Hummler: «Klar, ich habe eine Bank verloren»

18.03.2012 | TPoscht online
Gespraech an der Kanzel 18

Margrith Widmer

Die katholische Kirche ist fast bis auf den letzten Platz besetzt: Diakon Stefan Staub hat den Privatbankier Konrad Hummler zum «Gespräch an der Kanzel» eingeladen – ein Gottesdienst der besonderen Art.

Konrad Hummler kennt seinen Bach. Der Banker, der die Bachstiftung gründete, steckte über 30 Millionen Franken in das Projekt der Aufführung und digitalen Aufzeichnung aller 250 Kantaten von Johann Sebastian Bach. Er erkennt sofort, welche Bach-Kantate Oboe und Orgel zu Beginn intonierten: «Ich steh’ mit einem Fuss im Grabe.» Die ‹Memento mori› der katholischen Kirche seien nicht nur eine Erinnerung daran, dass man sterben müsse, sondern dass man lernen müsse, sich zu trennen, sagt Hummler, dessen Vermögen sich laut «Bilanz» 2011 auf 350 Millionen belief.

«Eklig, aber zu akzeptieren»

Das Gespräch an der Kanzel hat Diakon Stefan Staub mit Konrad Hummler längst vor dem Zerfall der Privatbank Wegelin & Co. Ende Januar dieses Jahres vereinbart. Hummler stellt sich jetzt mit dem Rest seiner Bank der rechtlichen Auseinandersetzung im Steuerstreit mit den USA. Hummler ist geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin, gegen die die US-Steuerbehörden Anklage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung erhoben haben. Hummler sei es ernst mit den Werten, sagt Staub: Er habe die Zukunft seiner Mitarbeiter gesichert. Jetzt soll er erzählen, wie es ihm als Mensch gehe.


Es wird ein Dialog zwischen dem Katholiken und dem Protestanten über Geld und Ethik: Nach Max Weber besteht zwischen protestantischer Ethik und dem Beginn des Kapitalismus ein enger Zusammenhang. Es habe sich einiges geändert, sagt Hummler. Nach steter Aufwärtsbewegung zeige die Kurve jetzt nach unten. Wichtig sei, zu akzeptieren was geschehen sei und es mit Fassung zu tragen. Er kenne kein Selbstmitleid. «Ich finde es eklig, aber es ist zu akzeptieren.»

Wo Gott hockt

Die Werte hätten sich nicht verändert, stellt Hummler fest. Er gaukle sich kein Paradies vor: «Klar, ich habe eine Bank verloren.» Und er räumt ein: Ja, das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit und Solidarität von Berufskollegen sei gestört. «Wenn die Gülle über einen schwappt, erkennt man die Freunde, die zu einem stehen.» Ob es nicht gut sei, zu wissen, «wo Gott hockt», fragt der Diakon. «Das ist der Anarchist in mir», gesteht Hummler, «da werden wieder Kräfte frei.» Geld habe zwei Seiten, es sei ein Tauschmittel und unglaublich praktisch. «Es wird gefährlich, wenn es einen Eigenwert erhält. Wer die Geldwirtschaft verteufelt, liegt ebenso falsch, wie der, der sie verherrlicht und zum Lebenszweck macht.»

Wonnensteiner Kraftessenz

Und dann zitiert der bibelfeste Banker aus dem 1. Korinther 13:12 (in der Luther-Übersetzung): ‹Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich’s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.› «Wir verstehen ganz vieles nicht. Wir sehen nur einzelne Mosaikteile. Irgendwann werden wir verstehen.» Er hoffe, dass es weitergehe. Die Lehre aus dem Debakel sei: «Dass man in der Lage ist, sich von etwas zu trennen.» Weil Hummler vor kurzem begonnen hat, Klavierunterricht zu nehmen, schenkt ihm Diakon Stefan Staub besondere Klavierliteratur: «Es ist nie zu spät, … Klavier zu lernen» – dazu eine «Pilgerapotheke» mit «geistigen Pflästerchen und Zusprüchen» plus eine Flasche «Wonnensteiner Kraftessenz». In der Kirche brandet begeisterter Applaus auf.


Beim anschliessenden Apéro unterhält sich Konrad Hummler mit den Besucherinnen und Besuchern.

Fotos: Erich Gmünder

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