Fast schon eine Glaubensfrage

11.04.2022 | Timo Züst
Zug_ODT

Am 15. Mai stimmt Teufen zum nächsten Mal über die ODT ab.

Die Tunnel-Befürworter, sprich die IG Tüüfner Engpass und das Ja-Komitee, betreiben Abstimmungskampf (das Edikt finden Sie hier). In den nächsten Wochen finden diverse Informations-Anlässe statt – dazu gehören auch einige Dorfspaziergänge. Der erste dieser Rundgänge fand vergangene Woche statt. Mit dabei war auch Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen (AB). Er war mit vielen Aussagen der IG nicht einverstanden (mehr dazu hier). Auf diese Kritik hat die IG nun mit einer Medienmitteilung reagiert.

Hinweis: Viele Informationen und Pläne des Doppelspur-Projekts finden Sie hier.

Hinweis in eigener Sache:

Die Diskussion um die Ortsdurchfahrt (ODT) zu begleiten ist eine Herausforderung. Nicht wegen der vorgeschlagenen Projekte an sich: Der «Status Quo», die Doppelspur und ein Tunnel-Projekt haben ihre Vor- und Nachteile, die sich grundsätzlich problemlos analysieren und vergleichen liessen. Nein, das Problem bei der ODT ist die zunehmende Polarisierung der Diskussion. Wenn sich beide Parteien gegenseitig der Falschaussage bezichtigen, wem sollen die Stimmbürger dann noch glauben? Und wen soll die «Tüüfner Poscht» als unabhängige Partei zu Wort kommen lassen? Klar ist: In diesem Klima ist eine vollständige journalistische Einordnung aller Aussagen kaum noch möglich. Aber aufgeben bzw. ein reines Widergabe-Medium sein, wollen wir auch nicht. Anders gesagt: Wir tun, was wir können. Aber wir können eine Diskussion nur begleiten und nicht steuern. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, empfehlen wir deshalb: Bleiben Sie wachsam und achten Sie darauf, wer Ihnen welche Informationen vermittelt. Jede aktive Partei bringt auch ein Eigeninteresse in die Diskussion ein.

Die TP wird auf jeden Fall weiterhin alle Parteien zu Wort kommen lassen. Das gilt auch für diese Medienmitteilung bzw. Reaktion der IG Tüüfner Engpass:

Die Medienmitteilung der IG

Unhaltbare Vorwürfe

Nach der ersten Dorf-Begehung wurden der IG Tüüfner Engpass und dem Komitee Teufen mit Zukunft erneut vorgehalten, mit falschen Darstellungen, etwa der Fahrbahnbreite, zu operieren. Dabei berufen sich die Doppelspur-Promotoren auf Planungen, die sie bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht haben.

Es scheint so, als ob die Appenzeller Bahnen den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern weis machen wollen, dass mit zwei Geleisen nebeneinander mehr Platz für Fussgänger und Velofahrer bliebe als heute mit einem Gleis … Die Tatsachen sprechen im Dorfkern eine andere Sprache. Bei der Doppelspur bleiben keine separaten Spuren für Velostreifen übrig. Auch die Sturzgefahr bei Abzweigungen durch vier Rillenschienen ist gross.

Das Argument, dass ein Lastwagen noch einige Zentimeter breiter sei als eine Tango-Komposition der AB ist Augenwischerei. Denn mit einer so genannten Kernfahrbahn können breitere Fahrzeuge jederzeit auf die Fahrradspuren ausweichen, haben dort aber keinen Vortritt. Die Trambahn ist fest auf ihr Trassee angewiesen, weshalb das System der Kernfahrbahn bei einer Doppelspur nicht möglich ist.

Die Interview-Aussage des Direktors der Appenzeller Bahnen, es sei «sehr unrealistisch», dass man im Egglirank eine zweigleisige Kreuzungsstelle neben der Strasse einrichten könne, ist nicht abgeklärt. Der betroffene Abschnitt ist nämlich noch unbebaut, und die dortigen Landbesitzer haben klar signalisiert, dass sie für eine solche Lösung zu haben wären.

Panikmache mit unbelegten Kosten

Auch die Behauptung des Bahndirektors, dass ein Tunnel «sicher deutlich teurer, als die IG schätzt» werde, sind unseriös. Die IG Tüüfner Engpass geht von Mehrkosten von rund 35 Millionen Franken für einen Tunnel aus, wie das Bundesamt für Verkehr in der Korridorstudie dargestellt hat.

Deshalb ist es auch irreführend, wenn im Abstimmungsedikt der Gemeinde eine Zahl von 100 Millionen Franken herumgeboten wird. Diese Summe entbehrt jeder Grundlage und soll wohl nur einen Zweck erfüllen: Wie 2015 den Teufnerinnen und Teufnern die klar bessere Tunnel-Lösung auszureden. Auch in weiteren Punkten erfüllt das Edikt den Anspruch an korrekte Abstimmungsinformationen nicht. So vergleicht der Gemeinderat die Verkehrssicherheit der Doppelspur mit der heutigen Ist-Situation, nicht aber mit der offensichtlich besseren Tunnel-Lösung ohne Bahn im Zentrum. Es wird ein Bild mit Velostreifen im Dorfkern gezeigt, wo es dafür gar keinen Platz gibt.

Komitee wächst rasant

An der Generalversammlung der IG Tüüfner Engpass Ende März konnte der Vorstand etliche neue Mitglieder verzeichnen, die IG ist für den Schlussspurt der Gemeindeabstimmung gut gerüstet. Auch das Komitee Teufen mit Zukunft wächst: Aktuell stehen schon weit über 300 Mitglieder für eine Tunnel-Lösung ein.

Zusätzliche Dorf-Begehungen und Informationsabend vor der Tunnelabstimmung

Die erste Dorf-Begehung der IG Tüüfner Engpass und des Komitees Teufen mit Zukunft zeigte, dass kompetente und sachliche Abstimmungs-Informationen vor Ort einem Bedürfnis entsprechen. Nun werden zusätzliche Führungen angeboten.

Am vergangenen Mittwoch fand die erste Dorfbegehung statt, die von der IG Tüüfner Engpass und dem Komitee Teufen mit Zukunft im Vorfeld der Tunnel-Abstimmung vom 15. Mai durchgeführt wurde. 30 Personen nahmen teil. Detailreich und mit vielen Hintergrundinformationen gespickt wurde aufgezeigt, zwischen welchen Bahnvarianten sich Teufen zu entscheiden hat.

Weitere Führungen sind am Mittwoch, 13. April, und am Mittwoch, 20. April,  jeweils um 17.30 Uhr vorgesehen. Treffpunkt ist der Parkplatz beim Bahnhof.

An den Samstagen 23. und 30. April von jeweils 9.00 bis 13.00 Uhr vor der Metzgerei Breitenmoser gibt es an einem Informationsstand nicht nur Fakten und Argumente, sondern auch eine offerierte Bratwurst.

Zusätzliche Dorfbegehungen starten an diesen Tagen jeweils um 10.00 Uhr ab Bahnhof Teufen.

Diskussion an Informationsabend

Am Montag, 25. April, von 19.30 bis ca. 21.00 Uhr, findet im Lindensaal ein Informationsabend der IG Tüüfner Engpass und des Komitees Teufen mit Zukunft statt. Eingangs werden das Projekt Doppelspur und Tunnelvariante vorgestellt. In einem Podiumsgespräch diskutieren dann Vertreterinnen und Vertreter der IG Tüüfner Engpass und des Komitees Teufen mit Zukunft die Argumente für und wider die Doppelspur und den Tunnel. Gemeindevertreter als Befürworter der Doppelspur wurden zu diesem Anlass ebenfalls eingeladen, diese verzichten aber auf eine Teilnahme. Abschliessend wird die Diskussion für Fragen aus dem Publikum geöffnet.

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