Letzter Schultag: Nach 44 Jahren Abschied vom Dorfschulhaus

06.07.2018 | Alexandra Grueter-Axthammer
Jeanette Krieg (1) komp
Jeanette Krieg verlässt nach 44 Jahren das Schulhaus Dorf. Fotos: AG

Alexandra Grüter-Axthammer

Den ersten Schultag des neuen Schuljahrs wird Jeanette Krieg nicht zu Hause verbringen, das weiss sie mit Sicherheit. «Wahrscheinlich bin ich dann auf einer ostfriesischen Insel.» Nach 44 ersten Schultagen im Dorfschulhaus in Teufen werde es ihr wohl leichter fallen, wenn sie ganz woanders sei.

Nach Teufen geführt hat sie nicht nur die Liebe, sondern auch die sonnigen Aussichten. Aufgewachsen ist sie in Goldach. Dort unten am See hatte sie jedoch den herbstlichen Nebel satt. «Ich wollte nach meiner Ausbildung zur Primarlehrerin irgendwohin, wo es im Herbst keinen Nebel hat.» Freie Stellen habe es damals zur Genüge gegeben, und so konnte sie sich aussuchen, wo sie ihre erste Arbeitsstelle antreten wollte.

«Beim Vater von Reto Altherr habe ich gewohnt.» In seinem Haus gab es eine Einliegerwohnung, diese mietete Jeanette Krieg als junge Frau. Zwischendurch sei sie kurz für ein Jahr nach Schwellbrunn gezogen, seither ist sie in Teufen sesshaft. Gemeinsam mit Claudia Koster unterrichtet sie eine gemischte erste und zweite Klasse. Die Klassenverantwortung liegt mit einem 77%-Pensum bei ihr. Sie mag es, mit den «Gööfern» zu arbeiten und mitzuverfolgen, wie sie ihre Fähigkeiten und Persönlichkeiten entwickeln.

Selber hat Jeanette Krieg keine Kinder. Sie schätze jedoch den Austausch mit ihren Berufskolleginnen, die eigene Kinder haben. Sie wisse natürlich, dass sie den Ruf habe, eine «Strenge» zu sein, doch das störe sie nicht. Sie habe die Kinder immer gefordert und gefördert. Auch seien ihr Werthaltungen wie Anstand und Rücksicht immer wichtig gewesen.

Man spürt, dass Jeanette Krieg vielleicht eine strenge Lehrerin sein mag, die aber auch Kinder mit Lernschwierigkeiten ins Boot holt und sich dazu ständig weitergebildet hat. So machte sie anfangs der 80er-Jahre eine Ausbildung als Legasthenietherapeutin, befasste sich mit Dyskalkulie und arbeitete viele Jahre als Schulreifeberaterin. Anschliessend absolvierte sie eine einjährige Weiterbildung in Schulsozialpädagogik, und vor drei Jahren vertiefte sie sich an der PH Luzern in die Basisschrift und führte im ganzen Kanton Einführungskurse für Lehrpersonen zum Erwerb der Basisschrift durch.

Neugierig auf fremde Länder, Sprachen – und neue Lehrmittel

In der Touristikbranche als Reiseleiterin arbeiten oder Reisen zusammenzustellen und zu organisieren, das fände sie auch spannend. Nun plant sie erst einmal Reisen für sich und ihren Partner: Im Sommer geht es Richtung Norden, Ende Oktober dann auf ihre erste Schiffsreise. «Mit dem Kreuzfahrtschiff durchfahren wir unter anderem den Suezkanal.» Gerne würde sie auch nach Namibia reisen. Ein Sprachaufenthalt steht ebenfalls auf der Liste, wobei sie sich noch nicht entscheiden könne, welche Sprache sie vertiefen möchte: Englisch oder Italienisch.

Auf dem Golfplatz werde sie auch vermehrt anzutreffen sein. «Ohne Üben kommt man im Golf nicht wirklich vorwärts. Es macht einfach mehr Spass, wenn es besser läuft.» Und da ihr Partner leidenschaftlich Golf spielt, möchte sie ihre Technik verbessern. Dafür sei sie sonst nicht so sportlich, sagt sie. Sie jogge nicht, bike nicht und auch Wandern sei nicht so ihr Ding. Viel lieber sitze sie gemütlich auf ihrer Terrasse, lese ein spannendes Buch und trinke ein Glas Prosecco dazu. Lesen und Reisen seien ihre Leidenschaft, ausserdem koche sie gerne und gärtnere auf ihrer Terrasse.

Wobei im Verlaufe des Gespräches zu erfahren ist, dass Jeanette Krieg zwanzig Jahre lang Volleyball spielte und regelmässig an Turnieren teilnahm. Vor rund acht Jahren hat sie damit aufgehört. So unsportlich klingt das nicht.

Wenn sie etwas zur Ruhe gekommen sei, könnte sie sich auch vorstellen, Stellvertretungen in Teufen zu übernehmen. «Ich unterrichte nach wie vor gerne. Allerdings hat das «Drumherum» in den letzten Jahren sehr zugenommen. » Beim Aufräumen ist ihr ein alter Lehrplan in die Hände geraten. Er stammt aus dem Jahre 1950 und besteht aus 40 A5 Seiten. Das Papier ist leicht vergilbt und zu jedem Fach gibt es lediglich ein paar wenige Sätze dazu, was der Lehrplan vorschreibt. In den vergangenen Jahren habe sich natürlich einiges geändert.

Doch auch hier spürt man, dass Jeanette Krieg auch dem Neuen und den Veränderungen viel Positives abgewinnt. So könnte sie sich auch durchaus vorstellen, mitzuhelfen, wenn es darum ginge, ein neues Lehrmittel zu entwickeln.

Jeanette Krieg

Geboren: 31. Dezember 1954

Heimatort: Tuggen SZ

In Teufen seit: April 1974

Familie: Partner Heinz Leukel

Lieblingsessen: Kartoffelstock, Pasta

Lieblingsgetränk: Prosecco, Shorley

Buch auf dem Nachttisch: Das Geheimnis der Porzellanmalerin, Darm mit Charme, Die Schattenschwester

Hobbys: Lesen, Reisen, Golfen, Lädele

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