Nerina Keller
Die Kantonspolizei hat am 27. März die Kriminalstatistik 2022 veröffentlicht. Die Straftaten sind um 20 Prozent gestiegen. Teufen verzeichnet sogar eine Zunahme von 34 Prozent. Die «Tüüfner Poscht» ordnet diese Zahlen ein und fasst zusammen, womit sich Polizei und Justiz befassen. Welche Fahrzeuge werden gestohlen? Welche Fälle aufgeklärt? Und was gilt überhaupt als Aufklärung?
Was steht eigentlich in der Kriminalstatistik?
Aufgeführt sind sämtliche Vergehen und Delikte, die gegen das Strafgesetzbuch (StGB), das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) verstossen. Zudem werden auch Delikte aufgeführt, die übrige Bundesnebengesetze tangieren. Nicht in die Statistik aufgenommen werden Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG). Die Statistik sagt nichts über erfolgte Verurteilungen aus, sondern dokumentiert die polizeilichen Ermittlungen.
Bei Verstössen gegen das Strafgesetzbuch handelt es sich beispielsweise um Körperverletzungen, Diebstähle und Einbrüche. Unter der Kategorie Betäubungsmittelgesetz laufen alle Vergehen, bei denen es um Handel oder Konsum von illegalen Substanzen geht. Das Bundesnebengesetz ist statistisch weniger relevant – darunter fallen Gesetze wie das Waffengesetz oder das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb.
42 Verstösse gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz: Was für Taten sind das?
Dabei geht es um Taten von Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft rund um den Aufenthalt oder die Arbeit in der Schweiz. Ein paar Beispiele sind rechtswidrige Einreise und Aufenthalt, Erwerbstätigkeit ohne eine entsprechende Bewilligung oder eine Verletzung der An- und Abmeldepflicht.
Wie viele Straftaten gab es im letzten Jahr?
Insgesamt wurden in Ausserrhoden 20 Prozent mehr Straftaten registriert (StGB). Das sind gut 300 mehr als im Jahr 2021.
Bei den Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) gab es eine Abnahme von 39 Prozent.
Taten gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz waren es 121 Prozent mehr als 2021 (19), nämlich 42.
Auch Teufen wurde krimineller.
In Teufen gab es 2022 insgesamt 268 Straftaten (StGB). Das ist ein Plus von 68 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre zeigt aber auch, dass sich die Zahlen konstant zwischen 200 (2021) und 344 (2019) bewegten. Die in der Statistik abgebildete Tabelle reicht bis ins Jahr 2016 zurück. Bei den Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde hingegen eine Abnahme um 9 Fälle registriert (2021: 25). Im Bereich des Ausländer- und Integrationsgesetzes sind für Teufen 7 Straftaten verzeichnet (2021: 0).
Wie steht Teufen im Vergleich zu den anderen Gemeinden da?
An zweiter Stelle: Mehr Vergehen (StGB) verzeichnet ausschliesslich Herisau. Auch bei den Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz ist Teufen auf Platz zwei. Bei den Straftaten im Bereich Betäubungsmittelgesetz ist Urnäsch auf dieser Position; Teufen ist an dritter Stelle aufgelistet. Wichtig dabei: Teufen ist die zweitgrösste Gemeinde nach Herisau. Laut Statistik hat Herisau 15’679 Einwohnende und Teufen 6’429. Zum Vergleich die nächsten drei Gemeinden: Speicher hat 4425, Heiden hat 4227 und Gais hat 3098. Die Grösse der Gemeinde hat einen direkten Einfluss auf die Anzahl der registrierten Straftaten.
Welches sind die Täter?
Auf Seite 19 der Statistik findet sich die Tabelle «Beschuldigte Personen nach Gesetz, Altersgruppe und Geschlecht». Sie zeigt, dass der Männer-Anteil überwiegt. Von 554 beschuldigten Personen, die gegen das Strafgesetzbuch verstossen haben sollen, sind 425 männlich und 129 weiblich.
Verdoppelung der Betrugsfälle im Vergleich zum Vorjahr: Was sind die Maschen?
Täter und Täterinnen sind vermehrt im Internet aktiv. Von den 170 insgesamt im 2022 registrierten Betrugsfällen werden 117 Fälle der Cyberkriminalität zugeordnet. Bei Fast der Hälfte davon (53 Fälle) handelt es sich um im Internet bestellte Ware, die nicht geliefert wurde.
113 Fahrzeuge wurden gestohlen. Aber welche?
Diese im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Zahl lässt sich vor allem auf den Diebstahl von Fahrrädern und E-Bikes zurückführen. Während 2021 noch 25 Fahrräder mit Elektromotor gestohlen wurden, waren es im letzten Jahr 47 – dazu kommen 48 ohne Motor. Der Anteil gestohlener Personenwagen macht einen kleinen Anteil aus, es waren lediglich drei.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote? Und was für eine «Quote» ist das überhaupt?
Für 2022 gibt es eine Aufklärungsquote von rund 60 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass alle Fälle erfasst werden, die bis zum Stichtag als aufgeklärt gelten. Eine Straftat ist dann aufgeklärt, wenn mindestens eine beteiligte Person als Urheber oder Urheberin identifiziert wurde. Sind also mehrere Personen involviert, wird auch dann von einer Aufklärung gesprochen, wenn nur eine einzige Person identifiziert werden konnte.
Noch aufgefallen: «Straftaten gegen das Vermögen» – wohin geht das Geld?
Die Liste der möglichen Vergehen ist lang: Unrechtmässige Aneignung, Veruntreuung, Diebstahl, ohne Fahrzeuge, Fahrzeugdiebstahl, Raub, Sachentziehung, Unbefugte Datenbeschaffung, Unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem, Sachbeschädigung ohne Diebstahl, Sachbeschädigung bei Diebstahl, Betrug, Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, Zechprellerei, Erschleichen einer Leistung, Erpressung, Ungetreue Geschäftsbesorgung, Missbrauch von Lohnabzügen, Hehlerei, Betrügerischer Konkurs oder Pfändungsbetrug, Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte oder übrige Vermögensstraftaten.
Die meisten davon treten sehr selten auf. Häufig kommt es zu Diebstählen ohne Fahrzeuge (310) und auch zu Sachbeschädigungen ohne Diebstahl (183).
Übrigens: Einmal wurde auch die Zeche geprellt. Ob das in Teufen war?