Lehrer mit Leib und Seele

15.07.2019 | Félice Angehrn
Werner
Nach 44 Jahren geht Werner Schweizer nun in Pension. Foto: Félice Angehrn Félice Angehrn Er sei ein eher strenger Lehrer, verlange einiges von seinen Schülern. Als strukturierter Mensch sei er bekannt und versuche stets konsequent zu sein. Er könne gut damit leben und die Kinder wissen, was gilt. «Sie ermutigen, fördern und fordern lautet mein Credo», sagt Werner Schweizer. Wir sitzen in seinem hellen Schulzimmer im Landhaus. Seit dem Neubau 2004 ist er hier als Primarlehrer beschäftigt. Sein Schreibpult steht vorne links am Fenster neben der Wandtafel. Seine Schüler mit Blick zu ihm. Eine Gitarre hängt an der Wand. Mit ihr begleitet er die Schüler zu Liedern aus dem Appenzeller Liederbuch. Werner Schweizer unterrichtet seit 44 Jahren noch immer gerne auf der Mittelstufe, seit zwei Jahren mit reduziertem Pensum. Im Hinblick auf seine bevorstehende Pensionierung teilt er seinen Job mit Kathrin Schmid. «Wir sind ein eingespieltes Team und das macht es nicht gerade leichter, aufzuhören», meint er. Aufgewachsen in St. Gallen, gab Werner Schweizer die ersten Jahre dort Schule. Später zügelte er mit seiner Familie nach Teufen und unterrichtete im Schulhaus Hörli. Während der Primarschule wollte er kurz Lokiführer werden, entschied sich dann aber für den Lehrerberuf. «Ich gehöre noch zu den Zehnkämpfern», lacht er. Das seien Lehrer, die alle Fächer unterrichten. «Zu meinen Favoriten gehört das Fach NMG (Natur, Mensch, Gesellschaft). Mir ist es ein Anliegen, den Kindern ihre Heimat näher zu bringen. Mit der 4. Klasse habe ich «X» Exkursionen rund um das Dorf gemacht. Mit der 5. Klasse unternahm ich grössere Ausflüge im Kanton AR. Unter anderem habe ich ihnen das Mittelland gezeigt, von Gais über den Gäbris bis nach Teufen sind wir marschiert oder mit dem Velo gefahren.» Velotouren «Die Klassenlager sind mir in bester Erinnerung. Vor etwa zehn Jahren bin ich das erste Mal mit der 6. Klasse für eine Woche auf dem Velo verreist. Mit zwei Begleitpersonen, einem Gepäckwagen und 20 Kindern sind wir in Teufen losgeradelt Richtung Bodensee, dem Rhein entlang bis Winterthur und zurück. Das war eine Herausforderung. Zum Glück ist nichts passiert, ausser dass wir mal einen Sprutz Regen erwischten. Geschlafen haben wir in den Jugis. Den Kindern und mir hat das gefallen. Da kommt mir noch was Lustiges in den Sinn. Es war im Jura. Ein Knabe hatte ein Velo mit drei Gängen. Er strampelte locker den Hang hinauf, während seinem Kameraden auf dem flotten «Mehrgänger» die Puste ausging und er das Velo mühsam hinauf stossen musste.» Biblische Geschichte hat für Werner Schweizer eine wichtige Bedeutung. Wieso wir Weihnachten und Ostern feiern, wissen viele der Kinder nicht mehr genau. Offenbar werde das zu wenig thematisiert in den Familien. Einige Kinder seien heute konfessionslos. «In meinem Unterricht habe ich versucht, die christlichen Werte weiterzugeben.» Zur Digitalisierung im Unterricht meint der 64-Jährige: »Es gibt sehr gute Lernprogramme in Mathe und auch in den Fremdsprachen. Die Schüler meiden aber die Bücher zum Nachschlagen, sie wollen nur noch googeln. Die Laptops und die Tablets werden situativ eingesetzt, als Hilfe benützt. Zeit für die Enkelkinder Gegen Frontalunterricht habe ich nichts. Neben Partner- und Gruppenarbeiten finde ich auch die Freie Arbeit sehr wertvoll.» Dass er im selben Dorf wie die Schüler lebt, stört ihn nicht. Er geniesst den kurzen Arbeitsweg und die Mittagspause zuhause. Die Begegnungen mit Eltern und Schülern im Dorf freuen ihn. Wenn er keine Schule gibt, bewegt er sich gerne in der Natur. Er war mehrere Jahre Präsident der Ortskonferenz von Teufen und arbeitete im Vorstand der Kantonalen Mittelstufenkonferenz mit. Als Lehrervertreter in der Schulkommission setzte er sich ein und schreibt Artikel zu besonderen Anlässen im Schulhaus Landhaus. Ausserdem ist Werner Schweizer in der Gemeindeleitung der Freien Evangelischen Gemeinde Gais tätig. Mit Wehmut wird er die Schule verlassen und glücklich auf die tolle Zeit als Primarlehrer zurückblicken. Was er nachher mache, wisse er noch nicht genau. «Unsere sechs Enkelkinder werde ich bestimmt häufiger sehen und hoffentlich die Velotouren machen, die auf meiner Liste stehen.»

Werner Schweizer

Geboren: 4. März 1955 Familie: verheiratet mit Lisbeth, drei erwachsene Kinder, sechs Enkelkinder Beruf: Primarlehrer Lieblingsessen: Cordon-bleu Lieblingsgetränk: Flauder Kein Buch auf dem Nachttisch, dafür in der Stube: Die Weberbauern von Walter Züst Hobbys: Radfahren, Wandern, Lesen, Skifahren, Schneeschuhlaufen

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