Mehr als ein Label

28.01.2022 | Timo Züst
unicef
Die Projektgruppe hat ein grosses Zwischenziel erreicht: Teufen wurde von UNICEF für vier weitere Jahre als «Kinderfreundliche Gemeinde» rezertifiziert. Foto: tiz Teufen gehörte vor zehn Jahren zu den Vorreitern: Damals wurde ihr zum ersten Mal das UNICEF-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» überreicht. Mittlerweile sind schweizweit 49 weitere dazugekommen – und Teufens Label wurde heute für vier Jahre erneuert. Grund dafür sind erreichte Ziele und ambitionierte Pläne. Die Idee des UNICEF-Labels «Kinderfreundliche Gemeinde» ist längst erwachsen. Vorgestellt wurde es laut dem übersichtlichen Info-Flyer auf der Website im Jahr 1996. Das war an der UN-Weltsiedlungskonferenz in Istanbul. Die Basis dafür liefert die noch sieben Jahr ältere Kinderrechtskonvention (KRK). Deren Hauptbotschaft: Die Lebensabschnitte Kindheit und Jugend gilt es zu schützen und die Stimme der Jungen soll auch politisches Gehör finden. In der Schweiz gibt es das Label seit 2006, Teufen war 2012 eine der ersten Gemeinden, der es verliehen wurde. «Es freut mich deshalb besonders, dass man dieser Vorreiterrolle weiter gerecht wird. Teufen nimmt eine Leuchtturmfunktion ein», sagt Anja Bernet von UNICEF Schweiz und Liechtenstein. Sie sitzt an diesem Freitagmorgen im Ratssaal des Gemeindehauses – umringt von der Projektgruppe «Rezertifizierung Kinderfreundliche Gemeinde». Dazu gehört auch Gemeinderätin Muriel Frei (Ressort Soziales): «Wir konnten in den vergangenen vier Jahren viele Ziel erreichen. Und haben bereits wieder neue.» Mit Blick zurück betont sie den intensiven Dialog zwischen den Interessengruppen, das stetig ausgebaute Angebot für Kinder- und Jugendliche, den Aufbau der politischen Partizipation, die Förderung der sicheren Verkehrswege (Umsetzung der 30er-Zonen; mehr hier), die Stärkung des Elternrates und das Kinderspielplatz-Konzept. «In diesen Prozessen sind sehr viele Ansprechpartner involviert – umso wichtiger ist unser reger Austausch und die grosse Motivation der Beteiligten.» Jugend-App und neue Räume Der Überreichung des Labels geht ein intensiver Prozess voraus. Anja Bernet erklärt: «Der erste von fünf Schritten ist eine ausführliche Standortbestimmung.» Darauf folgen die Befragung von Kindern und Jugendlichen, die Erarbeitung eines Aktionsplans, die Definierung konkreter Massnahmen und schliesslich die Beurteilung der Anstrengungen bzw. die Verleihung. «Wichtig ist: Das ist ein Prozess-Label. Das bedeutet, es geht in erster Linie darum, was für Anstrengungen in der Gemeinde unternommen, wie die Kinder und Jugendlichen eingebunden werden und wie die Zusammenarbeit funktioniert.» In Teufen sei diesbezüglich in den vergangenen Jahren – trotz Pandemie – sehr viel erreicht worden. Und: Auch für die nächsten Jahre hat man sich ehrgeizige Ziele gesteckt. Gemeinderätin Muriel Frei: «Wir waren uns einig, dass wir uns auf vier Schwerpunkte fokussieren wollen.» Die sind: Die Adaption bzw. modulare Anpassung einer Jugend-App auf Teufen; einen dezidierten Raum für Jugendliche über 16 Jahre schaffen; den Informationsaustausch zwischen Elternrat, Schule und Kinder- und Jugendkommission weiter fördern und individuelle Informations-Anlässe bzw. Dialog-Plattformen für die Jugendlichen ins Leben rufen. Pandemie und Jugend Die Eröffnungsworte von Gemeindepräsident Reto Altherr waren nicht nur feierlich. «Am Anfang dieser Pandemie war unser Fokus auf die Älteren gerichtet. Immer mehr wird nun aber klar, dass auch die Jungen – teilweise massiv – betroffen sind. Dem müssen wir Rechnung tragen.» In diesem Zusammenhang sprach er sowohl der Kinder- und Jugendarbeit Teufen (KJAT) als auch den Schulen einen grossen Dank aus. «Besonders erwähnen möchte ich aber auch die Vereine, die hier einen Mammutdienst leisten. Der TV und der FC betreuen zusammen beispielsweise rund 600 Kinder und Jugendliche.»

Wie geht es den Jungen?

Teil der Projektgruppe «Rezertifizierung Kinderfreundliche Gemeinde» sind auch Schulleiter (Sekundarschule) Urs Schöni, KJAT-Leiter Thomas Ortlieb, Kinderkrippe Chäferfäscht-Präsident Danilo Just und der 25-jährige Student (Soziale Arbeit) Valentin Wettstein. Die TP hat sie gefragt: Was macht die Pandemie mit Kindern und Jugendlichen? Danilo Just: Den ganz Kleinen fehlt wegen der Maskenpflicht ein wesentlicher Aspekt im menschlichen Umgang: die Mimik. Es fällt ihnen so deutlich schwerer, eine Beziehung zu einem Menschen bzw. einer Betreuerin im «Chäferfäscht» aufzubauen. Wir versuchen dem mit intensiver Gestik oder Fotos von uns – mit entsprechender Mimik – entgegenzuwirken. Ein gleichwertiger Ersatz ist das aber natürlich nicht. Thomas Ortlieb: Es ist definitiv eine gewisse Massnahmen-Ermüdung festzustellen. Die Jugendlichen sind zwar nach wie vor sehr diszipliniert und halten sich grundsätzlich an die Vorschriften. Aber sie warten sehnsüchtig auf deren Aufhebung. Und klar ist: Wann immer etwas stattfinden kann, freuen sie sich sehr. Das galt auch für die Wiedereröffnung des Jugendtreffs. Entsprechend gross ist aber natürlich auch die Enttäuschung, wenn wir etwas absagen mussten – wie das Segellager 2021. Urs Schöni: Grundsätzlich machen sie es sehr gut. Ich glaube nicht, dass sich die Gesamtsituation negativ auf ihre Entwicklung auswirken wird. Die Pandemie verlangt von den Jugendlichen früh eine gewisse Eigenverantwortung – und die nehmen sie auch wahr. Trotzdem ist der Alltag in der Schule nach wie vor sehr herausfordernd, das gilt auch für die Planung von Anlässen wie Lagern etc. Diesbezüglich müssen Lernende und Lehrerschaft sehr viel Flexibilität beweisen. Valentin Wettstein: Für die Jugendlichen bzw. die jungen Erwachsenen ist die Situation streng. Der Sozialisierungsprozess hat sich verändert. Mittlerweile sind Anlässe und Veranstaltungen zwar grundsätzlich möglich, aber es gelten nach wie vor Einschränkungen und Massnahmen. Anders gesagt: Es ist für sie aushaltbar, aber belastend. Schwierig ist es insbesondere für die, die nicht den «Luxus» haben auf dem Land zu wohnen. Bei ihnen kann sich durchaus ein gewisser Druck anstauen, dem irgendwann Luft gemacht werden muss.  tiz

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