Herta Lendenmann, Gründerin der Kulturbar Baradies

28.02.2014 | Erich Gmünder
herta lendenmann (48)

herta lendenmann (48)Erich Gmünder

«Baradies» – eine gelungene Wortkreation – Herta Lendenmann liebt Sprachschöpfungen, welche überraschen, erheitern oder stutzig machen. Spontan mit Worten spielt sie wöchentlich, wenn sie das baradiesische Rundmail jeweils an 400 Leute verschickt, welche erfahren wollen, was in der Kulturbar los ist. Nun wird diese von vielen Menschen getragene Institution am 29. März mit der Verleihung des Tüüfner Bären honoriert*.

Wer ist die Frau hinter der Bar? Ein Zeitsprung über fast vierzig Jahre zurück: Mitte der 70er-Jahre machte Herta Lendenmann erste Erfahrungen als junge Lehrerin, hängte dann ein Auslandjahr in Cardiff an und bildete sich anschliessend an der Kunstgewerbeschule Zürich zur Werklehrerin weiter. Parallel dazu gründete sie mit St.Galler Frauen die Politische Frauengruppe PFG/OFRA und schaffte es mit der ersten reinen Frauenliste der Schweiz auf Anhieb ins Stadtparlament. Ihre Lust am Formulieren fand damals in zündenden Leserinnenbriefen und ausgefeilten Voten Ausdruck. Dies nicht immer nur zur Freude ihrer konservativen Parlamentskollegen.

Zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten gründete Herta Lendenmann in dieser Zeit auch den «Genossenschaftsladen »: ein selbstverwaltetes Projekt, das Produzierende und Konsumierende näherbrachte und faire und gesunde Lebensmittel verkaufte – heute besser bekannt als «Stadtladen». In diesem Bioladen arbeitete sie mehrere Jahre und bot anschliessend Vollwert-Kochkurse an.

Zu ihrem damaligen Lebensgefühl passte es auch, in Wohngemeinschaften zu leben. Diese Wohnform gab sie erst nach vielen Jahren auf, als sie schwanger wurde. Plötzlich war es ihr zu ihrer eigenen Überraschung wichtig, eine kleine Familie zu gründen.

Zusammen mit Matthias, ihrem heutigen Ehemann, zog sie in eine kleine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in St.Georgen. Und es kam noch überraschender: Ein Grossonkel ihres Mannes, der Schreiner Paul Weishaupt, bot ihnen seine Liegenschaft an der Speicherstrasse in Teufen zum Kauf an.

Der Entscheid, aufs Land in ein Einfamilienhaus zu ziehen, fiel der Stadt-Aktivistin nicht leicht. Doch nach langem Hin- und Her hier in Teufen eingezogen, den Vollmond über dem Säntis erblickend, sei es plötzlich klar gewesen: Hier bleiben wir, es stimmt! «Ja», sinniert Herta Lendenmann und lacht: «was ich einmal als bünzlig angesehen habe, stimmt heute für mich, ich bin ein richtiges Landei geworden!»

Nach der Kinderphase und diversen Projekten in diesem Zusammenhang (Aufbau «Rutschbahn Chinderlade » und «Monterana-Schule in St.Georgen), kam der Wunsch, sich beruflich weiter zu entwickeln. Es sollte eine Arbeit sein, bei der die ehemalige Werklehrerin ihre Hände gebrauchen und ihre Lebenserfahrung einbringen konnte. Sie, die schon immer gerne massiert hatte, erlernte die Esalen-Massage und -Körpertherapie und eröffnete nach diversen Weiterbildungen eine Praxis im Parterre des Hauses.

Seit 2008 bietet sie diese Therapie auch in der Reha-Klinik-Teufen an, wo sich Menschen mit psychosomatischen Beschwerden behandeln lassen können. «Es ist eindrucksvoll, mitzuerleben, wie Patienten wieder beginnen, ihren Körper positiv zu spüren und lernen, dessen Signale ernst zu nehmen», erklärt Herta Lendenmann die Freude an ihrem Beruf.

In Teufen Wurzeln geschlagen

Ein wichtiger Schritt, sich in der neuen Umgebung heimisch zu fühlen, war die Gründung des Vereins Kulturbar Baradies. Herta Lendenmann zeigt den Flyer, den sie 2002 an ein paar Leute in Teufen verschickte und worin sie die Eröffnung einer Bar vorschlug. Und der Funke zündete: Ein Jahr später war es soweit: Das Baradies an der Engelgasse konnte seine «Offen-bar-ung» feiern!

Besonders stolz ist die Vereinspräsidentin, dass diese Einrichtung ein breites Publikum anspricht und sich die verschiedensten Gäste darin wohlfühlen können. Und dass dies so bleibt, dafür will sie weiterhin sorgen.

Herta Lendenmann

Geboren: 22. August 1955 in Kronbühl
Heimatort: Grub AR
In Teufen seit: 1997
Familie: Ehemann Matthias, Tochter Tonia, Sohn Nicola und Hauskater Punto
Erlernter Beruf: Primar- und Werklehrerin
Heute tätig als: Körpertherapeutin in der Klinik Teufen und in eigener Praxis
Lieblingsessen: Härdöpfelgratin mit Zitronen und Kapern von Alicudi
Lieblingsgetränk: Wasser und Wein
Musikvorlieben: alles was «fägt» und meinen Körper und meine Emotionen bewegt
Buch auf dem Nachttisch: Tagebuch. (Lesen im Bett lässt mich sofort einschlafen)
Hobbys: Kulturbar führen; rum-inseln auf Alicudi; in die Berge wandern
Lebensmotto: immer offen und flexibel bleiben

Hintergrund

baradies baer (54)

Wie aus etwas Kleinem etwas Grosses werden kann

«Tüüfner Bär» 2014 geht ans Baradies – die Kulturbar in Teufen weiterlesen…

| 28. 02. 2014 | Gemeinde, Kultur, News, Vereine | Keine Kommentare

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