Farbe fürs Velo

19.05.2023 | Timo Züst
speicherstrasse
Ab der Migros soll auf der rechten Fahrspur ein Velostreifen markiert werden – in Niederteufen ebenso. Foto: tiz

Bei der Budget-Debatte vom 5. Dezember 2022 stimmte der Kantonsrat auch einem Antrag von SPler Jaap van Dam (Präsident Pro Velo St. Gallen Appenzell) zu. Damit sprach das Parlament 150’000 Franken für Unterhaltsmassnahmen von Fahrradstreifen entlang «alter» Kantonsstrassen. Da das Geld Teil des Budgets 2023 ist, muss es auch heuer ausgegeben werden. Die TP hat den Kantonsingenieur gefragt: Wie läuft es?

«Generell sind wir natürlich keine Fans von ‘Sofortmassnahmen’. Bauprojekte lassen sich schlicht nicht von heute auf morgen umsetzen.» Kantonsingenieur Urban Keller hat dank des angenommenen Budget-Antrags (33:22 Stimmen / 5 Enthaltungen) von Jaap van Dam eine «dringende» Aufgabe gefasst: Er und sein Team sollen entlang der alten Kantonsstrassen noch heuer Folgendes anpassen: «Sicherung und Ausbau von Fuss- und Veloquerungen, De-/Um-/Neumarkierungen von Strassenmarkierungen, weitere Sofortmassnahmen sowie für die Erstellung von Analysen zur Verbesserung der Fuss- und Veloverkehrsnetze und Verkehrszählungen mit Fokus Fuss-/Veloverkehr». So steht es im Antrag. Aber: Gemeint ist nicht, dass alle diese Massnahmen geplant und umgesetzt werden. Viel mehr ist es eine Liste möglicher Verwendungen der gesprochenen 150’000 Franken. «Für uns ist wichtig, dass wir das Geld nicht für Experimente ausgeben. Es soll für Massnahmen eingesetzt werden, die bewährt und  mit der Kantonspolizei abgesprochen sind», sagt Urban Keller. Diese Planungen betreffen auch Teufen. Denn bei den Verbindungen nach Speicher, Bühler und St. Gallen handelt es sich um sogenannte «alte» Kantonsstrassen. Und hier will der Kanton tätig werden.

Velostreifen «per sofort»

Das Problem ist eigentlich immer das gleiche: der Platz. Noch so gerne würde der Kanton alle seine vielbefahrenen Strassen mit grosszügigen Fahrradstreifen oder separaten Rad- und Gehwegen ausstatten. «Aber in der Praxis ist das häufig schwierig, baulich aufwändig, mit vielen Zielkonflikten verbunden und entsprechend teuer.» Ein Beispiel dafür wäre die talseitige Verbreiterung der Steinerstrasse zugunsten eines Velostreifens im Sommer 2021. Hier war ein Rodungsverfahren nötig. Das heisst, die Kriterien Walderhaltung und Bodenversiegelung mussten gegen die Interessen der Veloförderung abgewogen werden. Ein noch grösseres Projekt ist zwischen Liebegg und Riethüsli geplant. Aber was ausserorts herausfordernd ist, ist innerorts teilweise fast unmöglich. Auch hier liefert Teufen ein gutes Beispiel. Die Hauptstrasse lässt sich nicht einfach um ein paar Meter verbreitern. Dafür fehlt aufgrund der anliegenden Häuser der Platz. Etwas kann der Kanton aber tun: «Wir werden die Markierungen anpassen. Das kann teilweise durchaus sinnvoll sein und die Sicherheit erhöhen», sagt Urban Keller. Konkret soll das an zwei Stellen passieren: auf der Speicherstrasse von der Migros bis zum Schulhaus Gählern und vom «Sternen» bis zur Haltestelle Niederteufen. Geplant ist hier, die Mittellinien-Markierung zu entfernen und einseitig einen breiteren bzw. vorschriftsmässigen Fahrradstreifen «einzuzeichnen». «Das geht nur ohne Mittellinie, weil sonst der Platz nicht reicht. So wird den Auto- und LKW-Fahrenden signalisiert, dass sie die Fahrräder mit ausreichend Abstand zu überholen haben und nicht einfach an ihnen vorbeifahren können.» Da es sich um Kantonsstrassen handelt, muss das Tiefbauamt für diese Anpassung keine Bauauflage machen. Aber: Weil sich die Abschnitte innerorts befinden, trägt die Gemeinde 50 Prozent der Kosten. «Wir gehen davon aus, dass Teufen unser Vorhaben unterstützt. Gemeinderat Marco Sütterle war ja auch Mitunterzeichner des Antrags im Kantonsrat.»

Wie viele Velos?

Beim Thema Langsamverkehr ist nicht nur der Platz eine Herausforderung. Wir wissen auch noch sehr wenig über ihn. «Die Datenlage ist hier im Vergleich zum MIV sehr schlecht. Wir haben kaum Zahlen.» Einzig die schnellen E-Bikes werden vom Strassenverkehrsamt erfasst – 894 waren es in Ausserrhoden Ende 2022. Bei den «langsamen» E-Bikes variieren die Schätzungen stark. Jaap van Dam geht von rund 5000 im Kanton aus. Noch unübersichtlicher ist die Situation bei den Velos ohne elektrischen Antrieb. Für die Planung von Langsamverkehrs-Infrastruktur sind aber andere Zahlen ausschlaggebend: Nämlich die Anzahl der Fahrräder, die auf einer bestimmten Strecke unterwegs sind. «Glücklicherweise waren Verkehrszählungen auch Teil des Budget-Antrags», sagt der Kantonsingenieur. Deshalb sollen in den nächsten Monaten drei Zählstationen auf Teufner Boden installiert werden. Eine zwischen Lustmühle und Niederteufen, sowie je eine auf dem Rad- und Gehweg zwischen Gählern und Speicher, und  zwischen Teufen und Bühler. Das Spezielle an ihnen: Sie werden den Veloverkehr auf dem Rad-Gehweg und auf der Strasse registrieren. Das ist wichtig, weil das Tiefbauamt davon ausgeht, dass die Wege auch von «Falschfahrenden» benutzt werden. «Wer von Speicher nach Teufen unterwegs ist, muss den Radstreifen auf der Strasse nutzen. Das ist die gleiche Situation wie von der Liebegg runter ins Riethüsli.» Diese Zahlen sollen den Kanton bei der Planung passender Infrastruktur unterstützen. Für Urban Keller ist aber schon jetzt klar: «Entlang stark befahrener Hauptstrassen soll für die Velofahrenden- und die Fussgänger wo immer möglich eine separate Infrastruktur im Gegenverkehr entstehen. Das ist auch nicht konfliktfrei, aber allerweil besser als die heutigen Lösungen.»  tiz

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