Maya Leu ist unser Tüüfner Chopf

20.03.2017 | Alexandra Grueter-Axthammer
Maya Leu Tuefner Chopf (3)
Alexandra Grüter-Axthammer Sie bringt ihnen Respekt entgegen, den Menschen, die in unserem Land Fremde sind. Und mehr als das: Maya Leu hilft, wo es nötig ist. Maya Leu organisiert Kleider für Kinder, Handwerker für den verstopften Abfluss und seit letztem Jahr auch die Deutschkurse in Teufen. Für sie sind es längst keine Fremden mehr. «Sie sind Freunde geworden, die Frauen und Männer, die mir ihre Geschichten erzählen und mich und meine Familie mit so viel Freundlichkeit einladen.» Im Alten Testament stehe: «Liebe den Fremden, der bei euch wohnt, wie dich selbst», und das sei ein Teil ihrer Motivation. Zwölf Jahre ihres Lebens sei sie selber irgendwo Ausländerin gewesen, sagt Maya Leu. Nach ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin half sie bei einem Entwicklungsprojekt in Sizilien mit. Anschliessend absolvierte sie eine Zweitausbildung zur Gemeindehelferin in Deutschland. Danach studierte sie Linguistik in Deutschland. In den achtziger Jahren lebte sie vier Jahre in Afrika, in Burkina Faso, in ländlicher Gegend – im Busch, wie sie sagt –, und arbeitete als Linguistin und Bibelübersetzerin. Zurück in der Schweiz arbeitete sie als Gemeindehelferin. Sie lernte ihren Mann kennen, heiratete und gebar ihren ersten Sohn. Ihr zweiter Sohn kam in Afrika, in Togo, auf die Welt, wo sie mit ihrer Familie nochmals zwei Jahre lebte. 1994 kehrte die Familie zurück in die Schweiz und fand nach verschiedenen Wohnorten ihr Familiendomizil in Gais. Hartnäckig und solidarisch Hartnäckig sei sie, das habe sie wohl bei den Pfadfindern gelernt. Damals habe sie auch das Zitat gehört: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg». Tja, und das habe ihr oft geholfen. Aber auch die Begabung, Menschen willkommen zu heissen und Teams zu bilden, zeichnet sie aus. Als sie mit ihrer Familie 2005 nach Teufen zog, begann sie sich in St. Gallen im Solinetz (Solidaritätsnetz) zu engagieren. Vor Weihnachten 2008 konnten Einheimische und Flüchtlinge eine Woche lang die Häuser hinter dem Hauptbahnhof in St. Gallen nutzen; diese standen teilweise leer und wurden bald abgerissen. «Wir haben gemeinsam dort gewohnt und gegessen, Workshops angeboten und Weihnachten gefeiert. Da wurde uns klar, dass ein offenes Haus für Asylsuchende und Einheimische optimal wäre.» Die Stadt St. Gallen stellte dem Solinetz im Sommer 2011 für einen günstigen Mietzins ein Haus zur Verfügung. Mit begabten Flüchtlingen, Fachleuten und weiteren Helfern renovierten sie dieses und Maya Leu packte gleich selber mit an und half bei den Malerarbeiten. So entstand das heutige Solihaus an der Fidesstrasse in St. Gallen. Ein Erlebnis mit Asylsuchenden bewegte Maya Leu ganz besonders. Im Jahr 2008 sollten alle abgewiesenen Asylsuchenden in verschiedenen Nothilfeschlafstellen untergebracht werden, erzählt sie. Maya Leu begleitete zwei Männer in die Notunterkunft nach Flums. In einer Zivilschutzunterkunft wurden die Männer untergebracht. «Am Boden lagen speckige, schmutzige Matratzen mit je einer Wolldecke. Keine Bettdecken oder saubere Laken, kein Tisch oder Stuhl und kein Schrank, um die wenigen persönlichen Dinge zu versorgen. Ich sass mit den beiden Männern auf dem Betonboden der Unterkunft und wir haben alle drei geweint.» Nur kurz hielt der Schock an und dann zog Maya Leu los und begann, ein Minimum an Alltagsutensilien zu organisieren, so dass die Männer wenigstens ein sauberes Laken und Bettwäsche für die ersten Nächte hatten.
Maya Leu mit Müttern beim Muki-Deutschtreff. Fotos: Alexandra Grüter-Axthammer
Im Februar 2016 wurde sie angefragt, ob sie Deutschkurse für Flüchtlinge in der Region Appenzell Ausserhoden organisieren könne. «Bisher gingen die Flüchtlinge nach St. Gallen für die Kurse. Da hohe Fahrkosten entstanden und die Zahl der Flüchtlinge ständig stieg, fand ich das eine sinnvolle Idee.» Seit Mai 2016 erteilen Freiwillige Deutschkurse im Pfarreizentrum Stofel, und seit August 2016 kommen Mütter mit ihren Kleinkindern jeden Dienstag zum Mu-Ki-Deutschtreff im Schulhaus Landhaus. Freie Zeit mit der Familie Wann ist aber Feierabend, bei freiwilliger und unbezahlter Arbeit? Gibt es das? Ja, das gebe es auch, sagt Maya Leu etwas zögerlich. Diese Zeit verbringe sie gerne mit der Familie, wandere oder unternehme etwas mit ihrem Mann. Und wenn noch etwas Zeit übrig bleibe, dann kümmere sie sich zuhause um den Haushalt und den Garten. Das bleibe halt schon öfters mal liegen.  

Maya Leu

Geboren: 30.04.1950 in Zürich Heimatort: Seeberg BE In Teufen seit:  2003 Familie: verheiratet mit Felix Leu, zwei erwachsene Söhne Hobbys: Wandern, Velofahren, Musizieren Ausbildung: Primarlehrerin, Gemeindehelferin, Bibelübersetzerin Traumberuf: Evangelist Lieblingsessen: mediterrane Küche Lieblingsgetränke:  Kräutertees aus dem eigenen Garten, frischer Blutorangensaft Buch auf dem Nachttisch: Immer: die Bibel. Jetzt zusätzlich: Wayne Jacobsen: Geliebt! Tag für Tag in der Zuneigung des himmlischen Vaters leben. TP 2/2017  

Top-Artikel

Top-Artikel

Anzeige

Anzeige

Gruengut-Animation2024-Mai

Nächste Veranstaltungen

Freitag, 24.05.2024

Gjätt - Altfrentsche Besetzung

Freitag, 24.05.2024

Gschichteziit

Aktuelles

×
× Event Bild

×
×

Durchsuchen Sie unsere 7217 Artikel

Wetterprognose Gemeinde Teufen

HEUTE

23.05.24 22:0023.05.24 23:0024.05.24 00:0024.05.24 01:0024.05.24 02:00
6.9°C6.9°C7.1°C7°C7.1°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

MORGEN

24.05.24 05:0024.05.24 09:0024.05.24 12:0024.05.24 15:0024.05.24 20:00
7.8°C12.2°C13.9°C14.1°C10.9°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon