Die Schienen-Falle

16.10.2020 | Timo Züst
Doppelspur
Noch hat die Forschung kein praxistaugliches Mittel zum «Füllen» der Schienen gefunden. Foto: Archiv Eine aktuelle Polizeimeldung und ein Leserkommentar zeigen: Auch für geübte Radfahrer können Bahnschienen eine grosse Gefahr darstellen. Lässt sich das Unfallrisiko vermindern? Die TP hat bei Erika Egger, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen (AB), nachgefragt.

Bewilligungen fehlen

Als Reaktion auf diesen Artikel hat eine Leserin der TP zwei Beispiele von Stellen geschickt, an denen die Lücke in den Schienen mit spezialisiertem Füllmaterial «gestopft» wurde: bei der Ponte-Tresa-Bahn im Tessin und bei Avenches im Kanton Waadt. Die TP liess diese Fotos den Appenzeller Bahnen zukommen. Untenstehend lesen sie deren Reaktion: Für Bahnübergänge gibt es zurzeit nur ein einziges vom Bundesamt für Verkehr BAV zugelassenes Produkt, welches die Spurrille eliminiert. Das Produkt heisst veloSTRAIL. Das Produkt ist sehr teuer; trotzdem haben es die Appenzeller Bahnen bereits an verschiedenen Orten eingebaut. Beispielsweise im Gontenbad. Auch beim aktuell laufenden Bauprojekt Güterbahnhof ist es beim Bahnübergang eingeplant. Der Bahnübergang Bühler West (Ausfahrt Bühler in Richtung Teufen), wo kürzlich eine Velofahrerin leicht verunfallte, wird im Jahr 2021 ebenfalls mit diesem Produkt ausgerüstet. Dazu haben wir die Bewilligung vom BAV kürzlich erhalten. Bis ein solches Produkt verwendet werden darf, muss es vom Bundesamt für Verkehr BAV zugelassen werden. Für Rillenschienen – die Art Schiene, die auch für die Doppelspur in Teufen eingesetzt würde – gibt es zur Zeit noch kein zugelassenes Produkt. Es finden wohl aktuell verschiedene Tests statt, aber noch kein Produkt funktioniert in der Praxis wirklich einwandfrei und somit ist auch kein Produkt vom BAV freigegeben.
Schienen-Füllung bei der Ponte Tresa-Bahn … Fotos: Ulla Wyser
… und bei Avenches.
Frau Egger, wissen die Appenzeller Bahnen (AB), wie oft ein Fahrrad «in die Schienen» kommt? In den meisten Fällen werden wir als Bahnunternehmung bei Zwischenfällen zwischen Velo und Schiene nicht informiert. Einerseits, da die betroffenen Personen oft aufstehen und weiterfahren, andererseits, da oft kein Zug in der Nähe ist. Wir erhalten nur eine Meldung, wenn wir wegen des Vorfalles betrieblich eingeschränkt sind. Wir haben keine Zahlen, wie oft es zu solchen Unfällen kommt. Die Mitarbeitenden der Betriebszentrale teilten mir aber mit, dass es vielleicht zwei Fälle pro Jahr sind – höchstens. Was können die AB unternehmen, um solche Unfälle zu verhindern? Gibt es bauliche Massnahmen, die Abhilfe schaffen können? Bei einzelnen Stellen werden die Führungslinien für Velofahrer so gezeichnet, dass die Velofahrer mit einem grossen Winkel über die Gleise fahren müssen. Teils wird auch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde der Veloweg von der Strasse getrennt. Ein Verfasser eines Leserkommentars stellt Ihnen die Frage, ob die Schienen im Sommer mit Ölen oder Fetten behandelt werden, um gegen das Quietschen vorzugehen. Stimmt das? Und falls ja: Könnte das die Schienen rutschiger machen? Die Schienen werden an den Stellen, an denen Kurvenkreischen ein Problem ist, mit einem Mittel konditioniert. Das führt zu einem definierten Reibwert, der zwischen trocken und nass liegt. An der angesprochenen Stelle (gem. Leserkommentar) wird aber mit Sicherheit nicht konditioniert. Beim erwähnten Bahnübergang läuft das Gleis in einem sehr flachen Winkel über die Strasse. Wenn man mit einem Velo mit sehr schmalen Reifen (Rennvelo) in diesem Winkel über das Gleis fährt, kann das Rad in die Rille fallen. Der Velostreifen ist deshalb extra in einem Bogen geführt, um solche Unfälle zu vermeiden. Dazu muss man aber abbremsen und das machen viele nicht gerne. Es wäre deshalb interessant zu wissen, wie die verunfallte Velofahrerin gefahren ist. Im Hinblick auf eine allfällige Umsetzung der Doppelspur durch Teufen erhält diese Thematik noch mehr Brisanz. Erwarten Sie eine Zunahme solcher Unfälle, wenn aus dem Zug in Teufen defacto ein Tram wird? Hier verweise ich gerne auf die Fragen aus der Bevölkerung, die auf «zukunft-teufen.ch» beantwortet wurden: Was ist mit der Gefahr, die den Velofahrern durch die Gleisrillen mitten in der Fahrbahn droht? Diese Gefahr besteht und kann nicht wegdiskutiert werden. Es ist dies einer der wenigen Nachteile von Strassenbahnen. Die jährlichen Erhebungen der Stadt Zürich zeigen, dass Unfälle als Folge des (zu) spitzwinkligen Querens der Strassenbahnschienen nur ca. 4 bis 7 Prozent aller Velounfälle ausmachen. Obwohl seit Jahren intensiv geforscht und getestet wird, gibt es bislang noch kein praxistaugliches, flexibles Material, mit welchem das Schienenprofil «weich» verfüllt werden könnte. Als Velofahrer muss man – vor allem bei Nässe – gut darauf achten, die Gleise möglichst rechtwinklig zu queren. Inwieweit profitiert der Langsamverkehr (Velos und Fussgänger) von der Doppelspur? Die Aufhebung des seitlichen Gleistrassees zwischen Stofel und Dorfzentrum schafft Platz. Wenn Bahn- und Motorfahrzeugverkehr nur noch zwei Spuren brauchen, lässt sich der Strassenquerschnitt neu aufteilen. Davon profitieren in erster Linie die Velofahrer, in dem sie – dort, wo es die Platzverhältnisse zulassen – eine separate Velospur erhalten. Mit der Realisierung des Projektes erhalten die Fussgänger auf der Südseite der Hauptstrasse eine durchgehende Verbindung vom Stofel bis zum Bahnhof Teufen. Die Trottoirlücken beim Schützengarten, bei der Liegenschaft Dorf 18 und auf der Westseite der Ebnistrasse sind dann Geschichte. tiz

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