Kleiner Haufen, grosse Wirkung

11.09.2023 | Nerina Keller
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Nicht immer ist der nächste «Robidog» so nah. Foto: nek

Nerina Keller

Kurz mal nicht hingeschaut und schon ist es passiert: Der vierbeinige Freund hat sein Geschäft in der Wiese erledigt. Die meisten Hundehaltenden sind sehr bemüht, den Kot zusammenzunehmen. Trotzdem bleibt immer mal wieder einer liegen. Nicht anders ist es mit Abfall: Getränkedosen, Glasflaschen, Plastik. Landen diese Hinterlassenschaften im Futter der Kühe, können die gesundheitlichen Folgen fatal sein.

«Die Mehrheit nimmt den Hundedreck zuverlässig zusammen. Und manche nehmen sogar den Kot von fremden Hunden zusammen, wenn sie daran vorbeikommen.» Landwirt Werner Giezendanner ist wichtig, keine Pauschalanschuldigung zu machen. Aber: Wenn Hundekot oder Abfall in den Wiesen liegen bleiben, bringt das für die Bauern und deren Tiere grosse Herausforderungen mit sich. Der Präsident der Land- und alpwirtschaftlichen Genossenschaft Teufen weiss, dass andere Bauern ebenso betroffen sind.

Neosporose heisst die meldepflichtige Seuche, die bei trächtigen Kühen zu Aborten und embryonalen Fehlbildungen führen kann. Endwirte sind Hunde und andere Fleischfresser. Übertragen wird der einzellige Erreger Neospora caninum über Kot und erregerhaltiges Fleisch. Und er wird von trächtigen Muttertieren über die Gebärmutter auf die Nachkommen übertragen. Für Kühe bedeutet das gleich zwei Gefahren: Sie können den Erreger über Hundekot aufnehmen, wenn dieser das von ihnen gefressene Gras kontaminiert hat. Und ist die Neosporose erstmal im Organismus der Kuh, dann übertragen sie diese auch auf ihre Kälber.

Wird Neosporose bei Rindern festgestellt, muss dies beim BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen) gemeldet werden. Offiziell gab es in diesem Jahr bis anhin noch keine Fälle in Ausserrhoden. «In Teufen gab es aber früher auch bereits Betroffene», weiss Giezendanner.

Nicht alle Fälle werden erfasst

Kaum einschätzen lässt sich, wie hoch die Dunkelziffer ist. «Nicht bei jeder Fehlgeburt wird der entsprechende Test auf Neospora caninum durchgeführt.» Das erklärt Hanspeter Fässler, Grosstierarzt aus Stein. «Es gibt weder eine Impfung noch Behandlungsmethoden gegen den Erreger und womöglich folgende Aborte und Fehlbildungen bei Kälbern.» Bei einer Fehlgeburt sind die Kosten und der Verlust sowieso schon sehr hoch. «Ob der Test gemacht wird, macht keinen grossen Unterschied.» Manche Kühe bekommen eine «zweite Chance». In der Hoffnung, dass das nächste Kalb gesund zur Welt kommt und nicht die Neosporose Grund für die Fehlgeburt war. Andere werden eingeschläfert oder geschlachtet. Für betroffene Bauern sei es immer ein wirtschaftliches Abwägen.

Allzu viel unternehmen können die Bauern gegen das Liegenlassen der Abfälle nicht. Die bewirtschafteten Flächen sind zu gross, um sie abzusuchen und alles zu sammeln. «Wir sind angewiesen auf die Eigenverantwortung der Hundehaltenden. Und umso wichtiger ist es, dass die Leute die Gefahren und Folgen kennen», so Giezendanner. Oftmals bedanke er sich deshalb, wenn die «Säckli» ausgepackt und der Kot zusammengenommen wird. «Das hat die grösste Wirkung.»

Wildcampen

Nach einer Wanderung irgendwo das Zelt aufschlagen und eine sternenklare Nacht draussen verbringen. Für viele ein Genuss. Auch dabei ist es aber wichtig, auf die Umwelt Acht zu geben. «In der Regel erlauben es Landwirte gerne, Zelt oder Biwak auf ihrem Boden aufzuschlagen», weiss Priska Frischknecht. «Es ist wie überall: Man muss einfach mit den Leuten reden.» Und natürlich den Abfall mitnehmen. «Wer sich wie im eigenen Garten verhält, macht alles richtig.»

Scharfe Splitter können tödlich sein

Nebst dem Kot ist auch anderer Abfall ­ wie Getränkedosen oder Glas ­ gefährlich für die Tiere. Für Hanspeter Fässler die weitaus grössere Problematik als der Kot. «Wir behandeln viele Kühe, weil sie Abfall gefressen haben.» Die Fälle hätten massiv zugenommen. «Littering ist menschengemacht. Alle können entscheiden, ob sie den Abfall in einen Eimer oder beispielsweise aus dem Autofenster werfen.»

Aber wie kommt eine Aludose überhaupt von der Wiese bis ins Futter? Werner Giezendanner erklärt: «Bleibt der Abfall liegen, wird er beim Mähen zerkleinert und landet im Kuh-Futter.» So gelangen die Stücke dann in die Mägen der Kühe. «Dort muss man sich die Teile wie kleine Klingen vorstellen. Sie zerschneiden die Magenwände, was zu heftigen Entzündungen führen kann.» Am Anfang würde man oft gar nicht wissen, was mit der Kuh los sei. «Im schlimmsten Fall endet das tödlich.» Ein anderes Beispiel sind Stöcke, die zum Spielen mit Hunden benutzt werden. «So ein grosser Apportierstock kann am Mähwerk schwerwiegende Schäden verursachen», sagt Giezendanner.

Für die Landwirte haben Kot, Abfall und Holzstöcke wirtschaftliche Einbussen zur Folge. Einerseits werden Kühe und andere Wiederkäuer krank, andererseits können Maschinen kaputtgehen.

Auch Wandernde betroffen

Und was sagt der Bauernverband? «Bei uns gehen nicht allzu viele Meldungen ein», sagt Priska Frischknecht von der Geschäftsstelle des Bauernverbands Ausserrhoden. Aber auch sie kennt die Problematik. Bevor ihr Mann und sie den Hof ihrem Sohn übergeben haben, mussten sie sich immer wieder mit Hundekot befassen. «Es stört ja nicht nur uns Bauern. Für Wandernde und Spazierende ist Hundekot ebenfalls unangenehm und störend.» Auch sie appelliert an die Eigenverantwortung. «Es ist kein grosser Aufwand. Wenn alle den Kot ihrer Hunde und den Abfall mitnehmen, ist die Sache erledigt.»

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