"Gewinn ist nicht zwingend"

06.06.2019 | Timo Züst
HUG-und-AWG-slider-2_11-49
Hier ging es noch um den Gestaltungsplan Unteres Gremm: AWG-Präsident Matthias Jäger beim Gespräch im „Böhli“. Foto: Archiv Timo Züst Diese Woche fand die elfte Generalversammlung der Wohnbaugenossenschaft AWG statt. Die TP hat beim Präsidenten Matthias Jäger angerufen und gefragt: Wie sieht die Zukunft der AWG aus? Herr Jäger, am Dienstagabend fand die GV statt. Wie geht es der AWG? Wie geht es uns in welcher Hinsicht? Natürlich, konkreter: In erster Linie finanziell. Finanziell geht es uns im Moment relativ gut, weil wir seit dem letzten Herbst voll vermietet sind. Diese Auslastung brauchen wir, um finanziell über die Runden zu kommen. Sind Sie zum ersten Mal „voll“? Nein. Aber im letzten und vorletzten Jahr hatten wir gewisse Leerstände. Glücklicherweise konnten wir jetzt aber mit der Spitex einen längerfristigen Mietvertrag auf fünf Jahre abschliessen. Dafür hat die Spitex auch Vorauszahlungen geleistet. Das hat uns finanziell entlastet. Es ist also nicht immer einfach alle Wohnungen zu vermieten. Nicht immer. Und nicht alle Wohnungen lassen sich gleich gut vermitteln. Momentan haben wir aber sogar eine Warteliste. Ihr Konzept sieht keinen Generationenmix vor. Wie jung ist Ihre jüngste Mieterin? Unsere jüngste Mieterin ist noch berufstätig. Grundsätzlich sieht unser Baurechtsvertrag mit der Gemeinde vor, dass unsere Mieter mindestens 60 Jahre alt sein müssen. Wir sind eine Alters-Wohngemeinschaft. Aber inzwischen können wir auch zwei Wohnungen an jüngere vermieten. Sie sagten, Sie hätten momentan eine Warteliste. Hätte der Teufner Alters-Wohnungen-Markt also noch Potenzial für eine weitere Wohnbaugenossenschaft? In Teufen gibt es ja bereits zwei Wohnbaugenossenschaften für Alterswohnungen. Uns und die im Unteren Hörli bzw. in Niederteufen. Während sich die anderen Wohnungen eher im unteren Preissegment bewegen, richten sich unsere eher an die Mittelschicht bzw. obere Mittelschicht. Ich denke, mit diesen Angeboten ist Teufen gut bedient. „More of the same“ braucht es wohl nicht. Was braucht es dann? Uns fehlt derzeit etwas der Übergang zwischen dem Wohnen daheim – mit Unterstützung der Spitex – und dem Umzug ins Alters- und Pflegeheim. Sollten denn nicht Alterswohnungen wie Ihre genau diesen Übergang bilden? Das ursprüngliche Konzept für die AWG war Betreutes Wohnen. Das wäre ein solcher Übergang gewesen, ja. Unser Konzept hat sich aber geändert. Wir haben zwar die Spitex im Haus und das HUG ist gleich nebenan – aber wir bieten kein Betreutes Wohnen an. Wir haben mit dem HUG lediglich einen Leistungsvertrag für nächtliche Notfälle. Und unser Verhältnis zur Spitex ist dasselbe wie bei einem Spitex-Besuch daheim. Und was würde Sinn machen: Der Umbau der AWG zum Betreuten Wohnen oder der Aufbau eines zusätzlichen Angebots? Das ist eine der zentralen Fragen der neuen Altersstrategie. Diese baut auf dem neuen Altersleitbild auf. Derzeit wird dafür eine neue Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung der Altersstrategie eingesetzt – und diese Frage wird dort dann sicher diskutiert. Wird die AWG Teil dieser Arbeitsgruppe sein? Wir hoffen natürlich, dass wir mitarbeiten können. Naja, jetzt gehört der Gemeinde ja bald das „Untere Hörli“. Das wäre doch ein schicker Platz für eine schmucke Alterssiedlung … Stellen Sie sich vor: In den 70er-Jahren war das sogar einmal so ähnlich angedacht. Man wollte dort einen riesigen Komplex aufstellen und die gesamte Altersbetreuung unter einem Dach vereinen. Heute kann man sagen: Zum Glück wurde das nicht gemacht. Denn das wäre eine Betonwüste geworden. Apropos Parzellen mit dem Zusatz „Untere“: War die Abstimmung zum Gestaltungsplan Unteres Gremm noch einmal Thema an der GV? Es gab keine emotionalen Diskussionen mehr, falls Sie das meinen. Aber ich habe die Anwesenden darüber informiert, dass nach der Abstimmung Gespräche zwischen der Gemeinde und der Bauherrschaft und zwischen der Bauherrschaft und uns stattgefunden haben. Was für ein Gefühl haben Sie nach diesen Gesprächen? Ich bin zuversichtlich, dass jetzt eine guten Lösung gefunden werden kann. Verlassen wir noch kurz das Thema Alter. In Teufen ist bezahlbarer Wohnraum oft schwer zu finden. Könnten Wohnbaugenossenschaften hier Abhilfe schaffen? Ich persönlich bin ein absoluter Befürwortet von genossenschaftlichem Wohnungsbau. Warum? Weil eine Genossenschaft per Definition keine gemeinnützige, sondern eine Organisation zur Selbsthilfe ist. Sie muss finanziell selbsttragen und unabhängig sein. Ihr Vorteil: Das Ziel ist keine Rendite auf dem Kapital, sondern das Erhalten von bezahlbarem Wohnraum. Gewinn ist nicht zwingend. Ihr Haus wurde 2012 fertiggestellt. Die spannende Frage wäre nun: Hat die Genossenschaft denn genug Geld auf der Seite, wenn es in 30 Jahren zu den ersten grösseren Sanierungen kommt? Das ist eine gute Frage und eine der grossen Herausforderungen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Heute wären wir dazu finanziell noch nicht in der Lage. Aber wir haben hoffentlich noch ein paar Jahre Zeit bis die ersten grösseren Arbeiten anstehen.

Neu im Vorstand

An der GV vom Dienstag wurde nur ein personeller Wechsel beschlossen: Ernst Tanner wurde zur Erweiterung in den Vorstand gewählt    

Top-Artikel

Top-Artikel

Anzeige

Anzeige

GU-Alpstein-Animation2024

Nächste Veranstaltungen

Donnerstag, 25.07.2024

Pro Juventute: Mütter- und Väterberatung

Freitag, 26.07.2024

Wochenmarkt Teufen

Aktuelles

×
× Event Bild

×
×

Durchsuchen Sie unsere 7299 Artikel

Wetterprognose Gemeinde Teufen

HEUTE

22.07.24 01:0022.07.24 02:0022.07.24 03:0022.07.24 04:0022.07.24 05:00
16.4°C16.2°C16.1°C16°C15.9°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon

MORGEN

23.07.24 05:0023.07.24 09:0023.07.24 12:0023.07.24 15:0023.07.24 20:00
15°C17.8°C19.7°C21.2°C18°C
WettericonWettericonWettericonWettericonWettericon