Die (ewige) Frau hinter den Gratulationen

18.04.2024 | Alexandra Grueter-Axthammer

Marlis Schaeppi ist seit einem Vierteljahrhundert für die Rubrik der Gratulationen und Gedenken in der Tüüfner Poscht verantwortlich. Der Respekt vor dem Alter, das nötige Einfühlungsver­mögen und das Geschick, die persönlichen Geschichten einfühlsam niederzuschrei­ben, prägen ihre Arbeit bei der Dorfzeitung.

Marlis Schaeppi_2024

Marlis Schaeppi ist seit einem Vierteljahrhundert für die Rubrik der Gratulationen und Gedenken in der Tüüfner Poscht verantwortlich. Der Respekt vor dem Alter, das nötige Einfühlungsver­mögen und das Geschick, die persönlichen Geschichten einfühlsam niederzuschrei­ben, prägen ihre Arbeit bei der Dorfzeitung.

Alexandra Grüter-Axthammer

Begonnen habe es auf einer Walkingtour mit Erika Preisig, einer der Gründerinnen der Tüüfner Poscht, erzählt Marlis Schaeppi. «Sie fragte mich, ob ich die Auf­gabe für die Gratulationen übernehmen wolle.» Damals sei sie 40 Jahre alt gewesen und habe sich das gründlich überlegt, bevor sie zusagte. Bereut habe sie es nie. Seither seien Würdigungen, Geburten und Hochzeiten, wie auch Hochzeitsjubiläen, dazugekommen.

Unzählige Telefonate

Sie schreibe den Leuten, wenn nötig eine Karte oder einen Brief. Auch Kondolenzbriefe verfasst sie regelmässig, um in Verbindung zu kommen mit den Ange­hörigen. Besonders aber schätze sie den Kontakt zu den Jubilarinnen und Jubilaren. Sie mag die Geschichten aus dem Leben der älteren Menschen. «Wir kontak­tieren Menschen, die 80 Jahre alt werden, 85 und ab dem 90. Lebensjahr zu jedem Geburtstag. Vor 20 Jahren kontaktierte ich etwa 150 Leute pro Jahr, heute sind es über 200.» Etwa sechzig Prozent der Jubilarinnen und Jubilare freuen sich über einen Beitrag.

Die Kontaktaufnahme erfolge meist telefonisch, wobei das schwieriger geworden sei in den letzten Jahren. Viele Personen verfügen nicht mehr über einen Eintrag im Telefonbuch, einschliesslich älterer Menschen. Dann frage sie andere Leute und leiste manchmal regelrechte Detektivarbeit, um Kontakt herzustellen. Für das Gespräch nimmt sie sich dann ausreichend Zeit. Manchmal sei es schwierig, die alten Leute am Telefon zu verstehen. Dennoch schafft sie es, die gewünschten Informationen herauszufiltern.

Die beste Linzertorte

Der Respekt und das aufrichtige Interesse, das Marlis Schaeppi den Geschichten entgegenbringt, sind deutlich spürbar. Aus diesen Begegnungen seien auch einige schöne Verbindungen entstanden, und sie erinnert sich besonders gerne an eine Zuckerbäckerin: «Zu ihrem achtzigsten Geburtstag besuchte ich sie das erste Mal, dann mit 85 und sie erzählte mir, wie gerne sie backe. Danach buk sie mir jedes Jahr eine Linzertorte am Geburtstag. Nie habe ich eine bessere Linzertorte gegessen.» Nach den Gesprächen mit den Jubilarinnen und Jubilaren würde sie oft zu einem Besuch eingeladen. «Meist bin ich dann aber bereits mit den Gratulationen für den nächsten Monat beschäftigt und es bleibt zu wenig Zeit.»

Katzenliebe und würdige Worte

Marlis Schaeppi ist in St. Gallen Bruggen aufgewachsen und zog später mit ihrem Mann Chris­tian nach Niederteufen. Christian lernte sie bei der Arbeit in Ausgleichskasse medisuisse kennen. Über vierzig Jahre lang war sie in der Sozialversicherung tätig. Anfangs lebte die Familie in der Alterssiedlung, was ihnen sehr gefiel, aufgrund der Vielfalt von Alt und Jung im Haus. Ihre beiden Söhne wurden oft von einer 80-jährigen ehemaligen, sehr fröhlichen Kindergärtnerin gehütet.

Leidenschaft Singen

Im Jahr 1992 kam ihre Tochter Livia zur Welt, doch ein Jahr zuvor musste die Familie den tragischen Verlust ihres zweiten Sohnes Philipp durch einen Unfall verkraften. Diese Zeit war schwierig für die ganze Familie und auch für Marlis Schaeppi, sowohl körperlich als auch emotional. Sie trat dem Verein «Regenbogen – Eltern in Trauer um ihr Kind» bei und leitete ihn zwei Jahre lang. Doch mit der Zeit verspürte sie das Bedürfnis, sich von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Verlust zu lösen und anderen Interessen zuzuwenden. Sie entdeckte ihre Freude am Singen, sang projekt­mässig im Domchor mit, dann war sie 15 Jahre lang aktiv im Oratorienchor St. Gallen. Aktuell singt sie im Tüüfner Chor bei Hiroko Haag.

Seit 38 Jahren lebt das Ehepaar Schaeppi im Eigenheim an der Rütiholzstrasse. Die Kinder sind längst ausgezogen und nun teilen sie ihr Zuhause mit den beiden Katzen Minou und Merlin. «Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und wünschte mir als Mädchen eine Katze. Leider waren Tiere in unserer damaligen Wohnung nicht erlaubt.» Doch bereits als die Kinder noch kleiner waren, beschlossen sie, eine Katze in ihr Zuhause zu holen.

Trotz Veränderungen im eigenen Leben schafft es Marlis Schaeppi, die persönlichen Geschichten der Menschen aufzuschreiben und sie zu würdigen.

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