«Ein Kübel weisser Farbe ist keine Lösung»

01.02.2012 | TPoscht online
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Seit Monaten hat Teufen einen neuen Aufreger: Die schwarzgescheckte Fassade des 2009 eingeweihten Kirchgemeindehauses «Hörli» – was erst recht auffällt, weil das Kirchgemeindehaus erhaben auf dem Hörli- Hügel thront. Kaum bezogen – und schon sehe die Fassade sanierungsbedürftig aus, rügte Elisabeth Eschler an der Kirchgemeindeversammlung Mitte Dezember, und stellte den Antrag, es sei zu prüfen, ob der Schindelschirm nachträglich weiss übermalt werden könne. Gerhard Hackenberg, in der Kirchenvorsteherschaft für das Ressort Bau zuständig, nahm den Antrag entgegen.

So präsentierte sich die umstrittene Fassade des Kirchgemeindehauses Hörli anfangs Januar 2012. Foto: Paul Grunder

Im Dorfkern weiss

Tatsächlich sind die meisten Häuser im Dorfkern – mit und ohne Schindelschirm – weiss gemalt. Rosmarie Nüesch, die frühere Präsidentin des Ausserrhoder Heimatschutzes, hat dafür eine Erklärung: «Es ist typisch für das Appenzellerland, dass die Häuser im Dorfkern weitgehend weiss gemalt sind. Ausserhalb der Dörfer tragend sie sonnengebräunte Schindelschirme.»

Sieben Jahre Geduld

Es werde fünf bis sieben Jahre dauern, bis die Fassade rundum gleichmässig gealtert sei, sagt die Architektin Eva Keller, Herisau. Sie weiss anzumalen, wäre Missachtung der Gesamtidee und völlig am Konzept vorbei. Farbliches Vorbild für das Kirchgemeindehaus sei die kleine Remise im Hörli gewesen. Eine Farbanalyse ergab ein helles Grau und Fenster in relativ kräftigem Grünton.

«Keiner hat mehr Geduld, zu warten, bis der Alterungsprozess beendet ist.»

Wenn es unbedingt sein müsse, wäre ihrer Ansicht nach eine lichte, hellgraue, luftdurchlässige Lasur möglich. Aber keinesfalls ein deckend weisser Anstrich: «Das wäre eine falsche Entscheidung», sagt sie, und bedauert: «Keiner hat mehr Geduld, zu warten, bis der Alterungsprozess beendet ist.»

Urheberrecht

Gewählt worden sei die Art der Fassade gemeinsam mit dem kantonalen Denkmalpfleger Fredi Altherr. Im «weissen Teufen» gebe es auch eine Vielfältigkeit. Das Kirchgemeindehaus befinde sich nicht unmittelbar am Dorfplatz und sei ländlich geprägt. Es bilde mit Pfarrhaus und Remise ein neues Ensemble. «Die Kirchgemeinde ist eigentlich verpflichtet, mit mir die Veränderungen abzusprechen », gibt sie zu bedenken. Für Werke der Baukunst gebe es ein Urheberrecht der Architekten. Eine Fassadenänderung bedürfe zudem einer Bewilligung, da sich das Haus in einer Schutzzone befinde.

Holzfachmann: Geschmackssache

«Ein Schindelschirm ist ein Witterungsschutz, damit die darunter liegende Konstruktion durch Wind und Wetter nicht beschädigt wird. Heute werden Bauten gut wärmegedämmt und müssen deshalb von innen nach aussen an Dichtheit abnehmen. Aussen müssen sie winddicht, innen luftdicht sein. Das sind bauphysikalische Voraussetzungen. Bei diesem Bau fehlt die Hinterlüftungsebene », sagt Paul Grunder. Das gehe bauphysikalisch nur, wenn die Holzschindeln nicht gestrichen und somit nicht durch einen äusseren Anstrich dampfdicht gemacht werden.

Das Teufner Ingenieur- und Planungsbüro hat die Konstruktion für den Zwinglisaal-Neubau berechnet und geplant. «Schon damals haben wir die Architektin darauf aufmerksam gemacht, dass die Art der Fassadenausführung ein späteres Streichen mit Farbe verunmöglicht.» Die Architektin habe also Recht, wenn sie sage, beim gewählten Fassadenaufbau sei ein nachträgliches Streichen mit einer dichten Farbe nicht möglich.

Jetzt haben Experten das Wort

Gerhard Hackenberg, zuständig fürs Ressort Bau, beauftragt einen Experten, der prüfen soll, ob die Fassade gestrichen werden kann oder nicht. Ausserdem soll ein Rechtsexperte die rechtlichen Probleme abklären. Denn: Es besteht eine Garantie auf verdeckte Mängel von fünf Jahren. Wenn an der Fassade etwas geändert wird, könnte es jedoch sein, dass die Kirchgemeinde der Garantie verlustig gehe. Der Kirchgemeindeversammlung im Mai sollen die entsprechenden Berichte vorgelegt werden.

Eine gemalte Fassade komme teurer als eine vergrauende, so Hackenberg. Eine weisse Schindelfassade müsse alle 15 bis 20 Jahre neu gestrichen werden – mit entsprechend hohen Kosten. Gewiss sei die Fassade während einer Übergangszeit fleckig und unregelmässig, räumt Hackenberg ein. Da die Fassade aber so gewählt worden sei, sei Geduld angesagt. Ein teurer Schnellschuss mit einem «Kübel Farbe» könnte später bitter bereut werden.

Margrith Widmer

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