"Für uns hat die Sicherheit oberste Priorität"

14.03.2017 | Erich Gmünder
GR Edikt Kurztunnel Altherr Sigg Riedener (31) komp
Gemeinderätin Pascale Sigg, Gemeindepräsident Reto Altherr und Gemeindeschreiber Philipp Riedener erläutern den Medienschaffenden den ablehnenden Entscheid zur Kurz-Tunnel-Initiative. Fotos: EG

Erich Gmünder

Der Gemeinderat empfiehlt den Stimmberechtigen einstimmig, die Kurz-Tunnel-Initiative am 21. Mai abzulehnen. Oberste Priorität hat in seiner Argumentation die Sicherheit, insbesondere der schwächeren Verkehrsteilnehmer, sagten Gemeindepräsident Reto Altherr und die für das Ressort Bau zuständige Gemeinderätin Pascale Sigg-Bischof.

Am Mittag kommunizierte der Gemeinderat seinen ablehnenden Entscheid in einer Medienmitteilung. Vorgängig gaben Reto Altherr und Pascale Sigg, assistiert von Gemeindeschreiber Philipp Riedener, Einblick in die Überlegungen, die zu ihrem Entscheid geführt hatten. Die jetzige Situation sei gefährlich, nicht nur im Dorf.

„Sie alle kennen die Situation, wenn die Schüler der Sekundarschule am Mittag Richtung Niederteufen fahren. Das macht schon manchmal Bauchweh. Die Verlegung der Geleise auf die Fahrbahn schafft Freiraum, den wir für den Langsamverkehr sprich vor allem die Velofahrer nutzen könnten“, sagte Reto Altherr.

Bereits angedacht ist, die Doppelspur vom Stofel Richtung Niederteufen und Lustmühle dereinst weiterzuführen, damit die Verkehrssicherheit auf der ganzen Achse verbessert werden könnte. Entgegen kommt diesen Überlegungen die Tatsache, dass die Appenzeller Bahnen im Zusammenhang mit der Durchmesserlinie derzeit die Kreuzungsstelle mit zwei Gleisen von der Lustmühle bis zum Sonnenrank verlängern.

Bauliche Eingriffe

Umgekehrt sind es die baulichen Eingriffe im Zusammenhang mit der Kurz-Tunnel-Initiative, die aus Sicht des Gemeinderates problematisch sind. Die zwei Tunnelportale beim Schützengarten und beim Bahnhof bedeuteten massive Einschnitte ins Ortsbild. Insbesondere die Tieferlegung des Bahnhofs, die nötig wäre, damit der Tunnel unter der Speicherstrasse durch geführt werden kann. Als problematisch sieht der Gemeinderat aber auch die ungelöste Situation zwischen Schützengarten und Stofel. „Der neuralgische Punkt mit dem Engnis bei Elektro Nef wäre damit weiterhin nicht gelöst“, so Reto Altherr.

Kostspielige Kurzvariante

Die Initianten gingen laut ihrem Initiativtext davon aus, dass der Kurztunnel die Gemeinde nur 10 Mio. Franken kosten würde, gegenüber 30 Mio. Franken für den Langtunnel. Laut der von der Gemeinde eingeholten Gutachten belaufen sich jedoch die Gesamtkosten für die Kurz-Tunnel-Variante (rund 400 Meter) auf 61 Mio. Franken. Der Gemeinde verblieben dabei Restkosten von 24,8 Mio. Franken – gegenüber rund 30 Mio. für den an der Urne abgelehnten Langtunnel.

„Als ich diese Kostenschätzung sah, konnte ich mir das selber kaum vorstellen“, sagte Reto Altherr. Die Begründung der beiden Ingenieurunternehmen, welche unabhängig voneinander praktisch auf das gleiche Ergebnis kamen: „Alle die teuren Sachen wie Installationen und Portale sind genau gleich. Die einzige Differenz sind die Kosten für den bergmännischen Aushub des 400 Meter längeren Langtunnels, dies bei einem Preis pro Laufmeter von 15’000 bis 17’000 Franken“, so hätten ihm die Experten erklärt.

Allerdings: Die Kosten seien diesmal kein Thema. „Der Entscheid für Tunnel oder Doppelspur ist keine Frage der Finanzierung, die Gemeinde Teufen kann das stemmen.“

Belastende Bauphase – hin wie her

Reto Altherr und Pascale Sigg machten keinen Hehl daraus, dass die Bauphase für die Bevölkerung und insbesondere das Gewerbe belastend werden dürfte. Sie betonten aber auch, dass dies unabhängig davon sei, ob ein Kurz-Tunnel oder die Doppelspur realisiert werde. „Das Dorf wird hin wie her eine grosse Baustelle, auch bei der Tunnellösung.“ Auch bei dieser Variante müssten die Geleise entfernt und gleichzeitig wahrscheinlich die Werkleitungen erneuert werden. Es müssten einzig keine neuen Schienen eingebaut werden. Dafür kämen grosse Baustellen mit dem Abtransport des Aushubs sowie den beiden Tunnelportalen auf Teufen zu.

Die berechtigten Ängste des Gewerbes würden aber aufgenommen. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir Hand bieten für allfällige Alternativlösungen, beispielsweise ein Raumangebot im Zeughaus, wo die Geschäfte für eine gewisse Zeit mobile Verkaufsstände aufstellen könnten“, so Reto Altherr. Die Behörden stünden in engem Kontakt mit dem Gewerbe. Ziel sei es, die Bauphase möglichst kurz zu halten. „Statt zu etappieren ist es vielleicht besser, möglichst schnell zu bauen, auch wenn die Einschränkungen kurzfristig grösser sind. Das wollen wir mit den Geschäften diskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Auch bei der Gestaltung des Dorfzentrums hätten die Erreichbarkeit der Geschäfte und ein genügendes Parkplatzangebot hohe Priorität.

„Harte Zeiten“ für Teufen

Unabhängig von der Tunnelabstimmung treibe die Appenzeller Bahn die Planung der Doppelspur gemäss dem Volksentscheid vom 18. Januar 2015 weiter voran, weil ab dem 9. Dezember 2018 der Bahnhof, die Bahnhofkreuzung sowie die Perrons der vier Haltestellen – mit ebenerdigem Einstieg – für die neuen Züge bereit sein müssten. Dank dem neuen Fahrplanangebot fahre ab dann während der Stosszeiten am Morgen und am Abend alle 7,5 Minuten ein Zug durchs Dorf, nach der Einführung des Schnellzuges Appenzell-St. Gallen gar alle 6 Minuten. „Und solange der Zug auf einer Spur durchs Dorf fährt, gilt das Eisenbahngesetz, was heisst, dass die Sicherungsanlagen im Einsatz bleiben.“ Die Strassenbahn auf der Doppelspur hingegen unterliege dem Strassengesetz, die Züge müssten auf Sicht halten können und hätten keinen Vortritt mehr; die Sicherungsanlagen könnten entfernt werden.

Bis zur Realisierung einer der beiden Varianten stünden Teufen so oder so „harte Zeiten“ bevor, sagte Reto Altherr. Weil am 9. Dezember 2018 weder die Doppelspur noch die Tunnellösung realisiert sind, rechnet Reto Altherr in der Übergangszeit mit einer massiven Belastung und Staus insbesondere am neuen Bahnhofkreisel, wobei er einräumte, dass ein Tunnel den Kreisel entlasten würde.

Mit dem Baubeginn für die Doppelspur wird nicht vor 2020 gerechnet, mit der Realisierung der Tunnelvariante aufgrund des komplexen Abstimmungs- und Genehmigungsverfahrens erst nach 2020.

Einen grossen Wunsch formulierte Reto Altherr zum Schluss. „Es wäre wichtig für mich, dass rein sachlich und möglichst ohne Emotionen  diskutiert wird. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, jeder soll für sich gewichten, und wenn der Entscheid da ist, dann sollte er umgesetzt werden.“

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