Hier wurde Kunst sozusagen am Laufmeter produziert

21.03.2016 | Erich Gmünder
Zeughaus Factory Teufen Vernissage (75)
Zeughaus Factory Teufen Vernissage (98)
Ueli Vogt bei seiner Eröffnungsrede.

Bildbericht: Erich Gmünder

Was hat Teufen mit New York zu tun? Weshalb heisst die neue Wechselausstellung „Factory Teufen“? Antworten auf diese Fragen gab der Kurator des Zeughauses Teufen anlässlich der Eröffnung am 20. März vor einem grossen Publikum im Mittelgeschoss des Zeughauses.

Ueli Vogt schilderte, wie es dazu kam, dass ein Teil der EXPO 64 in Lausanne in Teufen gestaltet wurde. Der Teufner Grafiker Kurt Büchel hatte anfangs der 60er-Jahre zusammen mit Remi Nüesch den Projektwettbewerb für die Abteilung „Feld und Wald“ gewonnen. Dies zu einer Zeit, als es weder Computer noch die ganze Digitalisierung gab – das bedeutete, dass vieles aufwändig und in emsiger Handarbeit hergestellt wurde.

Zeughaus Factory Teufen Vernissage (24)
Nara Büchel und ihre Mutter Ada Büchel vor dem Haus am Goldibach, wo auch Feste gefeiert wurden und Ada die ganze Clique mit ihrer italienischen Küche verwöhnte.

Die alte Fabrik am Goldibach, wo die Familie Büchel zur Miete lebte, entwickelte sich zu einer quirligen Produktionsstätte mit zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dazu gehörten auch die beiden jungen Italienerinnen Ada und Amelia Magro. Ada war Kurt Büchels Ehefrau, Amelia wurde später berühmte Appenzeller Fotografin.

Warum „Factory Teufen“?

Durch eine Begegnung mit der Tochter von Ada und Kurt. Nara Büchel, stiess Ueli Vogt auf den geschichtsträchtige Kunstbetrieb – und in ihm blitzten Assoziationen auf: In New York hatte sich zur selben Zeit um den Pop-Art Künstler Andy Warhol eine Werkgemeinschaft in einer alten Fabrik breit gemacht. „Dort wurde in einer leidenschaftlichen Form gelebt und gearbeitet, geliebt, gehasst und Kunst gemacht. Ganz ähnlich stellte ich es mir nach den Schilderungen von Nara in Teufen vor“, sagte Ueli Vogt – der Titel „Factory Teufen“ war geboren.

Zeughaus Factory Teufen Vernissage (202)
Die Macher der aktuellen Ausstellung wurden von Nara Büchel (rechts) gewürdigt. In der Mitte Urs Simmen und Norbert Völke, die damals selber im Atelier mitarbeiteten.

Der Arbeitstitel Factory Teufen gefiel nicht nur Ueli Vogt – er konnte neben Nara Büchel auch Urs Simmen und Norbert Völkle dafür gewinnen, zwei der ehemaligen „emsigen Schaffer“, welche damals mit anderen Leuten wie Jost Blöchlinger im Atelier arbeiteten und nun zusammen mit Ueli Vogt die Ausstellung auf die Beine stellten.

Zeughaus Factory Teufen Vernissage (143)
Die Bildtafeln von Hans Schweizer (im Hintergrund) waren vom jungen Künstler für eine Grubenmann-Ausstellung gemalt worden und bringen nun Farbe in die vor allem in schwarz-weiss gehaltene Dokumentation.

Einer der emsigen jungen Schaffer vor über 50 Jahren war auch Künstler Hans Schweizer – er konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Vernissage teilnehmen – war ebenfalls einer der quirligen Mitarbeiter. Wenige Jahre vor der EXPO hatte er als 19-jähriger Künstler von Rosmarie Nüesch den Auftrag erhalten, grossformatige Bildtafeln für eine internationale Wanderausstellung der Grubenmann-Sammlung herzustellen. Die fünf Bildtafeln bringen nun Farbe in die Ausstellung und wurden ergänzt durch grossformatige Zeichnungen aus neuer Zeit.

Zeughaus Factory Teufen Vernissage (75)

Die Produktionsstätte ist dokumentiert durch zahlreiche im Original erhaltene schwarz-weisse Fotoabzüge, die nun auf einem langen Regal aneinandergereiht einen Einblick in das Atelier ermöglichen.

Produktion am Laufmeter

Einen lebendigen Einblick erlauben auch Filmaufnahmen aus jener Zeit. Die Künstlerin Katrin Keller hat die Sequenzen zu einer Installation verdichtet. Sie zeigen die serielle Produktion von Kunst, unter Titeln wie „schreibmaschinenschreiben, hüpfen, zeichnen, blättern, hämmern, stempeln, töggelen, wischen, schablonieren“.

Als Orientierungshilfe für die Ausstellung wurde wiederum ein Booklet gestaltet, das individuelle Zugänge erlaubt.

Die Ausstellung dauert bis 12. Juni. Wir kommen in der Mai-Ausgabe der Tüüfner Poscht darauf zurück.

Öffnungszeiten an Ostern:

Gründonnerstag, 24.03.2015 – 14.00 bis 19.00 Uhr
Karfreitag, 25.03.2015 – geschlossen
Karsamstag, 26.03.2015 – 14.00 bis 17.00 Uhr
Ostersonntag, 27.03.2015 – 12.00 bis 17.00 Uhr

Zeughaus Factory Teufen Vernissage (51)
Nara und Ada Büchel im Gespräch mit Vernissagebesuchern.
Zeughaus Factory Teufen Vernissage (67)
Paul Studach – hier im Gespräch mit dem St. Galler Stadtoriginal Albert Nufer – durfte als Bub selber im Atelier mithelfen.
Zeughaus Factory Teufen Vernissage (60)
Benno Grossmann (rechts) im Gespräch mit Albert Kriemler (links) und Markus Bänziger.
Zeughaus Factory Teufen Vernissage (2)
Die Dokumentation gibt Einblicke in die Produktionsweise des Ateliers.

 

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