Für etwas Licht ins Dunkel

21.05.2020 | Timo Züst
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Seit bald zwei Wochen ist die neue Verkehrsregelung bei der Bahnhofskreuzung in Betrieb. Dazu gehören Lichtsignale und kurze Einspurstrecken. Ziel der Anpassungen ist mehr Sicherheit. Die Anlage löst aber auch Stirnrunzeln aus.

Auf der Dorf-, der Speicher- und der Ebnistrasse verzeichnet das Tiefbauamt ein ähnliches Verkehrsaufkommen. Nämlich 5400, 5900 und 6000 Fahrzeuge täglich. Das zumindest ist auf dem DTV-Plan 2019 – die Abkürzung steht für «Durchschnittlicher täglicher Verkehr» – des Kantons zu lesen. Ein Grossteil dieser Autos muss die Bahnhofkreuzung passieren. Und sie sind nicht die einzigen. Nebst dem Langsamverkehr wird die Kreuzung noch von einem weiteren, dominanten Verkehrsteilnehmer gequert: den Tangos der Appenzeller Bahnen (AB). In den vergangenen Jahren herrschte an diesem Knotenpunkt eine «allgemeine Übervorsicht». Abgesehen von den Strassenbahnsignalen und den üblichen Markierungen für den Motorisierten Individualverkehr (MIV) gab es keine weiteren Signale oder Schranken. Das – in Verbindung mit dem Wissen darum, dass es hier immer wieder knallt – forderte von den Lenkerinnen und Lenkern eine gewisse Voraussicht. Handzeichen, Vorfahren im Schritttempo oder nervöses Warten waren die Mittel der Wahl. Dieser Zustand gehört seit dem Nachmittag des 10. Mai um 16 Uhr der Vergangenheit an. Da wurde die neue Lichtsignalanlage zum ersten Mal in Betrieb genommen. Seither müssen MIV und Langsamverkehr bei Rot in den vorgesehenen Warteräumen anhalten, bis der Zug passieren konnte. Ziel der Massnahmen ist mehr Sicherheit. Bei einigen Verkehrsteilnehmern führt die Neusignalisation aber auch zu Unsicherheit.

Ein Platzproblem

Verantwortlich für das Projekt sind die Appenzeller Bahnen. Sie haben die Umgestaltung der Kreuzung in Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs Teufen geplant. «Die Sicherung war sogar Voraussetzung für den Bahnhof-Umbau. Ohne sie hätte das BAV das Projekt nie bewilligt.» Beat Senti ist bei den AB Projektleiter Infrastruktur. Und das BAV steht für das Bundesamt für Verkehr. Dort wurde der abschliessende Entscheid für die Kreuzungssicherung gefällt. «Wir reichen ein bewilligungsfähiges Baugesuch ein. Dazu gehört natürlich auch die Verkehrsführung. Aber es geht noch viel, viel weiter – bis hin zu Themen wie Neophyten-Bekämpfung oder Vogelschutz.» Das Ziel war aber klar: mehr Sicherheit. Denn die Kreuzung ist der AB und dem BAV schon lange ein Dorn im Auge. «Sauber gelöst war es nie. Früher hingen da noch Andreaskreuze. Das war aber auch nicht wirklich korrekt. Dann wurden die Strassenbahnsignale montiert. Als eine Art Notlösung. Und dann kam auch noch der Viertelstundentakt hinzu», so Senti. In den vergangenen Jahren passierten hier immer wieder Unfälle. Allerdings handelte es sich bei fast allen um Zusammenstösse zwischen Autos – meist nur Blechschäden. «Bedenkt man die Verhältnisse an der Kreuzung ist es fast erstaunlich, dass es zu so wenigen Zwischenfällen mit dem Zug kam.» Trotzdem: Für die Lokführer der AB war das Passieren auch immer eine Zitterpartie. Denn trotz Hupen und langsamer Fahrt – Bremsmanöver waren nie ausgeschlossen. Die Lichtsignalanlage soll die Situation nun entschärfen. Ist ein Zug im Anmarsch, schaltet sie bei allen Zufahrtsstrassen auf Rot. Das Problem: Platz ist Mangelware. Im Idealfall würden bei so einer T-Kreuzung grosszügige Warteräume für Fahrzeuge geschaffen, die bei Grün links abbiegen müssen. So können «Rechtsabbieger» ungehindert vorbeifahren. Das wurde auch hier versucht. Mit mässigem Erfolg. «Wir haben alles rausgeholt, was wir konnten. Aber mehr war bei diesen wenigen Quadratmetern einfach nicht möglich.»

Zweites Signal wird nachgerüstet

«Es gab schon einige Anrufe», sagt Erwin Cantieni. Der Spezialist für Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei kennt die Bahnhofkreuzung. Für ihn ist klar: Die Umgestaltung hat die Situation massiv verbessert. An einer Stelle muss allerdings noch nachgebessert werden: «Einige Autofahrer haben sich darüber beschwert, dass sie das Lichtsignal – vom Dorf herkommend – nicht mehr sehen, wenn sie vorgefahren sind.» Dieses Manko soll mit einem zweiten, gegenüberliegenden Signal beseitigt werden. Beat Senti von den AB bestätigt: «Das ist bereits in Planung und wird in den nächsten drei bis vier Wochen montiert.» Von grösseren Zwischenfällen oder gar Unfällen seit der Inbetriebnahme der neuen Anlage weiss die Polizei allerdings nichts. «Natürlich braucht es etwas Zeit, bis sich alle daran gewöhnt haben. Aber das geht meist sehr schnell», so Cantieni. Auch deshalb, weil hier oft die gleichen Autos unterwegs seien. Nach ein, zweimal sei die neue Kreuzung bereits Routine.

Und die langen Schlangen am Feierabend? «Es stimmt schon, dass es jetzt wegen der fehlenden Warteräume bei grosser Verkehrsbelastung zu Fahrzeugkolonnen kommt. Aber ich vermute, das wird sich bald beruhigen.»

Umbau trotz Kreisel

In mittelfristiger Zukunft soll aus der Bahnhofkreuzung ein Bahnhofkreisel werden. Aus Sicht der AB die sicherste Lösung: «Unser bestes Beispiel ist die Anlage beim Spisertor St. Gallen. Dort funktioniert es tiptop», sagt Beat Senti. Die jetzige Umgestaltung der Kreuzung habe sich aber trotz der längerfristigen Pläne gelohnt. Nicht nur, weil sich deren Umsetzung noch nicht sicher und der Umbau des Bahnhofs ohne die Neusignalisation nicht möglich gewesen wäre, sondern auch, «weil diese Massnahmen die Sicherheit schon deutlich verbessert haben. Das war es auf jeden Fall wert. Auch wenn man ab und zu vielleicht etwas warten muss.» tiz

 

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