Im September klingt das Gaiser Hochmoor

25.07.2017 | TPoscht online
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Die Schöpfe prägen die Moorlandschaft zwischen Starkenmühe und Herbrig – nun werden sie elf Tage lang Teil einer Klanglandschaft.

Monica Dörig

Die ersten Kunstschaffenden richten schon ihre Soundstationen in der «Schopfe» auf dem Hochmoor zwischen Gais und Stoss ein: Anfang September sind dort Klanginstallationen zu erleben – die Idee stammt vom Gaiser Musiker Patrick Kessler.

«Mer gönd id Schopfe» habe man früher gesagt, weiss Patrick Kessler. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe der Bahnstation Rietli und hat die Moorlandschaft mit den schmucken und den windschiefen Hütten immer im Blick. Nicht mehr viele Gaiser erinnern sich wohl an die Bezeichnung für den Landstrich zwischen Starkenmühle und Hebrig. Man fuhr zu Grossvaters Zeiten mit Ross und Wagen hinaus. Weil man manchmal länger blieb, um das Vieh zu sömmern oder die «Streui» einzubringen, sind manche Schopfe mehr als Heuschober, sondern ausgestattet wie eine Alphütte oder ein Maiensäss.

Patrick Kessler ist Bassist in diversen Musikformationen, Komponist und Klangtüftler mit einem Faible für musikalische Grenzgänge. Das Projekt «Klang – Moor – Schopfe» hat Kessler initiiert und kuratiert, unterstützt von Gemeinde, regionalen Stiftungen, der Kulturförderung Ausserrhodens und des Kantons St.Gallen, einheimischen Betrieben sowie vom Migros Kulturprozent und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Der Klang und die Riedlandschaft

Die bis anhin meist landwirtschaftlich genutzte Scheunen und Kleinställe zwischen Rietli und Schachen werden nun vom 1. bis 10. September von hochkarätigen Klangkünstlern «bespielt». Darunter sind „klingende Namen“, wie das weltweit tätige, sparten-übergreifende Berner Netzwerk Norient, der St.Galler Norbert Möslang, der sich an der Schnittstelle von Musik und bildender Kunst bewegt, oder Aktionskünstler Roman Signer, der im Schopf Nummer 9 die Arbeit «Der tiefe Ton» installier. Alle ihre Werke werden speziell für diesen Ort geschaffen.

Die Sound-Kreateure reagieren dabei auf die Riedlandschaft, auf Umgebung und Geschichte. Rupert Huber etwa plant die Uraufführung seines Moorgesangs. Er bedient sich für seine Komposition auch der «Kiste», einer mobilen Jukebox, die Patrick Kessler anlässlich des Kantonejubiläums ARAI500 mit Vinyl-Singles gefüllt hat, die von Menschen aus dem Appenzellerland auf vielfältige Weise eingespielt worden sind.

Der Klang und die Sinne

«Es geht ums Hören, ums Zuhören», sagt Patrick Kessler auch in Bezug auf die alten Geschichten rund um Gais. Er sieht sein Projekt «Klang – Moor- Schopfe» als eine Einladung, sich auf eine vertraute Umgebung mit andern Sinnen als gewohnt einzulassen.

Da die Klang-Installationen auf kleinem Raum angeordnet sind, 500 Meter dem Wanderweg entlang, sind sie für jedermann zugänglich. Es ergeben sich Begegnungen auf dem Pfad und in den Scheunen – und im Schützenhaus, das als «Piccolo Arsenale» als Ausstellungszentrum dient.

Der Klang und der Raum

Faszinierend an den Klangexperimenten findet Patrick Kessler, dass es nicht um Musik im üblichen Rahmen geht: «Ein Konzert kann man mit Frontalunterricht in der Schule vergleichen», sagt er, «mit Sound-Installationen hingegen werden Räume gefüllt, was zu neuen Sinneserlebnissen führen kann. Es werden nicht wie bei Musikstücken Thema Durchführung, Variation und Reprise aneinandergereiht, sondern Klänge gesammelt, verstärkt, verfremdet, neu zusammengesetzt, mit weiteren Effekten angereichert. Die Zuhörenden bewegen sich buchstäblich im Klangraum.» Ihn faszinieren die Schnittstellen zwischen Musik und Kunst, Wissenschaft und Technik, an denen die oft verspielten Klangkreationen entstehen.

Reichhaltiges Rahmenprogramm

Während zehn Tagen können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel Moos wachsen hören oder ein Instrument betreten: Der Berner Künstler Zimoun hat mit 96 DC-Motörchen, 360 Meter Viehdraht und Filzbällen in einem Heustock ein automatisiertes Riesenhackbrett gebaut, das Schopf, Luft,  Trommel- und Zwerchfell zum Schwingen bringt.

«Klang – Moor – Schopfe» lädt ein zum Verweilen und täglich neue Entdeckungen zu machen. Vernissage ist am frühen Abend des 31. August. Vom 1. bis 10. September gibt es ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit Rundgängen, Musik, Gesprächen, Workshops und Live Konzerten im «Piccolo Arsenale», wo einfache Verpflegung angeboten wird und die Bar von diversen Kulturstätten der Region betrieben wird.

www.klangmoorschopfe.ch

 

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