E gfreuti Sach: «Singe git e gueti Luune»

02.04.2017 | Erich Gmünder
singen lindenhuegel (27) komp
Bildbericht: Erich Gmünder

Immer am letzten Montag im Monat um 10 Uhr treffen sich Bewohnerinnen und Bewohner im Haus Lindenhügel und singen gemeinsam Lieder aus der Jugendzeit.

Eine Kostprobe von der Singstunde im Lindenhügel Video auf Youtube

Draussen verbreiten die ersten Frühlingsblu­men einen Vorgeschmack auf den Frühling. Drinnen sind es die Lieder wie «Alle Vögel sind schon da», oder «Frühling, lieber Früh­ling».

Elisabeth Bosshard leitet das Singen im Auftrag von Seniorissimo und hat die passen­den Lieder ausgewählt. Dazwischen streut sie Geschichten von Peter Eggenberger oder Märchen der Gebrüder Grimm.

Nicht nur gute Erinnerungen tauchen auf

Vor allem Geschichten aus der Schulzeit ha­ben es den Leuten angetan. Da werden Erinne­rungen wach, leider nicht nur gute. «Manche Lehrer haben dreingeschlagen. Es kam vor, dass ein Schüler eine Ohrfeige erhielt, weil er eine Aufgabe nicht lösen konnte», erzählt jemand. Trotzdem überwiegen die positiven Erinnerungen an die Schulzeit – nicht zuletzt, weil in der Schule viel gesungen wurde.

Singen bedeutet den älteren Menschen heute noch viel. «Ich freue mich schon Tage vorher darauf. Beim Singen geht das Herz auf», erzählt eine Frau.

«Die guet Luune bliibt de ganz Tag»

Begeistert dabei ist auch Martha Fässler, die vor kurzem im Lindenhügel eingezogen ist. Im Haus Bächli freute sie sich jeweils auf die Stunden mit Susan Schell, die alle 14 Tage zusammen mit Hansruedi Herzog und dem Handörgeler Fredy Forster in Haus kam. «Mi hät eifach all tüecht, Singe git e gueti Luune. Mehr goot andersch use als mer inechont. Die guet Luune bliibt de ganz Tag», erzählt Mar­tha Fässler, und die anderen lachen oder ni­cken bestätigend.

Ruth Brülisauer sang viele Jahre im Frau­enchor Teufen, ihr Mann Josef Brülisauer spielte in Haslen und in der Harmoniemusik Teufen ein Instrument. «Uns gibt die Mu­sik viel; schön, dass ich hier weitermachen kann.»

Mit 90 wieder angefangen

Frau Lanker hat schon immer gern gesungen. «Aber mein Mann war nicht so begeistert, deshalb habe ich das dann aufgegeben. Erst mit 90 (!) habe ich wieder für mich selber an­gefangen zu singen, und für mich gedacht, es tönt eifach nümme recht, aber jetzt geniesse ich es hier.» Nicht alle kommen wegen dem Singen: «Ich kann nicht singen, und mir sagt es auch nicht so viel», erzählt Frau Dévaud, «aber mir gefallen einfach deine Gschichtli.»

In Burgdorf aufgewachsen ist Frau Heeb. «Ich bin einfach glücklich, wenn wir singen. Als Meitschi haben wir viel gesungen, zu­sammen mit den Eltern, und das hat mich das ganze Leben begleitet», erzählt sie in breitem Berner Dialekt.

Margrith Schläpfer hat einen ganz beson­deren Bezug zum Liederbüchlein. Ihr Mann hat einige Gedichte vertont, die danach im Liederbüchlein «Aus der Heimat» Aufnahme gefunden haben: «Mein Mann war Lehrer, und wenn er mit den Schülern neue Lieder ge­lernt hat, hat er diese zuerst zuhause auf dem Klavier geübt.» Myrtha Suhner kann sich gut an Hans Schläpfer erinnern: «Er hat lange Jah­re in Speicher Schule gegeben, im gleichen Schulhaus wie ich.»

Seit über 20 Jahren

Myrtha Suhner hat zusammen mit Loni Klei­ner über 20 Jahre lang die Singstunde im Lin­denhügel geleitet. «Singen bedeutet uns sehr viel. Gottseidank habe ich eine Wohnung mit einer wunderbaren Akustik. Dort singe ich je­weils für mich allein.».

Die beiden sind froh, dass Elisabeth Bosshard die Tradition weiterführt. Sie ist eine begeisterte Sängerin und hat früher verschie­dene Chöre geleitet, u.a. 35 Jahre einen Män­nerchor in Rüti ZH, 10 Jahre den Frauenchor Teufen und einige Jahre das Heimatchörli. Und singt selber «förs Lebe gern.»

Elisabeth Bosshard freut sich, wenn auch andere Bewohner oder Besucher aus dem Dorf spontan vorbeikommen und mitsingen.


«Ein Herzenswunsch»


Bereits 1952 erschien im Kanton Appenzell Ausserrhoden das Liederbuch «Aus der Heimat – alte und neue Lieder aus dem Appenzellerland» in zweiter Auflage, herausgegeben von der Landesschulkommission A.Rh. Gerne würde Elisabeth Bosshard die alten Lieder, die teilweise in Vergessenheit geraten sind, mit den Bewohnern wieder singen. Leider ist das Büchlein, das 1977 letztmals aufgelegt wurde, vergriffen – im Internet ist gerade noch ein Exemplar auffindbar. Deshalb hier ihr «Herzenswunsch»: Vielleicht findet jemand irgendwo im Estrich noch ein altes Exemplar und stellt dieses dem Haus Lindenhügel zur Verfügung. Kontaktadresse: Elisabeth Bosshard, Gremmstrasse 12, 9053 Teufen, Tel. 071 333 14 33, Mail: elibo14@bluewin.ch

 

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