Eine «begehbare Vitrine» als Gestaltungsidee

31.03.2012 | Erich Gmünder
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Michael Thurnherr (links) und Johannes Stieger gewannen den Wettbewerb für die Gestaltung des neuen Grubenmannmuseums. Fotos: EG

Zurzeit geht es im Innern des Zeughauses mit Riesenschritten voran – in gut zwei Monaten, am 9./10. Juni ist bereits das grosse Eröffnungswochenende. Besonders viel Veränderung ist im Dachgeschoss sichtbar, dort wo künftig das Grubenmannmuseum untergebracht sein wird. Hier entsteht ein tunnelartiger weisser Kubus, der auf einem lindgrün lasierten Balkengeflecht ruht.
Wir sprachen darüber mit Michael Thurnherr und Johannes Stieger vom Büro 2ndwest in Rapperswil, welche den von der Stiftung Grubenmannmuseum ausgeschriebenen Wettbewerb mit ihrer Gestaltungsidee gewonnen hatten.

TP: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im neuen Grubenmannmuseum?

Michael Thurnherr / Johannes Stieger: Kurz gesagt werden sie in die faszinierende Welt der Grubenmanns entführt: Deren Familiengeschichte, den historischen und geografischen Kontext, die eindrücklichen Konstruktionen und Bauten – und zugleich wird anhand von Plänen, Filmen, Hörstationen, Bildern und zahlreichen anderen Artefakten das Zimmermannshandwerk erklärt und immer wieder der Bogen in die Gegenwart geschlagen. Nebst dem musealen Teil in der «begehbaren Vitrine» wird auch der künftigen Forschung Platz eingeräumt; es wird ein Schaulager, eine Bibliothek, Arbeitsplätze, ein kleines Kino und Raum für Museumspädagogik geben.

Das Grubenmannmuseum kann und wird von Kurator Ueli Vogt belebt werden; im Dachgeschoss wird also auch geforscht, diskutiert und mit Kleinst-Ausstellungen kann der Fokus wechselnd auf Details gerichtet werden.

Die Gestaltung des Grubenmannmuseums im Dachgeschoss des Zeughauses nimmt Form an.

In erster Linie geht es darum, der Arbeit von Rosmarie Nüesch und der Sammlung ein adäquates Zuhause zu geben und die Inhalte dem Publikum lesbar und «aamächelig » zu präsentieren. Mit dem Körper werden Zonen für die in der vorherigen Antwort genannten Zwecke geschaffen. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird gezielt auf die thematisch geordneten Inhalte gelenkt. Das Publikum wird aber auch selber Teil der Ausstellung, in dem es eine Art Bühne betritt, hinter Wänden verschwindet und wieder hervorkommt. Durch die verwendeten innovativen Leichtbauplatten, die Kunstfertigkeit der beteiligten Handwerker und deren grossartige Zusammenarbeit wird der Inhalt der Ausstellung auch in der Architektur (be-)greifbar. Und nicht zuletzt wird durch perfekte Oberflächen und präzise Durchdringungen die Einzigartigkeit des Dachstockes hervorgehoben.

Der eindrückliche Dachstuhl wird damit aber nicht mehr oder nur noch teilweise sichtbar sein. Dieser Eingriff in die historische Substanz wird sicher zu reden geben.

Das wird sich weisen. Unser Auftrag ist, eine neue Ausstellung mit zusätzlichen Inhalten zu gestalten. Da kommt man um einen Eingriff kaum herum, wobei Eingriff das falsche Wort ist, wir reden viel eher von einer Möblierung. Zudem wurden der Dachstock und seine Eigenart nicht einfach als gottgegeben akzeptiert, sondern aktiv miteinbezogen, dadurch wirkt er sogar stärker.

Die Konstruktion des Dachstuhls erinnert sehr an die Grubenmannsche Baumeisterkunst. Ist das ein Vorteil für die Präsentation des Werkes?

Ja, denn dadurch können vor Ort statische und bautechnische Prinzipien eins zu eins erläutert werden. Das Publikum befindet sich quasi mitten in der Geschichte. Andererseits stellt einen dieser Raum natürlich auch vor Herausforderungen – durch statische Zwänge und die Forderungen der Feuerpolizei beispielsweise. Und durch die thematischen Vorgaben der Ausstellung waren wir gezwungen, den durch die Nische stark gegliederten Raum neu zu organisieren, daraus folgt auch die Konzentration auf die Mitte.

Im gesamten Haus wurde Wert auf hochwertigste Instandstellung gelegt, dadurch verschwanden natürlicherweise auch viele Spuren der jüngeren Vergangenheit. Mit einem wachen Blick können aber einige Zeichen aufgespürt werden. – Und nun kann sich neue Patina ansetzen …

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