Die Zeit tickt für den Tunnel

21.07.2023 | Timo Züst
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Noch dauert es Jahre bis die Teufner Bevölkerung über den Tunnel-Kredit abstimmen wird. Die IG Tüüfner Engpass ist überzeugt: Die Zeit läuft für den Tunnel. Foto: Nerina Keller

Es ist ruhig geworden um die Tunnel-Diskussion. Im Stillen wird aber intensiv an dem Projekt gearbeitet, für das die Bevölkerung einen Kredit über 4,45 Mio. Franken gesprochen hat. Auch die «IG Tüüfner Engpass» kämpft nach wie vor für eine Tunnel-Lösung. Von den Entwicklungen rund um den «Fahrplan 2035» und den Bahnhofskreisel fühlt sie sich zusätzlich bestätigt.

Die Medienmitteilung der IG

Das Aus für das Projekt eines Kreisels beim Bahnhof Teufen zeigt, dass das Bundesamt für Verkehr eine Tunnellösung als realistische Variante betrachtet. Immer unrealistischer wird dagegen der geplante Vollknoten in St. Gallen – weshalb auch keine Anpassungen dafür angezeigt sind.

Die Kreuzung beim Bahnhof Teufen wird nicht zu einem riesigen Kreisel umgebaut, wie vor einigen Tagen bekannt wurde. Die IG Tüüfner Engpass begrüsst den Rückzug des Plangenehmigungsverfahrens durch die Appenzeller Bahnen, der nach einer Neueinschätzung des Bundesamts für Verkehr (BAV) geschah. Damit ist ein aus Sicht der IG Tüüfner Engpass überflüssiges und überholtes Projekt aus dem Jahr 2017 vom Tisch. Das BAV verweist auf den von den Teufner Stimmberechtigten im letzten September angenommenen Planungskredit für eine einspurigen Tunnel zwischen Bahnhof und Stofel. Dieses Projekt als Alternative zur Doppelspur durch den Dorfkern dürfe 2026 oder 2027 in gleicher Detailtiefe vorliegen. Das Doppelspurprojekt sieht vor, dass zwei Gleise statt heute einem Gleis über die Kreuzung führen. Wenn eine Tunnellösung realisiert wird, ist die Problemstellung deutlich weniger komplex, da es gar keine querenden Gleise mehr gäbe. Die Gestaltung der Verkehrswege könnte wesentlich einfacher gelöst werden. Für das BAV ist es vor einem Entscheid für die eine oder andere Variante verfrüht, das Projekt für einen Kreisel mit zwei Gleisen weiter zu verfolgen. Die IG Tüüfner Engpass stellt erfreut fest, dass das BAV damit das Tunnelprojekt als ernsthafte Variante anerkennt und den Volkswillen respektiert.

Kein Fahrplan 2035

Im Hinblick auf künftige Fahrplanverdichtungen braucht es gemäss der Korridorstudie eine Kreuzungsstelle westlich des Ortskerns. Die IG Tüüfner Engpass hat aufgezeigt, dass eine solche Kreuzungsmöglichkeit im Bereich des Eggliranks realisiert werden kann. Kritiker monieren, dass mit dieser Kreuzungsstelle nicht in jedem denkbaren Fall der übergeordnete Fahrplan eingehalten werden könne. Tatsächlich würden die Appenzeller Bahnen mit dieser Lösung nicht die grösstmögliche Flexibilität erhalten – allerdings ist inzwischen längst klar, dass es auch keinen Grund mehr gibt, seitens der Bahn auf solchen Maximalforderungen zu beharren. Der Fahrplan 2035 wird insbesondere in der Ostschweiz noch länger eine Utopie bleiben, für die nächsten Fahrplanperioden ist vielmehr davon auszugehen, dass die Fahrzeiten vieler Verbindungen länger und nicht etwa kürzer werden. Ein Vollknoten St. Gallen lässt sich so auf absehbare Zeit nicht realisieren. Dies, weil die eingesetzten Doppelstockzüge Richtung Zürich nicht im vorgesehenen Tempo verkehren können. Die technische Lösung, die schnellere Kurvenfahrten ermöglichen sollte, erwies sich als nicht praxistauglich. Deshalb wird nun von einem teilweisen Neubau der Strecke gesprochen – mit einem Realisierungshorizont in sehr weiter Ferne. Es gibt also keinen Grund, auf dem Netz der Appenzeller Bahnen Vorgaben aus einem Konzept zu übernehmen, das längst Makulatur ist.

Einvernehmliche Tunnelplanung

Die IG Tüüfner Engpass ist angesichts der jüngsten Entwicklung umso mehr erfreut, dass in der vom Gemeinderat eingesetzten Arbeitsgruppe für die Erarbeitung eines detaillierten Tunnelprojekts einvernehmlich und konstruktiv gearbeitet wird. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die bessere Lösung auch eine realistische und machbare Lösung ist.

Es ist schon eine Weile her. Die letzte Medienmitteilung der IG Tüüfner Engpass landete am 26. September 2022 im E-Mail-Postfach der Tüüfner Poscht. Der Titel: «Erfreut über klares Ja zum Tunnel-Projekt». Am Tag davor hatte Teufen den Projektierungskredit über 4,45 Mio. Franken mit 67 Prozent gutgeheissen. Seither ist es ruhiger geworden um die Ortsdurchfahrts-Diskussion (ODT). Zwar gab die Gemeinde vor einigen Monaten bekannt, wie die Projektierung funktionieren soll – und neu ist auch der Gewerbeverein Teil der Projektorganisation. Aber abgesehen davon wird beim Kaffee im Dorf seit einiger Zeit kaum noch über Tunnel und Doppelspur diskutiert. Alle wissen: Das Thema kommt so oder so früh genug zurück. Spätestens wenn die Abstimmung über den eigentlichen Tunnel-Kredit bevorsteht. Aber das wird noch mindestens drei Jahre dauern. Warum erreicht die TP nun also ausgerechnet jetzt wieder eine Mitteilung der IG Tüüfner Engpass? Sprecher Felix Gmünder begründet: «An unserer Hauptversammlung im Juni haben sich viele Mitglieder nach dem Stand der Projektierung erkundigt. Und es wurde erwähnt, dass man derzeit sehr wenig über das Thema hört und liest.» Auf dieses Feedback hat der Vorstand mit einer Medienmitteilung reagiert. Über die Projektierung kann er allerdings wenig sagen – auch wenn drei Mitglieder der IG in der Projektorganisation mitarbeiten. «Sie dürfen natürlich nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Aber sie haben uns versichert, dass alles gut angelaufen ist.» Was die IG aber immer kann, ist, weitere Argumente für den Tunnel zu portieren. In diesem Fall sind das der «Fahrplan 2035» und das Aus für den Bahnhofkreisel.

Einfacher ohne Bahn?

Für die IG Tüüfner Engpass ist klar: «Der Rückzug des Bahnhofkreisels hängt mit der Unsicherheit bezüglich Doppelspur zusammen. Das BAV will doch kein Projekt bewilligen, das es vielleicht gar nicht braucht.» Die Lektüre der Abschreibungsverfügung (Abbruch des Planungsgenehmigungsverfahrens) sowie Gespräche mit Kanton und Gemeinde geben allerdings keinen Anlass zu dieser Vermutung. Vielmehr wurde das Projekt von den Appenzeller Bahnen (AB) zurückgezogen, weil das BAV signalisiert hatte, dass es aufgrund der Grösse bzw. der Tragweite der flankierenden Massnahmen rund um die AB-Schienen wohl nicht bewilligt würde. Mit anderen Worten: Das BAV hält das Projekt für überladen. Der Kantonsingenieur widerspricht dieser Einschätzung im Interview mit der TP zwar. Der grosse Bahnhofkreisel ist für den Moment aber trotzdem «schubladisiert». Nun hat die Gemeinde das Heft in die Hand genommen. Sie sucht nach passenden Lösungen. Das begrüsst auch Felix Gmünder von der IG Tüüfner Engpass: «Für uns ist diese Kreuzung zwar nicht das Hauptthema. Aber allen Teufnerinnen und Teufnern ist klar, dass es hier eine bessere Lösung braucht. Und wir sind der Ansicht, dass das ohne Bahn bzw. der nötigen Bahnsicherheit deutlich einfacher wäre.» Ein weiteres Argument für den Tunnel also. Genau wie die Probleme bei der Umsetzung des Fahrplans 2035.

Zu langsame Züge?

Die sogenannten Vollknoten sind die Grundpfeiler eines nationalen Taktfahrplans. Von ihnen aus werden die Fahrzeiten von Fern- und Regionalzügen berechnet. Ziel ist, dass sie jeweils vor der halben bzw. vollen Stunde ankommen und die Passagiere anschliessend auf die Anschlüsse umsteigen können. Heute hat die Schweiz sechs Vollknoten. In Bern, Basel, Olten und Zürich gilt der «00’/33’»-Takt – in Lausanne und Biel der «15’/45’»-Takt. Mit dem Fahrplan 2035 sollte eigentlich auch der Bahnhof St. Gallen zu einem Vollknoten werden. Während der letzten Monate wurden aber mehr und mehr Zweifel an diesem Vorhaben laut. Felix Gmünder verfolgt die entsprechenden Presseberichte aufmerksam: «Eigentlich ist schon klar, dass St. Gallen kein Vollknoten wird. Das BAV hält sich aber noch bedeckt. Aber nun fängt die Politik an Druck aufzubauen. Früher oder später kommt dann alles auf den Tisch.» Ein grosses Problem der SBB ist die Reisezeit zwischen St. Gallen und Winterthur. Hier hat die Strecke verhältnismässig viele Kurven, die den Zug zum Abbremsen zwingen. Die neuen Doppelstockzüge hätten dank verbesserter Neigetechnologie eigentlich deutlich schneller fahren sollen. Nach und nach zeigt sich nun aber, dass das vermutlich doch nicht möglich sein wird. Ist dem wirklich so, bedeutet das auch das Aus für den «Vollknoten St. Gallen». Aber warum ist das relevant für die IG Tüüfner Engpass? «Weil der Fahrplan 2035 eines der wichtigsten Argumente für die Doppelspur bzw. die Stabilisierung des AB-Fahrplans war. Fällt er weg, fehlt der AB eines ihrer Hauptargumente.» Zwar räumt Felix Gmünder ein, dass sowohl BAV als auch AB die Doppelspur nicht nur wegen der Anschlüsse in St. Gallen bevorzugen – Stichworte Fahrplanstabilität, Flexibilität, Kosten, Planungsreife etc. Aber er weiss auch: Je länger es dauert, bis Teufen über den Tunnel-Kredit abstimmt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Ausgangslage entscheidend verändert. Zu Gunsten des Tunnel-Projekt, wie er glaubt: «Die Zeit hat schon immer für uns gearbeitet. Das gilt jetzt mehr denn je.»  tiz

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