Er holte Dalai Lama und Uno-Generalsekretär nach St. Gallen

03.06.2012 | Erich Gmünder
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Willy Graf an seinem Stehpult im Büro an der Hauptstrasse 53. Foto: EG

Vor 25 Jahren stand noch die Mauer; Ost und West wurden durch den sogenannten «Eisernen Vorhang» getrennt. Im Angesicht dieser prekären Balance, dem «nuklearen Gleichgewicht des Schreckens», initiierte Willy Graf das Sicherheitspolitische Forum an der HSG und holte Personen der Zeitgeschichte nach St. Gallen, wie den letzten Aussenminister der UdSSR, Boris Dmitrijewitsch Pankin, Zulu-König Mangosuthu Buthelezi, Uno-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar oder den Dalai Lama.

Dutzende internationale Staatsmänner, fast alle Bundesräte sowie weitere bekannte Persönlichkeiten wie Carla Del Ponte oder Tim Guldimann holte er nach St. Gallen und mit manchen von ihnen dinierte er im einstmals berühmten Speiserestaurant «Sternen» in Niederteufen. Der Sternen steht nicht mehr, doch im Anbau findet man Willy Graf heute.

Der Weg zu seinem Büro führt durch die Waschküche eines Therapiezentrums, das seine Frau Monika Graf betreibt. In der ehemaligen Doppelgarage daneben hat er sich eingerichtet, steht an seinem Pult am PC, telefoniert mit dem Headset auf dem Kopf mit seinen zwölf Mitarbeitern sowie Kunden auf der halben Welt. Willy Graf ist 1995 nach Teufen gezogen, wegen seiner Frau, die hier die Praxis eröffnete. Das Paar lebt in einer Eigentumswohnung in Teufen.

«Der einzige Banker, dem Sie wirklich vertrauen können, ist der Bancomat.»

Diese Einzelheiten wären an sich nicht erwähnenswert, wenn es sich bei Willy Graf nicht um einen Finanz- und Vermögensberater handeln würde. Da würde man einen repräsentativen Firmensitz, ein beeindruckendes Chefbüro erwarten – nichts von alledem. Der studierte Jurist, der nach Praktika bei Gerichten und der renommierten Kanzlei von Peter Nobel auf eine Anwaltskarriere verzichtet hat («ich mag nicht für andere lügen»), beschäftigt heute rund ein Dutzend Mitarbeiter und hält nicht viel von Statussymbolen, wie sie zum Beispiel Banken pflegen.

Das heutige Finanz- und Bankenwesen beurteilt er kritisch. «Nach den Erfahrungen der letzten Jahre prüfen wir jedes einzelne von uns heute empfohlene Finanzprodukt intensiv. Und, was noch wichtiger ist, wir kennen die Produkteverantwortlichen, seien es nun Bank- oder Versicherungsprodukte. Denn nach einem Blick in die Fremddepots unserer Kunden ist man geneigt zu sagen, der einzige Banker, dem Sie wirklich vertrauen können, ist der Bancomat.»

Willy Graf weiss, wovon er spricht, war er doch nach den juristischen Praktika selber bei einer Grossbank tätig. Er weiss auch, dass es viele gute Banker gibt, die unter dem aktuellen Verkaufsdruck leiden. Mit seiner Firma VVK Vorsorge- und Vermögenskonzepte AG hat er sich die individuelle Finanzberatung auf die Fahne geschrieben, und garantiert jedem, der vor dem Alter 58 zu ihm kommt, nach einer Finanzplanung die Frühpensionierung.

Wie das? Willy Graf ist spezialisiert auf massgeschneiderte Finanzplanungen und Steueroptimierungen für den Mittelstand; zu seinen Kunden gehören seit 15 Jahren die Mitglieder grosser Verbände, wie des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), der Schweizerischen Kaderorganisation (SKO), des Personalverbands des Bundes (PVB) und weiterer Verbände mit insgesamt über 200‘000 Mitgliedern, ab 2012 auch des Personalverbands der Stadt St. Gallen (PSVG). Über 10‘000 von ihnen hat er schon beraten und jeden Einzelnen zu Hause besucht, dafür absolviert er 18 bis 20 Termine und legt 1000 Kilometer zurück – pro Woche.

Seinen Kunden verspricht er Seriosität und echte Wertvermehrung. «Wir sind das Haus der Werte», umreisst er die Philosophie des Unternehmens. Dazu gehört, dass er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten sind HSG-Absolventen, keine Boni und exorbitanten Löhne erhalten und er sich selber einen Lohn in der Höhe eines Sekundarlehrergehalts auszahlt.

Viel lieber investiert er die Gewinne in die Gründung neuer Unternehmen, meist Startups von jungen Mitarbeitern. Ingesamt neun Unternehmen hat er mitgegründet, davon sind sieben erfolgreich am Markt, drei davon in Teufen (siehe Kasten).

Willy Graf mit dem Dalai Lama im Büro des damaligen Rektors der HSG (1996).

Doch zurück zum Sicherheitspolitischen Forum, dessen Präsidium er in diesem Jahr abgibt. Er habe halt aus erster Hand wissen wollen, welches die Gefahren der atomaren Abschreckung waren, oder, wie er es etwas hemdsärmelig ausdrückt: «Ich wollte alle die Typen, die für die Raketen zuständig waren, nach St. Gallen holen». «Star Wars» – der von Präsident Reagan ausgerufene «Krieg der Sterne» – beherrschte damals die Schlagzeilen, und Graf präsentierte den Chef des US-SDI-Programms und dessen sowjetischen Gegenspieler.

 

Chief Mangosuthu Buthelezi, Führer der Zulupartei in Südafrika, wird von Willy Graf empfangen. (1992). Archivfotos: Sammlung Willy Graf

Grafs Lieblingsanekdote ist aber jene vom Besuch des Zulukönigs Mangosuthu Buthelezi aus Südafrika. Heimlich lud er dessen ehemaligen Lehrer, einen Schweizer Missionar im Ruhestand, zum Vortrag ein, und als der Politiker diesen im Publikum erkannte, unterbrach er den Vortrag und umarmte ihn weinend. Nach dem Fall der Mauer verlor das Thema geopolitische Sicherheit an Bedeutung, oder wie Graf es lapidar ausdrückt: «Es gibt keine Feindbilder mehr.»

«Ich wollte alle die Typen, die für die Raketen zuständig waren, nach St. Gallen holen».

Das Sicherheitspolitische Forum hat dadurch seine Bedeutung heute etwas verloren. Aus den Veranstaltungen in zum Platzen gefüllten Hörsälen sind im Vergleich dazu fast intim anmutende HSG interne Workshops und Frühstücksgespräche in Stadtcafés mit lokalen und nationalen Politikern geworden.

Da brachte er grosse Weltpolitik nach St. Gallen – und auch nach Teufen: Erinnerungsfoto mit Javier Perez de Cuellar vor dem Essen im Sternen Niederteufen (1991).

In drei Büchern, alle vergriffen, sind die Erkenntnisse aus den 150 Veranstaltungen zusammengefasst. Die Fotos von den Treffen mit den berühmten Zeitgenossen liegen unsortiert in einer Schublade – vielleicht wird sie Willy Graf einmal in ein Album kleben, wenn er pensioniert ist.

Vorerst hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Leuten in seinem Alter zu vernünftigen Anlagen – und zur Frühpensionierung zu verhelfen; etwas, das er mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht selber in Anspruch nehmen wird.
Erich Gmünder

 

Steckbrief

Geboren: 21. Januar 1956 in St. Gallen

Heimatort: Rebstein

Familie: Ehefrau Monika

Erlernter Beruf: Lic.iur.HSG

Heute tätig als: Unternehmer

Lieblingsessen: Pasta, Glacé

Lieblingsgetränk: Chinotto

Musikvorlieben: Alles Mögliche, Worldmusic Special DRS 3

Buch auf dem Nachttisch: immer mehrere, «Die 131/2 Leben des Käpt’n Blaubär», Walter Moers

Hobbys: Schlaraffia Gallia Helvetica, europaweite Motoradtouren, Skifahren,

Unternehmen von Willy Graf in Teufen

VVK AG Seit 2000. Finanzplanung, Anlageberatung und Vermögensverwaltung. Eigene Fondsstrategien, eigene diversifizierte Anlagekonzepte. www.vvk.ch

Swoffice AG Seit 2004. Kundenverwaltung, Provisions-, Vertrags- und Dokumentenmanagement in der Cloud. Software für Selbständigerwerbende, kleine und mittlere Unternehmen, aber auch für Schulen und Verbände. Alle Informationen von jedem Punkt der Welt nur einen Klick entfernt. www.swoffice.ch

Verbandspool AG Seit 2011. www.shariando.ch. Grösste Bonus-Community in Europa. Bereits in 7 Ländern. Wer im Internet über shariando einkauft, erhält immer Geld zurück. Zusätzlich wird dabei aber auch sein Verein oder die von ihm beim Login bezeichnete Organisation mit Cashback unterstützt. www.shariando.ch

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