Der Weg des geringsten Widerstands

13.09.2019 | Timo Züst
Hörlibach
Der Hörlibach und sein Seitenbach zeigen sich nur selten. An vielen Stellen ist sind sie eingedolt. Fotos: zVg Timo Züst Noch bis Anfang kommender Woche liegt das Projekt zur Sanierung der Schützenbergstrasse auf. Es ist an die dritte Etappe der Hörlibachsanierung gekoppelt. Für beide Projekte braucht es die Mithilfe der Anwohner. Ein beachtliches Gebiet oberhalb des Spars ist blau eingefärbt. Das Blau steht für Wasser. Genauer: Hochwasser. Was Michael Sonderegger, Abteilungsleiter Wasserbau beim kantonalen Tiefbauamt, hier zeigt, ist die Gefahrenkarte für die Gemeinde Teufen. Die Einfärbung verdeutlicht, welche Gebiete bzw. Grundstücke bei einem dreissigjährigen Hochwasser des Hörlibachs betroffen wären. Diese Berechnungen bilden die Grundlage für die Sanierung des Bachs. «Das ist ein Hochwasser-Schutzprojekt», stellt Michael Sonderegger klar. Bis Mitte vergangener Woche lag ebendieses Projekt in der Gemeinde auf. Es handelt sich dabei um die dritte Etappe der Bachsanierung. Und sie ist nicht günstig: 2,7 Millionen Franken kosten die Arbeiten. Davon übernehmen allerdings 72 Prozent (1,94 Mio. Franken) Bund und Kanton. Der Restbetrag wird zu 18 Prozent (ca. 486’000 Franken) auf die Gemeinde und zu 10 Prozent (270’000 Franken) auf die Anstösser und Werkeigentümer aufgeteilt. Insbesondere die Beiträge der dritten Partei (Perimeter) führen bei solchen Projekten häufig zu Diskussionen. Festgelegt werden sie deshalb von einer unabhängigen Perimeter-Kommission. Trotzdem: Auch beim Hörlibach wird noch über die Zahlen diskutiert werden. Denn gegen das Projekt gingen mehrere Einsprachen ein. Die Vermutung liegt nahe, dass es dabei auch um die finanziellen Fragen geht. Strasse als Trichter Die Anwohner der Schützenbergstrasse beschäftigt derzeit aber nicht nur das Hörlibach-Projekt. An der Wand des Sitzungszimmers des Tiefbauamts hängen nämlich zwei Pläne. Links jener für die Bachsanierung: Für die gesamte Länge von der Hauptstrasse bis hoch zum Hinterrain braucht es drei grossformatige Pläne. Und rechts davon jener für die Sanierung der Schützenbergstrasse. Betroffen ist der Bereich von der Hauptstrasse bis zur ersten Kreuzung. Veranschlagt sind dafür 950’000 Franken. Gesprochen werden sie vom Gemeinderat, da es sich hierbei um eine werterhaltende Massnahme handelt. Verantwortlich für das Projekt ist Ueli Anderfuhren, Leiter des Tiefbauamts: «Einerseits ist die Sanierung der Strasse dringend nötig. Andererseits spielt die Strasse für den Hochwasserschutz eine bedeutende Rolle.» Um den Zusammenhang zwischen Bach und Strasse aufzuzeigen, hat Anderfuhren auch den zukünftigen Querschnitt der Strasse aufgehängt. Dieser zeigt, dass die Fahrbahn bei der Sanierung «gekippt» wird. Neigt sie sich heute in Richtung Westen (weg vom Spar), fällt sie nach den Arbeiten Richtung Osten ab. Der Trick: Strasse und Gelände sollen so in Zukunft als eine Art natürlicher Trichter fungieren. Denn Teil der Bachsanierung ist auch die teilweise Offenlegung des Bachs neben der Strasse. «Bei diesen Öffnungen geht es nicht in erster Linie um ökologische Aspekte. An diesen Stellen kann das Wasser, das im Gebiet herunterregnet und oberflächlich abfliesst, wieder in die unterirdische Leitung geführt werden», erklärt Sonderegger. Das, in Verbindung mit einer deutlich grösseren Leitung (120 Zentimeter Durchmesser), erhöht die Kapazität des Bachs deutlich. Und soll so auch vor einem hundertjährlichen Hochwasser schützen. «Dabei gehen wir von einem Abflussmenge von 6 Kubikmeter pro Sekunde aus. Diese Menge sollte nach der Sanierung kontrolliert abfliessen können», erklärt Michael Sonderegger. Bäume zur Verkehrsberuhigung Verkehrsberuhigende Massnahmen sind heute bei der Sanierung einer Quartiersstrasse Standard. So auch in diesem Fall. Geplant sind einzelne Bäume, die versetzt auf beiden Seiten der Strasse angebracht werden. Aber: «Die Fahrbahn bleibt an der schmalsten Stellen 5,20 Meter breit. Das heisst, ein LKW und ein PW können weiterhin kreuzen.» Auch die Geschwindigkeit soll mit diesem Bauprojekt nicht verändert werden – sie bleibt bei 40 km/h. Die neuste Messung der Gemeinde in der Woche vom 30. August bist zum 6. September zeigt auch: Die meisten der rund 3000 Fahrzeuge pro Woche halten sich an diese Geschwindigkeit. 85 Prozent liegen darunter oder im Normbereich.
Ueli Anderfuhren, Leiter des Tiefbauamts und Michael Sonderegger, Abteilungsleiter Wasserbau beim kantonalen Tiefbauamt, betrachten die Pläne. Kein Landerwerb Die Auflage der Bachsanierung ist bereits beendet. Das Strassenbauprojekt liegt noch bis zum 17. September auf. Grund dafür sind die unterschiedlichen Fristen. Das Projekt des Kantons liegt 20, das der Gemeinde 30 Tage auf. Und während der Regierungsrat in erster Instanz über die Einsprachen zur Hörlibachsanierung entscheidet, wird sich der Gemeinderat mit allfälligen Einsprachen gegen die Strassensanierung auseinandersetzen. Auch bei den Bauarbeiten selbst ist das Zusammenspiel zwischen Gemeinde und Kanton entscheidend. «Bevor die Arbeiten am Bach nicht oben bei der Kreuzung angekommen sind – sie beginnen von unten – können wir gar nicht anfangen», so Ueli Anderfuhren. Das bedeutet, dass jeder Zeitplan nur eine Vermutung ist. Im «Best-Case-Szenario» beginnt der Kanton im Frühjahr 2020 mit der Bachsanierung. Die Gemeinde könnte mit der Strasse dann im Herbst loslegen. In diesem Fall wären beide Projekte schon im Herbst 2021 abgeschlossen. «Das ist natürlich ein sportlicher Fahrplan. Auch, weil zwischen dem 1. November und dem 31. März nicht am Bach gearbeitet werden darf. Das ist die Fischschonzeit», erklärt Sonderegger. Und klar ist auch: Eine der grössten Hürden könnten die Einsprachen sein. Denn, das zeigen die aufgelegten Unterlagen, einige der Anstösser müssen namhafte Beträge an die Bachsanierung bezahlen. Zwar können sie auf Beiträge der Assekuranz hoffen und das Risiko eines grossen Schadens bei ihren Liegenschaften aufgrund einer Überschwemmung wird durch die Arbeiten minimiert – trotzdem birgt das Projekt Diskussionspotenzial. Und das nicht nur wegen des Geldes. Denn für die angesprochene Ausbildung der Einlauföffnungen entlang der Strasse sowie die Bachoffenlegung im oberen Projektabschnitt ist der Kanton auch auf privaten Boden angewiesen. Dazu Michael Sonderegger: «Für den Bodenverlust werden die Anstösser entschädigt. Und ganz wichtig: Die Grundstücksgrenzen bleiben bestehen. Der Boden wechselt also nicht den Eigentümer.»

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