«Die Solidarität im Rotbachtal ist enorm»

12.02.2018 | TPoscht online
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Diakon Stefan Staub (links) und Projektkoordinator Ueli Schleuniger freuen sich über die Welle der Hilfsbereitschaft im Rotbachtal.

Bildbericht: Monica Dörig

Die Sammlung für den 2. Hilfskonvoi für die Flüchtlinge in Kurdistan, Nordirak ist im Endspurt. Im Pfarreizentrum im Stofel stapeln sich die Kartonschachteln. Letzter Sammeltag ist der 28. Februar – in der Folgewoche starten 3 – 4 Camions mit den Hilfsgütern aus dem Rotbachtal.

«Wir brauchen noch 1000 Packungen Windeln», sagt Stefan Staub, und am liebsten hätte er 5000 oder 10 000 Stück Seife. 5000 Tuben Zahnpasta hat er gerade beim Discounter bestellt. Den Menschen in Kurdistan Irak fehlt es an allem. Hygiene-Artikel sind besonders teuer und schwer zu bekommen.

«Ein paar Seifen nützen wenig: Wir müssen die Artikel gleichzeitig an viele Menschen verteilen können», weiss Stefan Staub aus Erfahrung. «Es geht nicht um ein paar, es geht um Zehntausende.» Für das Kurdistanprojekt der katholischen Kirchgemeinde Teufen-Bühler-Stein setzt der Seelsorger momentan fast seine ganze Energie ein. Er knüpft zum Beispiel Kontakte mit Unternehmern. Gerade hat er die Zusage bekommen für Spenden von einem Schuhhändler und von einem Produzenten von Verbandstoffen.

Hilfe, wo die Grossen nicht hinkommen

Rund hundert Freiwillige helfen beim Aussortieren und Verpacken der Kleiderspenden.

Im Pfarreisaal im Stofel in Teufen stapeln sich bereits über 1100 Kartonkisten. Säuberlich beschriftet nach Inhalt. Die Sachspenden kommen nicht nur aus dem Appenzellerland, sondern aus allen Himmelsrichtungen. Bis Ende Monat wird auch die Kirche als Lagerraum herhalten müssen – wie schon bei der ersten Aktion im Frühling 2016. In den letzten Tagen vor dem Transport am 2. März werden die Schachteln, nach Inhalt sortiert, auf Paletten in Plastik verschweisst und in Lastwagen verladen, die normalerweise Früchte aus der Türkei nach Deutschland bringen.

In diesen Säcken werden Hygieneartikel an die Flüchtlinge verteilt.

Im Nordirak werden in Zusammenarbeit mit der international anerkannten Barsani Charity Foundation die Kleider und Artikeln für Mädchen, Frauen, Männer, Jungs oder ältere Personen in Säcke verpackt und zur Verteilung vorbereitet.

Vor einem halben Jahr startete die konkrete Planung des zweiten Hilfsgütertransports aus Teufen. Drei, wahrscheinlich vier Lastwagen werden die 5000 Kilometer via Balkan und Türkei bis in den Nordirak zurücklegen. Die Übersicht hat Ueli Schleuniger. Er überwacht das Verpacken in Teufen und die Ausgabe vor Ort. Er weiss, dass eine professionelle Logistik «nach Schweizer Art» viel zum guten Gelingen der Hilfsaktion beiträgt.

Vor allem Menschen, die in abgelegenen Gebieten ausharren, wo die grossen Hilfswerke nicht hinkommen, oder die durch die Maschen fallen, weil sie nicht offiziell zu den Mittellosen zählen, sind dankbar für die Unterstützung aus der Schweiz. Mit den Geldspenden wird zum Beispiel Babynahrung oder Medikamente gekauft.

Schulbesuch, Wasser und Gemüse

Die Verwaltung im kurdischen Teil des Iraks hat kaum mehr Geld: Es wurde eingesetzt für den Kampf gegen den IS; wegen des Kriegs steht auch die Wirtschaft fast still.

Bis zu drei Millionen Geflüchtete aus andern Teilen des Landes und aus Syrien hat die Autonome Region Kurdistan Irak aufgenommen. Dank ihrer Peshmergakämpfer konnte der IS weitgehend aus der Region ferngehalten oder wieder vertrieben werden.

Stefan Staub könnte stundenlang erzählen und zeigt berührende Fotos von entführten Yesidinnen, von Kindern, deren grosse traurige Augen zuviel Schreckliches gesehen haben. Falls der aktuell geschlossene Flughafen in Erbil im März wieder geöffnet ist, wird er persönlich mit weiteren Freiwilligen zum dritten Mal in den Irak reisen, um bei der Verteilung der Hilfsgüter zu helfen und mit Geld Nothilfe zu leisten. Die Geldspenden werden vor Ort direkt eingesetzt oder übergeben. Das garantiert, dass das Geld am richtigen Ort ankommt und kein Franken für administrative Umtriebe ausgegeben werden muss.

Seit seinem ersten Besuch konnten etwa Busse finanziert werden, die Kinder aus dem Sindschargebirge zur Schule bringen, oder Wassertanklastwagen. Denn in den Flüchtlingslagern, die aus Sicherheitsgründen ausserhalb der Städte eingerichtet wurden, gibt es keine Wasserversorgung.

Ein Zukunftsprojekt sind Treibhaustunnels – «Green Houses» –, damit vertriebene Familien ihr eigenes Gemüse anbauen können. Im Nordirak sind die Temperaturen extrem: Auf glühend heisse Sommer folgen bitterkalte Winter.

Freiwillige und Benefiz-Konzert

Die Spendengelder – sie stammen auch von den Gemeinden Teufen und Bühler – finanzieren auch die Transportkosten, etwa 8000 Franken pro Lastwagen. «Die Solidarität der Menschen im Rotbachtal mit den Flüchtlingen ist enorm», sagt Stefan Staub dankbar. Neben Walzenhausen und Vilters-Wangs wird auch in Bühler gesammelt.

Ein Augenschein am Sonntag – auch während des Gottesdienstes wurde im Saal neben der Kirche weitergearbeitet.

Am 21. Februar gibt es beispielsweise zwischen den Schachteln ein Solidaritätskonzert von Flötistinnen und Flötisten aus der Gegend.

Am ersten Fastensonntag, am 18. Februar, wird Eskandar Salih, kurz «Alex» genannt, Koordinator der Barzani Charity Foundation und Gewährsmann vor Ort, von der aktuellen Situation im Nordirak erzählen – so denn die Einreiseformalitäten klappen.

Wie alles begann

Vor vier Jahren (November 2013) hatte Stefan Staub den in Teufen wohnhaften Repräsentanten der Autonomen Region Kurdistan Irak, Fauzi Kaddur, zum Kanzelgespräch in der katholischen Kirche eingeladen. Daraus ist das Kurdistanprojekt entstanden, bei dem mittlerweile 100 Freiwillige mit anpacken. Die meisten leben zwischen St. Gallen, Gais und Appenzell, wie Stefan Staub sagt.

Weil der Pfarreisaal bald gefüllt ist, stapeln sich erste Schachteln auch in der Kirche.

Das Kurdistanprojekt soll weitergehen. Die Zukunft für die Menschen in den Camps sieht düster aus: Sie müssen damit rechnen, lange in den Zelten und einfachen Behausungen auszuharren, der Hitze im Sommer und der klirrenden Kälte im Winter schutzlos ausgesetzt. Ihre Dörfer und Stadtviertel sind zerstört; der IS ist noch nicht ausgemerzt und bereits verursachen neue Konflikte wie zwischen der Türkei und Syrien neue Fluchtbewegungen. Auch für diese Flüchtlinge wird der Nordirak der wohl einzige erreichbare sichere Platz sein. Sie werden wohl auch in zwei Jahren wieder einen Hilfsgütertransport aus dem Appenzellerland dankbar begrüssen.

Annahmestelle für Sach- und Geldspenden: katholisches Pfarreizentrum Stofel, Teufen; Fr von 13.30-19.00 Uhr. Sa und So von 09.30-12.00 Uhr. Letzter Sammeltag: Mi, 28. Febr. von 13.30-19.00 Uhr

Zur den restlichen Zeiten kann das Sammelgut bis 28. Februar vor dem Pfarreizentrum deponiert werden.

Spendenkonto: Kath. Kirchgemeinde Teufen-Bühler-Stein, IBAN CH71 8102 3000 0037 2635 9; PC-Konto 90 1608 4; Vermerk «Hilfe für vertriebene Menschen».

Gespräch an der Kanzel: Fastensonntag 18. Februar 2018, 10 Uhr, katholische Kirche Teufen: Gottesdienst mit Kirchenchor  und Bericht aus Nordirak.

Benefizkonzert: «Zwischen den Schachteln»: Mittwoch, 21. Februar 2018, 18.30 Uhr, Pfarreisaal Stofel, Teufen.

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