele Teufnerinnen und Teufner war dieser Anblick auch mit Trauer und Wehmut verbunden.

.. und nachher
 

Optimale Nutzung

Der Abbruchentscheid für das Chalet sei den Verantwortlichen schwer gefallen, erklärt Architekt Daniel Grob von Meierpartner Wil. In den beiden Mehrfamilienhäusern entstanden acht 5 1/2-Zimmer-Wohnungen mit je 142 m2 Nettowohnfläche.

Acht Familien können heute die wunderbare Aussicht auf den Alpstein und auf das Dorf geniessen; über breite Fensterfronten und von verglasten, unbeheizten Balkonen (Loggias) aus. Vergleiche man die heutige Nutzung des Areals, sei der Entscheid zu verantworten.

Zukunftsträchtiges Konzept

Bauherr Paul Tobler engagiert sich seit Jahrzehnten für die Förderung von erneuerbaren Energien, speziell im Rahmen der Regionalgruppe Ostschweiz der SSES (Schweizerische Sonnenenergie-Vereinigung). So verwundert es nicht, dass er grossen Wert auf die Energieeffizienz legte und sich für Minergie-P Standard entschied.

Erläuterungen auf der Terrasse. Foto: SZ

Die Hauptdächer gegen Süden wurden als Indach-Photovoltaik-Anlagen konzipiert. Dieses System ersetzt die übliche Dacheindeckung (z.B. Ziegel) und übernimmt die Funktion der Dachhaut.

Auch das Flachdach zwischen den beiden Hauptgebäuden wurde mit Solarmodulen bestückt. Total liefern die 142 Module mit einer Gesamtleistung von 29 kW (Kilowatt) einen jährlichen Stromertrag von 26’000 kWh.

Die Energieversorgung (Heizung, Lüftung, Warmwasser) für die acht Wohnungen benötigt insgesamt 27’060 kWh. Damit wird 98 % des Energiebedarfs beider Mehrfamilienhäuser auf den eigenen Dächern produziert. Zur Abdeckung des individuellen Bedarfs der Bewohner reicht der Wirkungsgrad der Solarfläche (noch) nicht aus, erklärt Georges Schär von Schär Energie Trogen, welche die Solaranlage plante.

Die gesamte Aussenhaut der Gebäude, inklusive Sockelgeschoss, wurde gut isoliert. Drei Erdsonden à 190 m Tiefe stellen die Heizung und die Warmwasseraufbereitung sicher. Dafür werden rund zwei Drittel des produzierten Stroms verwendet.

Der besondere Stolz des Solarpioniers Paul Tobler: Das Gerät zeigt die Energiegewinnung auf den Solardächern an. Foto: EG

Im kleinen Technikraum befinden sich die Wärmepumpe, zwei Beistellboiler und eine Elektroverteilung mit Wechselrichtern. Zusätzlich wird sauberes Regenwasser (nach einer Vorflutung von 15 Minuten) in einen 12 m3-Tank geführt und für Waschmaschinen und WC-Spülungen benutzt. Eine Grander-Anlage für «belebtes Wasser» ergänzt die Wasserinstallation.

Speziell ist, dass jede Wohnung ihre eigene, unabhängige Lüftung hat und diese individuell steuern kann. Die Komfortlüftung ist Teil des Minergie-P-Standards.

Geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen mit herrlicher Aussicht, eine Loggia und der gemeinsame, südorientierte Innenhof verleihen ein mediterranes Ambiente.

Zufriedene Mieter

Eine Dachwohnung wird vom Ehepaar Tobler bewohnt, die anderen Wohnungen werden vermietet. Innerhalb von zwei Monaten waren alle Verträge unterzeichnet. Dank Einsatz einfacher und effizienter Technik, dem Förderbeitrag des Kantons von Fr. 15’000 sowie der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) und einer «vernünftigen» Kapitalverzinsung sind die Wohnungspreise marktgerecht.

Die Mieterinnen und Mieter äusserten sich sehr zufrieden, Kritik war kaum zu hören. Bauherrschaft und Architekt erteilten den kommunalen und kantonalen Amtsstellen ein grosses Lob für die Unterstützung.

Die Mitwirkung des Fachgremiums Architektur- und Ortsbildberatung (FAOT) hingegen wurde im Zwiegespräch sowohl von der Familie Tobler als auch vom Architekten als «nicht unterstützend, kostentreibend und subjektiv wertend» charakterisiert. Die damit verbundene Bauzeitverzögerung wurde mit «mindestens» neun Monaten beziffert. Eines der beiden Mehrfamilienhäuser hätte gar quer zum Hang gestellt werden sollen.

Sepp Zurmühle

10/2012/13 TÜÜFNER POSCHT

Minergie-P?

Der Standard Minergie-P bezeichnet Bauten, die einen noch tieferen Energieverbrauch als Minergie anstreben. Ein Minergie-P-Gebäude ist als Gesamtsystem und in allen seinen Teilen konsequent auf dieses Ziel hin geplant, gebaut und im Betrieb optimiert.

Eine Serie von Anforderungen muss eingehalten werden, u.a.: sehr gut isolierte Gebäudehülle, Lufterneuerung mittels einer Komfortlüftung, Nachweis über den thermischen Komfort im Sommer, Luftdichtigkeit der Gebäudehülle, Begrenzung der Mehrkosten gegenüber konventionellen Vergleichsobjekten auf maximal 15 %… Mehr dazu unter: http://www.minergie.ch.

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