Die Texte von Katja Kunz werden am Sonntag „weggeputzt“. Foto: zVg
Seit zwei Jahren sind die Fenster des Zeughauses mit Texten und Texturen von Katja Kunz versehen. Am Sonntag werden diese Fenster nun im Rahmen einer Performance von Katja Kunz und Wilma Vesseur «geputzt».
Im August 2020 versah Katja Kunz zu den Appenzeller Bachtagen im Zeughaus Teufen die Fenster mit Texten. Diese beschriebenen Fenster verbinden Licht und Dunkelheit. Sie beleuchten die Räume und der darauf geschriebene Inhalt, sei es als Text oder Textur betrachtet, bildet mutmasslich etwas Erhellendes.
Die Bachtage fanden 2020 infolge der Pandemie nicht statt, die Texte und Texturen blieben und werden nun exakt wieder am Ende der Bachtage während einer Performance entfernt und das Projekt abgeschlossen. Mehr zum Anlass lesen Sie hier.
Die Bachtage
Vom 17. Bis 21. August finden die vierten «Appenzeller Bachtage» in und um Teufen statt. Das Festival musste wegen Corona zwei Jahre auf seine Durchführung warten. Die TP hat den musikalischen Leiter Rudolf Lutz, gefragt, was es zu hören und zu erleben gibt.
Das Programm
Die vierten Appenzeller Bachtage finden vom 17. bis 21. August statt. Zentrum des Festivals ist Teufen; aber auch in Stein oder St. Gallen wird aufgeführt. Zum Beispiel das Eröffnungskonzert am 17. August, um 19 Uhr, in der Tonhalle St. Gallen. Bereits am Folgetag finden die ersten beiden Anlässe im Lindensaal statt: um 9:15 Uhr eine «Akademie » mit Anselm Hartinger und um 11 Uhr eine mit Arthur Godel. Auch in der Grubenmann Kirche sind die Bachtage zu Gast. Zum Beispiel für die Aufführung des Kantatenkonzerts BWV 19 «Es erhub sich ein Streit». Es findet am Freitag, 19. August, ab 19 Uhr statt – die Werkeinführung beginnt bereits um 17:30 Uhr. Auch die traditionelle Konzertwanderung, unter der Leitung von Konrad Hummler, wird durchgeführt. Treffpunkt dafür ist am Freitag, 19. August, um 13 Uhr vor dem Lindensaal.
Weitere Infos unter: www.bachtage.ch
Herr Lutz, Sie sind inzwischen seit 16 Jahren musikalischer Leiter der J.S. Bach-Stiftung. Hat man nach so vielen Jahren nicht irgendwann «genug» von Bach?
Eine sicherlich berechtigte Frage! Obschon ich in den letzten Jahren viel Erfahrung erlangt habe, bleibt das Bach’sche Werk stets anspruchsvoll. Dies ist vielleicht gerade der Grund, dass mir die Auseinandersetzung mit dem Bach’schen Werk nie verleidet ist: Die Kantaten, Oratorien und Messen weisen eine grosse Vielfalt an Erscheinungsformen, Charakteren, Affekten und Formen auf. Auch kann ich mich stets auf hervorragende Musikerinnen und Musiker verlassen, die, hingebungsvoll wie ich, die Darstellung des Einzelwerkes anstreben. Und eine Backstage-Crew, die sorgsam alles vorbereitet und begleitet.
Ist Bachs Werk in seiner Vielfalt einzigartig – oder gibt es vergleichbare Komponisten?
Bach ist in dieser Hinsicht wirklich einzigartig. Ich denke aber, dass bei Beethoven, Mozart und Haydn eine ähnlich üppige Vielfalt und Unverwechselbarkeit zu finden sind.
Johann Sebastian Bach starb am 28. Juli 1750. Seine Musik hat Jahrhunderte überdauert. Was glauben Sie: Wird auch heutige Musik im Jahr 2250 noch aufgeführt?
Ich denke ja. Und so schwierig es 1750 gewesen sein muss, diese Prognose bezüglich Bach zu stellen, ist es auch heutzutage schwierig zu sagen, was von unserer zeitgenössischen Musik im besagten Jahr noch aufgeführt werden wird. Wer weiss: vielleicht die Beatles. Oder Britten’s War Requiem – auch schon einige Jahrzehnte alt.
Im August findet die vierte Ausgabe der Appenzeller Bachtage statt. Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich besonders?
Am liebsten würde ich alle Veranstaltungen besuchen. Dies ist ja auch möglich, haben wir doch darauf geachtet, dass sich keine zeitlichen Überschneidungen ergeben wie bei anderen Festivals. Natürlich bin ich sehr gespannt auf unser Eröffnungskonzert mit Beethoven und Haydn, oder auch auf Vater und Sohn Suzuki …
Die Bachtage stehen unter dem Titel «licht und dunkel». Sie sind in der internationalen Musikwelt daheim: Wie «dunkel» war / ist die Corona- Pandemie für die musikalische Gemeinschaft?
Dunkel ist eine gute Charakterisierung dieser langen Monate der Bedrohung durch Corona. Gerade für Freelancer waren beide vergangenen Jahre sehr schwierig, ja leidvoll. Noch dunkler ist es mir geworden in Anbetracht der kriegerischen Auseinandersetzungen. Und wie sehr ist unser General- thema aktuell geworden: Gerade die Wahl der «Tempore-Belli-Messe» Haydns. Die schallenden Trompeten im Agnus Dei gehen mir jetzt schon ins Herz: Kriegsdrohungen in Wien, und Haydns Antwort in der Messe … In diesen Momenten empfinde ich ganz besonders die Kraft der Musik. Musik, die in Krisenzeiten entstanden ist.
Noch zwei kurze Fragen: Wenn Sie nach einem langen (Musik-)Tag daheim ankommen, hören und spielen Sie dann noch Musik?
Ich spiele gerne abends Klavierwerke: Brahms, Mendelssohn. Auch blase ich, wenn ich kann, für meine Nachbarinnen und Nachbarn Alphorn.
Und falls Sie eine einzelne CD (wie früher…) auf eine einsame Insel mitnehmen könnten: Welche wäre das?
Ich weiche aus … Das wären dann wohl entweder die Goldbergvariationen mit Angela Hewitt, oder das Jazzkonzert mit Ella Fitzgerald mit Duke Ellington’s Band (an der Côte d’Azur), oder die Brahms-Sinfonien mit Herbert Blomstedt.