«Ein idealer Moment, das Sekschulhaus zu erneuern»

05.05.2014 | TPoscht online
schulhaus hoerli ursula von burg us schoeni (21)

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Schulpräsidentin Ursula von Burg und Sekundarschulleiter Urs Schöni geben im Gespräch mit Hanspeter Spörri* Auskunft über die Um- und Neubaupläne auf dem Hörli.

Vor fast zehn Jahren wollte man das 1969 erstellte neue Sekundarschulhaus Hörli schon einmal renovieren und umbauen. Es wurde eigens ein Wettbewerb ausgeschrieben. Danach geschah nichts mehr.

Ursula von Burg: Der Kanton begann damals über eine Regionalisierung der Sek nachzudenken. Deshalb wurde die Schulraumplanung auf Eis gelegt. Über Jahre wurden nur die nötigsten Reparaturen ausgeführt. Seit 2012 wissen wir nun aber, dass Teufen die Sek in der bisherigen Form behalten kann. Deshalb ist es höchste Zeit, die Renovationen anzugehen und den dringend benötigten Schulraum zur Verfügung zu stellen.

Heisst das, es fehlt auch wieder Schulraum? Das Schulhaus Landhaus wurde erst 2004 in Betrieb genommen.

Urs Schöni: Das Landhaus wurde für die Primarklassen 3 bis 6 gebaut. Nun geht es um die Sekundarschule. Uns fehlen im Hörli die Räume für die heutigen Unterrichtsformen, Spezial- und Gruppenräume.

Ein Klassenzimmer pro Klasse reicht heute nicht mehr?

Urs Schöni: Wir führen in Teufen drei Klassen pro Jahrgang, insgesamt also neun Sekundarklassen. Wenn man die Vorgaben für Schulhausbauten der Stadt St.Gallen anwendet – in Ausserrhoden gibt es keine entsprechenden Grundlagen –, so kommt man dafür auf einen zusätzlichen Bedarf von vier bis fünf Schulzimmern.  Der moderne Unterricht ist nicht mehr vergleichbar mit dem Unterricht, den Sie vor einigen Jahrzehnten selbst erlebt haben.

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„Die Schule hat sich stark verändert, als muss auch die Schule heute anders aussehen“: Der Schulhaus-Neubau aus dem Jahre 1969.

Ursula von Burg: Die Welt hat sich stark verändert, die Schüler sind heute ganz anders, also muss auch die Schule anders aussehen. Aber das bedingt eben zusätzliche multifunktionale Räume. Ich habe beobachtet, wie Lehrer mit einzelnen Gruppen auf den Gang ausgewichen sind – das ist sicher kein idealer Ort für Prüfungsvorbereitungen.

Urs Schöni: Im Rahmen der Möglichkeiten suchen wir nach Verbesserungen, so gut es geht. Aber diese Möglichkeiten sind ausgereizt.

Improvisieren kann reizvoll sein.

Ursula von Burg: Das heutige Sekundarschulhaus ist auch zum Improvisieren nicht geeignet und tatsächlich zu wenig flexibel für das kooperative Lernen, für die Arbeit in Kleingruppen oder den Zusammenzug von mehreren Klassen.

Urs Schöni: Unser Ziel ist es, vermehrt im Jahrgangsteam zu arbeiten. Das heisst, die ca. 60 Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs sollten nahe beieinander, möglichst auf einem Stock, unterrichtet werden. Das geht momentan nicht.

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„Wir können heute besser auf die unterschiedlichen Begabungen eingehen“: Schulpräsidentin Ursula von Burg und der Schulleiter Urs Schöni.

Ursula von Burg: Die Schule ist einerseits heute sehr leistungsorientiert. Das zeigt sich bei der Sekundarschule Teufen beispielsweise darin, dass Klassen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus geführt werden: eine G-Klasse pro Jahrgang mit grundlegenden Anforderungen – einst als Realschule bekannt – und zwei E-Klassen mit erhöhten schulischen Anforderungen. Das System ist anderseits durchlässiger als früher. In Französisch, Englisch und Mathematik werden Schülerinnen und Schüler aus allen Klassen entsprechend ihrem Niveau unterrichtet. Dies ermöglicht es uns, besser auf die unterschiedlichen Begabungen einzugehen.

Wer in früheren Jahren zu den einseitig sprachlich oder mathematisch Begabten gehörte, konnte davon nur träumen … Was unterscheidet die heutige Schule sonst noch von dem, was ältere Generationen kennen?

Ursula von Burg: Die Schule ist heute mehr zum Lebensraum geworden. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Dazu tragen auch die ca. 20 Sportschüler der Sportschule Appenzellerland bei, die bei uns unterrichtet werden. Seit längerem führen wir zudem einen Mittagstisch. Bis vor einem Jahr nutzten wir dafür ein Schulzimmer. Nun dient der ehemalige Tonraum diesem Zweck – ebenfalls ein Provisorium.

Ein Schulhaus baut man für die Zukunft. Momentan sinken die Schülerzahlen.

Ursula von Burg: Sie sinken in Teufen auf der Sekundarstufe nur noch leicht. Die neuen Kindergartenjahrgänge sind bereits wieder grösser – ein idealer Moment, das Sekschulhaus zu erneuern.

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„Über die Schule als Lebensraum machte man sich früher kaum Gedanken“.

Urs Schöni: Die Analyse hat ergeben, dass die Bausubstanz zum grossen Teil gut ist. Allerdings stehen grosse Investitionen an, da in den letzten Jahren im Hinblick auf eine Gesamterneuerung nur das Allernötigste gemacht wurde: Fassade und Dach sollten in den nächsten fünf Jahren erneuert und isoliert werden. Die Toiletten bedürfen einer Modernisierung. Für eine umfassende Sanierung sprechen weitere Gründe: Das Haus ist nicht behindertengerecht. Ein zeitgemässer Betriebsablauf ist nicht möglich. Dafür fehlen der Lift, eine Zufahrt für Anlieferungen, geeignete Lagerräume. Auch bei der Hauswartung besteht Handlungsbedarf: Es fehlen diverse Nebenräume. Es gibt keinen sicheren und gut erschlossenen Raum für Werkzeuge, Schneeräumungsgeräte und weitere Maschinen.

Hat man beim Bau Fehler gemacht? «Die Sekundarschule ist zurzeit das einzige Schulgebäude in Teufen, welches die baulichen Voraussetzungen für ein angenehmes Lernklima nicht erfüllt», halten Sie in einem internen Papier fest.

Ursula von Burg: Wir leben in einer anderen Zeit. Erdöl war damals noch billig und schien im Überfluss vorhanden zu sein. Deshalb ist die Isolation ungenügend, wie bei allen Gebäuden aus den 1960er Jahren. Auch waren damals rationelle Arbeitsabläufe noch nicht so wichtig. Und über die Schule als Lebensraum machte man sich kaum Gedanken.

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Dunkel und ungemütlich – die Aula.

Aus heutiger Sicht sind Eingangsbereich und Eingangshalle dunkel und unfreundlich – jedenfalls keine Begegnungszone. Und der grösste Raum, die Aula, wird schulintern kaum genutzt, weil er zu kalt ist, weil das Licht fehlt und weil er auch nicht als Musikraum genutzt werden kann, da dies den Unterricht stören würde – immerhin wird die Aula abends fast täglich als Proberaum von Chören genutzt. Sie entspricht also einem Bedürfnis der Bevölkerung.

Die Schule ist auch sonst ein wichtiger Bestandteil des Dorfes. 

Ursula von Burg: Jedenfalls ist die Schule auf das Dorf angewiesen. Sie beansprucht einen wesentlichen Teil des Budgets. Und auch über unser Um- und Neubauprojekt wird die Bevölkerung entscheiden müssen – zunächst noch in diesem Jahr über einen Planungskredit, der es ermöglichen soll, das Projekt bis zur Entscheidungsreife zu entwickeln.

*Der Teufner Publizist Hanspeter Spörri betreut die Kommunikation im Auftrag der Gemeinde

 

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Urs Schöni und Ursula von Burg zeigen Mängel des Hörli-Schulhauses. Fotos: Erich Gmünder

Das weitere Vorgehen

Bevor man baut, muss man planen. Und bevor man sich ans Planen macht, muss man wissen, was zu planen ist: Der zusätzliche Raumbedarf der Sekundarschule ist bekannt und unter Fachleuten unbestritten. In einer ersten Phase wurden neun verschiedene Szenarien skizziert, mit denen die benötigten Räume erstellt werden könnten: Geprüft wurden auch andere Standorte als das Hörli, beispielsweise ein Neubau beim Schulhaus Landhaus, sowie ein Abbruch und Neubau des Sekundarschulhauses aus dem Jahr 1969. Schliesslich traf der Gemeinderat eine Vorentscheidung: Es sollten zwei Varianten weiter entwickelt werden, bei denen das bisherige Sekundarschulhaus saniert und zusätzlich neuer Schulraum geschaffen wird.

Für diese beiden Varianten liegt inzwischen je eine Machbarkeitsstudie vor. Sie zeigen: Ein Anbau oder ein zusätzlicher frei stehender Schulhausbau sind am Standort Hörli möglich. Je nach Variante wäre es zudem möglich, das alte Schulhaus Hörli, das ältere Teufnerinnen und Teufner einst selbst als Schüler kennengelernt haben, künftig wieder für die Primarschule zu nutzen. Dies würde die Umnutzung des Dorfschulhauses ermöglichen.

Im Herbst wird ein Planungskredit zur Abstimmung kommen: Dieser soll es erlauben, für die optimalste Variante einen Wettbewerb auszuschreiben und das Projekt bis zur Abstimmungsreife zu entwickeln. Das letzte Wort wird am Ende wiederum die Bevölkerung haben.

Aber wie gelangt man dahin: «Über den Miteinbezug möglichst vieler Personen», sagt Schulpräsidentin Ursula von Burg. Es muss also ein Meinungsbildungsprozess in Gang kommen: unter den Lehrkräften der Sekundarschule und der Primarschule, sodann auch in der Nachbarschaft, unter Eltern und allen an der Schule Interessierten.

Schliesslich sind Schulhäuser ein wesentlicher Bestandteil eines Dorfes und somit der Dorfgestaltung. Einzelne Fragen, die heute im Zusammenhang mit der Diskussion über die Bahnführung durch Teufen und die Dorfgestaltung diskutiert werden, stehen deshalb mit der Schulhausplanung in einem direkten Zusammenhang. sri.

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