«Es braucht Auflockerungen»

02.07.2022 | Timo Züst
Energiegenossenschaft
Der Präsident der Energiegenossenschaft Teufen, Jakob Brunnschweiler, und sein Vize Philipp Schuchter (rechts). Foto: Archiv Die 2014 gegründete Energiegenossenschaft Teufen hat sich aufgelöst. Der Grund: fehlende Projekte. Das liegt einerseits an den technischen Entwicklungen der vergangenen acht Jahre – aber auch an den fehlenden Anreizen für den Bau privater Photovoltaik-Anlagen. Mehr weiss Vize-Präsident der Genossenschaft, Philipp Schuchter.

Die Mitteilung der Genossenschaft

Die Energiegenossenschaft Teufen wird mangels Objekten zur Erzeugung von erneuerbaren Energien aufgelöst Die Energiegenossenschaft Teufen wurde am 24, April 2014 gegründet. Folgender Zweck wurde damit verbunden: «Die Energiegenossenschaft Teufen bezweckt die Realisierung und den Betrieb von Anlagen zur Erzeugung erneuerbaren Energien, sowie deren Vermarktung. Sie dient in erster Linie dazu, ihre Mitglieder mit selber produzierter Energie zu günstigen Preisen zu versorgen.» Diesen Zweck konnte die Genossenschaft nur unvollständig erfüllen. Dies lag insbesondere an den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken, welche lange Zeit für die Einspeisung lediglich 4,5 Rp. pro KW vergütete und anfangs auch keinen Eigenverbrauch zuliess. Das Leuchtturmprojekt an der Umfahrungsstrasse in Teufen konnte so nicht genügend Investoren finden, waren doch die Gelder ohne Rückzahlung und Rendite nicht in der notwendigen Grössenordnung auffindbar. Nach langer, intensiver Suche lief die Baubewilligung der Anlage ab und der Kanton wollte für ein neues Vorhaben kein grünes Licht mehr geben. Er hat dafür beschlossen das Projekt selbst zu realisieren. Als einziges Projekt liess sich auf dem Dach der Raiffeisenbank in Teufen eine Anlage realisieren, welche neu dank Eigenverbrauch wirtschaftlich funktioniert. Weitere Anlagen liessen sich in Teufen trotz intensiver Suche nicht finden, oder wurden durch die Eigentümer selbst realisiert. Die Energiegenossenschaft Teufen darf aber nach 8 Jahren stolz darauf sein einen grossen Anteil an einer zukünftigen Photovoltaik-Anlage an der Wand der Umfahrungsstrasse geleistet zu haben. Photovoltaik-Anlagen lassen sich erst dann im grösseren Umfang realisieren, wenn der Ei-genverbrauch nicht mehr eng gefasst wird. Dann, wenn es allen Investoren offen bleibt, auf einem beliebigen Dach Photovoltaik-Anlagen zu finanzieren und den Ertrag an der eigenen Stromrechnung abgezogen werden kann. Die technischen Systeme dazu liegen mit sogenannten Smartmeter heute längst vor. Diesbezüglich müssten die Versorgungsunternehmen einen massgebenden Beitrag zur sicheren Energieversorgung leisten. Sämtliche Genossenschaftsanteile und Finanzierungsbeiträge werden vollständig zurück bezahlt, der Überschuss wird dem Verein «Appenzeller Energie» überwiesen.
Herr Schuchter, was war die Idee hinter der Energiegenossenschaft? Damals ging man davon aus, dass Photovoltaik-Anlagen gefördert werden müssen. Zwar waren die Einspeisevergütungen noch deutlich höher – an die 15 Rappen –, aber die Panels waren deutlich teurer. Und die Vergütungen waren gerade im Umbruch bzw. wurden gekürzt. Natürlich hat sich in den vergangenen acht Jahren aber sehr viel getan. Sie meinen im technischen Bereich? Insbesondere dort, ja. Die heutigen Panels sind viel günstiger, effizienter und langlebiger. Aber auch bei der Einspeisevergütung hat sich viel getan: Zeitweise war sie sehr tief bei ca. 4,5 Rappen, mittlerweile ist sie wieder bei rund 9 Rappen angelangt. Generell kann man wohl aber sagen: Ziel der Genossenschaft wären eher grössere Projekte gewesen, oder? Genau, das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Aber wir haben rasch gemerkt, dass das mit diesen Vergütungen schwierig wird. Wenn man so wenig für den Strom, den man nicht selbst nutzen kann, bekommt, rentieren grössere Anlagen einfach nicht. Und kleinere PV-Anlagen auf Privathäusern werden heute mittlerweile auch unabhängig von uns realisiert. Wie ist denn die PV-Situation in Teufen heute? Nun, mehr kann man natürlich immer machen. Aber bei Neubauten wird heute sehr häufig eine PV-Anlage auf dem Dach eingeplant. Bei älteren Häusern – auch wegen der diversen Dachverbauungen – ist das teilweise schwieriger. Auch die Gemeinde ist sehr aktiv und installiert auf ihren Liegenschaften entsprechende Anlagen; Schulhaus Blau, Gruppenunterkunft etc.. Eher selten sind grössere Anlagen ausserhalb des Dorfes – auf Scheunen beispielsweise. Das wären doch geeignete Projekte für die Genossenschaft. Theoretisch ja. Aber innerhalb der geltenden Regelungen für private PV-Anlagen würden sie nicht rentieren. Dafür müssten man die Regelungen im Eigenverbrauch-Bereich lockern und den Abzug des Stromertrags von der Rechnung ermöglichen. Das bedeutet? Wer heute mit seiner Anlage mehr Strom produziert als er selbst braucht, kann diesen Strom lediglich als Eigenverbrauch seinen unmittelbaren Nachbarn liefern, anderen möglichen Mitinvestoren aber nicht. Er wird ins SAK-Netz eingespeist und mit der angesprochenen Vergütung abgegolten. Das ist aber schlicht zu wenig für eine wirtschaftliche Anlage. Der Strommarkt müsste also liberalisiert werden? Die lokalen EWs sind aus meiner Sicht nicht das Problem, hingegen die grossen Versorgungsgesellschaften, notabene Gesellschaften im Eigentum der Kantone. Gerade in diesem Bereich müsste aufgelockert werden, ja. Lokale PV-Verbände – sprich Strom mit den Nachbarn teilen etc. – müsste möglich sein. Und man sollte auch in Anlagen investieren können, die nicht beim eigenen Wohnhaus bzw. bei der eigenen Firma sind. Das funktioniert, sobald der dort produzierte Strom der eigenen Rechnung in Abzug gebracht werden kann. In so einem Szenario bräuchte es auch keine Subventionierung der Anlagen mehr. Gibt es das? Ja, am Zürichsee zum Beispiel. Dort haben sich einige Gemeinden dazu entschieden, die PV-Stromproduktion direkt zu vergüten. Wer also, als Eigentümer oder Mieter, irgendwo auf 10 Quadratmetern Strom produziert, kann ihn auf seiner Stromrechnung abziehen lassen. Die Energiegenossenschaft Teufen ist auch die Mutter der Idee des PV-Stromkraftwerks an der Stützmauer der Umfahrungsstrasse. Scheiterte das auch an diesen Voraussetzungen? Ja. Damals hätten wir eine Vergütung von rund 4,5 Rappen bekommen. Das ist viel zu wenig für einen wirtschaftlichen Preis. Deshalb haben wir die nötigen Investoren auch nicht gefunden. Sind Sie froh, dass der Kanton dieses Projekt nun realisiert? Jein. Wir hätten es natürlich am liebsten selbst umgesetzt. Zeitweise waren wir auch nahe dran, weil wir ein besseres Einspeisevergütungs-Angebot von den St. Galler Stadtwerken erhielten – da war aber unsere Bewilligung bereits ausgelaufen. Aber das ist Schnee von gestern. Generell ist es gut, dass das Projekt umgesetzt wird. Anstoss-Geberin war die Energiegenossenschaft sowieso häufig … Das stimmt. Und das war – nebst der Realisierung der Anlage auf dem Raiffeisen-Gebäude – auch unsere Hauptsaufgabe. Wir gaben häufig einen Input, den die Bauherren annahmen und dann selbst eine PV-Anlage bauten. Auch das waren für uns Erfolge.  tiz

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