Löschen ist eine Milizangelegenheit

22.08.2019 | Timo Züst
Offene_Tore (2)
Die Feuerwehr Teufen-Bühler-Gais wartet die Atemschutzgeräte der Region. Foto: tiz Timo Züst Im Jahr 2020 feiert der Schweizerische Feuerwehr-Verband sein 150-jähriges Jubiläum. Mit der Gründung hatten die vielen kleinen Rettungscorps der Schweiz zum ersten Mal eine professionelle Vertretung. Auch die Teufner Feuerwehr wird dann 150 Jahre alt. Am 30. August gibt es einen Vorgeschmack auf das Jubiläumsjahr – mit der Nacht der offenen Tore. Aber ist das Milizsystem auch heute noch das richtige? Die TP hat den Kommandanten der Feuerwehr Teufen-Bühler-Gais (TBG), Dominik Krummenacher gefragt. Herr Krummenacher, Sie haben sich anlässlich des Jubiläums mit der Geschichte der Feuerwehr TBG beschäftigt. Wie sieht es heute aus: Ist das Milizsystem noch immer die beste Wahl? Auf jeden Fall. Das klingt überzeugt. Wäre es für Sie als Kommandant nicht einfacher, eine Berufsfeuerwehr zu leiten? Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber was ich weiss: Eine Berufsfeuerwehr wäre viel, viel teurer. Stellen Sie sich vor: Eine Einsatzeinheit besteht aus zehn Mann. Um einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb sicherstellen zu können, bräuchte ich also mindestens 30 Mann. Das wären dann 30 Festangestellte. Aber auch heute hat die TBG Festangestellte. Zum Beispiel Sie. Das ist richtig. Ich bin zu 100 Prozent angestellt. Einen Teil meiner Lohnkosten erhalten die Gemeinden aber wieder zurück – von der Assekuranz. An sie werde ich zu rund 20 Prozent ausgeliehen. Dafür gebe ich diverse Ostschweizer Feuerwehrkurse – in diesem Jahr waren es bisher rund 35 Tage. Es kommen noch einige dazu. Und dann gibt es noch Ihren Stellvertreter und den Materialwart. Richtig. Auch sie sind angestellt. Diese Organisation macht aber Sinn. Wir sind sozusagen Festangestellte für das Milizsystem. Anders gesagt: Wir können die Milizorganisation als Angestellte professionell betreuen und fördern. Ein grosser Teil davon sind auch unsere Dienstleistungen, die wir für Feuerwehren erbringen, die eben keine Festangestellten haben. Was sind das für Dienstleistungen? Ein Beispiel ist die Wartung der Atemschutzgeräte. Früher war es so, dass der Schweizerische Feuerwehr-Verband (SFV) genau vorschrieb, welche Geräte man verwenden und wie man sie reinigen muss. Mittlerweile wurde das alles liberalisiert. Die Feuerwehren können sich für ein Gerät ihrer Wahl entscheiden. Das heisst, man muss sich mit diversen Produkten bis ins Details auseinandersetzten. Das betrifft nicht nur den Preis, sondern auch die Wartung, die Leistung du die Lebensdauer. Die Wartung muss dann aber genauso durchgeführt werden, wie es der Hersteller vorschreibt. Dazu braucht es eine teure Infrastruktur, ein grosses Know-how und Zeit. Und das können Sie bieten? Genau. Zu unseren Dienstleistungen gehört die Wartung von Seilmaterial, Elektro- oder Atemschutzgeräten von diversen Feuerwehren in der Region. Zudem bieten wir Unterstützung bei IT-Fragen. So können sich die andere Feuerwehren darauf verlassen, dass die Geräte für Übungen oder im Notfall immer einsatzbereit sind. Aber trotz diesen drei Festangestellten ist das Herz der TBG nach wie vor das Miliz-Corps. Auf jeden Fall. Ohne sie gäbe es keine Feuerwehr. Viele Vereine haben heute Mühe, Mitglieder zu rekrutieren. Wie sieht es bei Ihnen aus? Bei der Feuerwehr ist es wie bei jedem Verein: Wir finden zwar Leute, es wird aber immer schwieriger sehr engagierte Mitglieder zu finden. Solche, die bereit sind, nach Feierabend noch viel Zeit in diese Tätigkeit zu investieren. Auch deshalb ist die Teil-Professionalisierung eine gute Lösung. Aber Stand heute haben Sie genug Mitglieder? Ja, wir können nicht klagen. Wir gehen bei der Rekrutierung aber auch einen etwas unkonventionellen Weg. Viele Feuerwehren setzen auf Plakate oder Werbung. Das ist sicher ein guter Ansatz. Ich glaube aber, dass eine direkte Anwerbung mehr Erfolg bringt. Es ist zwar mit Aufwand verbunden, die Interessenten persönlich anzurufen. Aber bisher bin ich damit gut gefahren. Ein wichtiger Teil der Feuerwehr ist die Kameradschaft. Wie steht es darum? Die Kameradschaft ist nach wie vor vorhanden. Insbesondere die Solidarität. Vor Kurzem erhielten wir die Meldung, dass es bei einem unserer Mitglieder brennt. In kürzester Zeit standen fast alle 62 Mitglieder – nur vier oder fünf konnten nicht – auf dem Platz. Das zeigt, wie gross der Zusammenhalt ist. Aber ich nehme an das „Höckle“ nach der Übung hat sich auch bei der Feuerwehr verändert? Ja. Früher sass man nach den Übungen manchmal noch bis in die frühen Morgenstunden in der Beiz. Damals ging das noch. Heute sind die Abende deutlich kürzer. Die Gesellschaft und die Arbeitswelt stellt heute einfach viel grössere Ansprüche. Aber auch in der Zeit dieser hohen Ansprüche pochen Sie auf das Milizsystem. Genau. Das hat einerseits, wie gesagt, finanzielle Gründe. Aber auch praktische. Denn in einem Milizsystem sind automatisch alle Berufsgattungen vertreten. Bei einem Einsatz weiss ich, dass der Forstwart mit der Motorsäge umgehen kann, dass der Dachdecker kein Problem mit der Höhe hat oder dass Elektriker weiss, wo die Gefahren bei Strom liegen. Das ist sehr wertvoll.

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