Ergebnisse des zweiten Arbeitsgruppen-Workshops

31.05.2014 | TPoscht online
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Engagiert wurde in den Gruppen über das Zukunftsbild von Teufen diskutiert. Fotos: EG

Beim zweiten Workshop am 7. Mai 2014 im Lindensaal stand das Zukunftsbild von Teufen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden haben die vorgestellten Leitvisionen für das Dorfzentrum und die Dorfstrasse angeregt diskutiert und ihre Meinungen dazu formuliert.

Dabei ging es insbesondere um Begegnungsräume, das «Miteinander » im Verkehr, Haltestellen der Appenzeller Bahnen sowie Parkplätze. Das Moderatorenteam fasst den Workshop wie folgt zusammen:

Dialog über den Workshop hinaus

Gemeindepräsident Walter Grob hiess die rund 25 Teilnehmenden willkommen und betonte noch einmal die wichtige Funktion der Arbeitsgruppe. Diese sei dazu da, Bedürfnisse auszudrücken, Interessen und Meinungen in die Diskussion einzubringen, Informationen auszutauschen und Ergebnisse im Prozess zu spiegeln. Insbesondere freut er sich über die Resonanz, die der erste Workshop unter anderem durch den Leserbrief der Bäckerei Koller in der Mai-Ausgabe der Tüüfner Poscht gezeigt hatte.

Zukunftsbild für Dorfzentrum und Dorfstrasse

Zunächst stellten die Raumplanerinnen Andrea Meier und Corina Höppner von Ernst Basler + Partner den Entwurf des variantenunabhängigen Zukunftsbildes für das Dorfzentrum und die Dorfstrasse vor. Das Zukunftsbild zeigt auf, wie sich das Dorfzentrum entwickeln soll. Es formuliert Visionen und wurde auf Basis des bestehenden Leitbildes der Gemeinde sowie vorhandener Grundlagen unter Einbezug des raumplanerischen Fachwissens entwickelt.

«Nahe Parkierungsmöglichkeiten
sind für das Gewerbe
überlebenswichtig.»

Wichtigstes Element waren aber die Inputs aus dem ersten Workshop. Dabei wurden unumstrittene Aussagen fachlich interpretiert und zu einem stimmigen Zukunftsbild formuliert. Die noch offenen oder widersprüchlichen Aussagen des letzten Workshops wurden im Entwurf gekennzeichnet und im zweiten Workshop gezielt wieder aufgegriffen und diskutiert.

entwurf zukunftsbild

Das skizzierte Zukunftsbild wurde in sechs Leitvisionen zusammengefasst: «Attraktiv für alle Teufner und Teufnerinnen», «Raum für Begegnung», «Lebendiges Gewerbe», «Gepflegtes Ortsbild», «Vernetzte Angebote » und «Sichere Bewegung» (siehe Zusammenfassung unten). Diese sollen vor allem im Dorfzentrum und entlang der Hauptstrasse zwischen Linde und Lustmühle umgesetzt werden.

Demnach soll das Dorfzentrum ein Ort für Menschen und das lebendige Teufner Gewerbe sein. Im Dorfzentrum kann man sich sicher bewegen und es bietet gute Verbindungen zwischen den vielfältigen Freizeit- und Kulturstätten der Gemeinde. Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner von Vorderhaus, Niederteufen und Lustmühle soll das Dorfzentrum attraktiv sein. Die zukünftige Strassengestaltung auf dem Abschnitt Niederteufen bis Linde ist zentral, um die Ortsteile besser zu integrieren. Aus der Ortsdurchfahrt soll daher eine Dorfstrasse werden.

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Franz Eberhard ermunterte zu visionärem Denken.

Handlungsspielräume ausloten

Im Anschluss an die Vorstellung des Zukunftsbildes warf der frühere Zürcher und St.Galler Stadtbaumeister Franz Eberhard nochmals einen vom ersten Workshop unabhängigen fachlichen Blick auf die Situation und gab damit Impulse für die anschliessenden Gruppendiskussionen. Er ging dabei besonders ein auf die Frage nach dem Umgang mit dem privaten Raum, der an den öffentlichen Raum angrenzt, und lotete Handlungsspielräume für die Gemeinde aus.

«Das Dorfzentrum soll ein Ort
für Menschen und das lebendige
Teufner Gewerbe sein.»

Insbesondere in einer aktiven Liegenschaftspolitik sieht er Einflussmöglichkeiten der Gemeinde auf die Gestaltung des Dorfzentrums und der Dorfstrasse. Es gehe aber auch um Gesprächsbereitschaft und einen kooperativen Umgang. Provokativ stellte er die Frage: «Ist es möglich, dass Private beim Öffentlichen mitreden und Vertreter der Öffentlichkeit bei Privaten?»

Zum Abschluss seines Beitrags motivierte er die Anwesenden zu visionärem Denken ohne Einschränkungen, gemäss dem Motto «Es wäre schön, wenn …».

Fehlen wichtige Fragestellungen im Zukunftsbild?

In drei Gruppen aufgeteilt diskutierten die Anwesenden jeweils eine Viertelstunde lang drei Fragen. Zunächst ging es darum, ob in dem vorgestellten Entwurf des Zukunftsbildes wichtige Fragestellungen fehlen oder etwas falsch verstanden wurde. Im Nu entstanden an den drei Tischen angeregte Diskussionen, deren Quintessenz von den Gruppen jeweils auf farbigen Karten festgehalten wurde.

Viele waren der Meinung, dass die Umfahrung als «Hauptarterie» des Verkehrs sowie zusätzlich eine positive Vision der internen Dorfverbindung in das Zukunftsbild aufgenommen werden sollten. Grün sei in Teufen ausreichend vorhanden, Begrünung brauche nicht als Vision skizziert zu werden. Hingegen solle das Thema des eigenen Mobilitätsverhaltens der Teufner und Teufnerinnen noch aufgegriffen werden – beispielsweise, indem man die Mehrwerte der verbesserten Gestaltung von Dorfzentrum und Dorfstrasse aufzeige.

Es gab auch Stimmen, die meinten, die Fläche für das «lebendige Gewerbe» sei auf der Karte zu klein eingezeichnet und den Begegnungsräumen werde zu viel Platz eingeräumt.

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Braucht es einen Dorfplatz?

Anschliessend stellten sich die drei Gruppen die Frage, ob Teufen einen Dorfplatz braucht – und, wenn ja, wo dieser sein soll, wenn nein, was alternative Begegnungsräume sein könnten. Nahtlos wurde der Dialog fortgesetzt und das Für und Wider abgewogen.

Auch wenn sich ein Grossteil der Anwesenden für einen zentralen Dorfplatz aussprach, gab es doch auch viele Stimmen, die sich «Begegnung in mehreren Nischen» vorstellen konnten. Dabei wurden Plätze wie der Hechtplatz oder auch Begegnungsräume in Niederteufen genannt.

Positiv aufgenommen wurde die Aussage von Franz Eberhard, dass auch flexible Nutzungen von Flächen zu unterschiedlichen Zeiten möglich seien.

Nahe Parkierungsmöglichkeiten, so wurde festgehalten, seien für das Gewerbe überlebenswichtig. Allenfalls könnten Plätze aber zeitweise auch für einen Marktbetrieb oder andere Veranstaltungen genutzt werden.

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Die Projektleiterin Fabienne Perret, Verkehrsplanerin bei Ernst Basler & Partner, leitete den Workshop.

Soll die Gemeinde Handlungsspielräume ausnutzen?

In der dritten Diskussionsrunde ging es darum, ob, wo und wie die Gemeinde aktiv in die Gestaltung eingreifen soll. Neben der Parkplatzfrage standen auch Themen wie Denkmalpflege und Ortsbildschutz im Zentrum der Diskussionen. Übereinstimmend waren alle Gruppen der Meinung, die Gemeinde solle ihre Handlungsspielräume nutzen: bei Parkplätzen, Liegenschaften der Gemeinde sowie im öffentlichen Raum.

Die Gemeinde solle Rahmenbedingungen für attraktive Gewerbeflächen schaffen und Schlüsselparzellen oder Eigentumsrechte sichern. Ausserdem sollten Betroffene zusammengebracht und gemeinsame Lösungen entwickelt werden.

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Die Resultate der Gruppendiskussionen wurden von deren Sprechern präsentiert und kommentiert.

Wie wird das «Miteinander» der Verkehrsteilnehmenden beurteilt?

Nach der Pause haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in fünf Gruppen neu formiert und jeweils eine Viertelstunde lang drei weitere Fragen zum Verkehr diskutiert. Zunächst ging es darum, wie die Anwesenden das «Miteinander» der Verkehrsteilnehmenden beurteilen. «Miteinander» bedeutet, dass sich alle Verkehrsteilnehmenden den Strassenraum teilen und gegenseitig Rücksicht nehmen, ohne dass spezifische Flächen ausgeschieden sind. Dabei sind verschiedene Höchstgeschwindigkeiten (z.B. Tempo 30) möglich.

Die Gruppen fanden das «Miteinander» im Verkehr grundsätzlich gut und wünschenswert, wiesen aber auf die Bahnhofkreuzung als kritische Stelle hin. Die Sicherheit für ältere Menschen und Velofahrende sei zudem besonders zu beachten.

Sind neue Haltestellen der Appenzeller Bahnen erwünscht?

In der nächsten Diskussionsrunde sollten die Bedürfnisse nach zusätzlichen oder verschobenen Haltestellen der Appenzeller Bahnen gesammelt werden. Die Realisierbarkeit von neuen Haltestellen hängt von unzähligen Faktoren ab: bauliche Randbedingungen, Passagieraufkommen oder verfügbarer Platz. Da die Realisierbarkeit im Rahmen der anstehenden Arbeiten noch geklärt wird, ging es hier nur darum, sich völlig unabhängig von Umsetzungsfragen darüber Gedanken zu machen, ob und wo neue Haltestellen wünschenswert sind.

Dabei wurden kreative Vorschläge entwickelt. Neben einer Haltestelle auf Verlangen beim Schwimmbad während der Sommersaison wurden auch die Linde, die frühere Haltestelle beim Sonnenrank in Niederteufen, der Ochsen oder auch der Dorfplatz als mögliche Standorte genannt.

In einer Gruppe wurde gar festgestellt, die Verlegung des Bahnhofs vom Dorfzentrum an seinen heutigen Standort vor rund 100 Jahren sei ein strategischer Fehlentscheid gewesen.

Wohin könnten Parkplätze bei Bedarf verschoben werden?

In der letzten Diskussionsrunde wurde noch einmal das kontroverse Thema der Parkplätze aufgegriffen. Die Frage war, wohin Parkplätze verschoben werden könnten, falls die Zentrumsgestaltung mehr Platz benötige. Alle waren sich einig: «Ohne Parkplätze kann das lokale Gewerbe nicht überleben».

Einige befürworteten die Aufhebung von Langzeit- zugunsten von Kurzzeitparkplätzen. Andere schlugen die Verlagerung in ein neues Parkhaus vor, das entweder hinter dem Gemeindehaus und Dorfschulhaus, hinter dem Anker oder anstelle des ehemaligen Spar-Marktes errichtet werden könnte. Wieder andere hielten die Verlagerung der Parkplätze hinter die Häuserzeilen im Dorf für eine prüfenswerte Lösung.

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Gemeindepräsident Walter Grob und die Projektleiterin Fabienne Perret bei der Schlussauswertung.

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse wird der Entwurf des Zukunftsbildes nun von den externen Fachpersonen überarbeitet und Ende Mai dem Gemeinderat und dem Lenkungsausschuss vorgelegt. Auf der Basis des Zukunftsbildes werden die Architektenteams Gestaltungsoptionen für beide Varianten (Doppelspur/Tunnel) ausarbeiten.

Die Vorschläge der Architekten werden am dritten Workshop vom 20. August 2014 zur Diskussion gestellt. Auf Basis der erarbeiteten Grundlagen sowie der Rückmeldungen aus dem Workshop-Kreis spricht der Gemeinderat im Anschluss eine Empfehlung für die eine oder andere Variante aus, über die die Stimmberechtigten schliesslich entscheiden werden.

Am Ende des Workshops bedankte sich Walter Grob bei allen Teilnehmenden für die engagierten Diskussionen. Die Denkanstösse und Lösungsvarianten, die geäussert worden seien, sollten nun nach aussen getragen und in den vertretenen Organisationen und im persönlichen Umfeld weiter diskutiert werden.

Walter Grob betonte nochmals, dass die vielen kreativen Ideen als Visionen zu verstehen und auf die Zukunft ausgerichtet seien. Die Umsetzung müsse schrittweise erfolgen. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, auf die 2015 anstehenden Wahlen in den Gemeinderat hinzuweisen und dafür zu werben, sich allenfalls als Gemeinderat zur Verfügung zu stellen und so für die Umsetzung des Zukunftsbildes zu engagieren. pd.

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| 31. 05. 2014 | Gemeinde, News, Ortskern | Keine Kommentare

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