«Der letzte Rest des Wünschbaren»

15.09.2018 | TPoscht online
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Georges Winkelmann machte im Auftrag der AB zahlreiche Führungen durch den Ruckhaldetunnel.

Interview: Rosalie Manser Fotos: Erich Gmünder

Der inoffizielle «Mister Appenzeller Bahnen», Georges Winkelmann, erzählt von früheren Ortsdurchfahrtsprojekten und über Dinge, die sich in den 50 Jahren, die er im Dienste der AB stand, verändert haben.

Georges Winkelmann ist wohl das bekannteste Gesicht der Appenzeller Bahnen. Kein Wunder, stand der 69-Jährige doch ein halbes Jahrhundert im Dienste des Unternehmens. Vieles hat sich während seines Berufslebens verändert, andere Themen sind heute noch aktuell. «Bereits 1964, als ich meine Lehre zum Stationsbeamten antrat, stand ein Bahntunnel durch Teufen zur Debatte», erinnert sich Georg Winkelmann.

Auch vier Jahre nach seiner Pensionierung steht Georges Winkelmann ab und an im Dienste der Appenzeller Bahnen. Wohl keiner weiss den Besuchergruppen, die noch bis Ende September den Ruckhaldetunnel besichtigen können, soviel über die Geschichte des Unternehmens zu erzählen, wie der ehemalige Bahnhofvorsteher von Teufen.

Für Georges Winkelmann ist der Ruckhaldetunnel «der letzte Rest des Wünschbaren». «Der Bau eines Tunnels durch Teufen und durch die Ruckhalde war bereits in meiner Lehrzeit, Anfang der 60er-Jahre, ein Thema. Diese teils visionären Pläne scheiterten nicht zuletzt aufgrund von Ängsten aus der Bevölkerung und zaghaft handelnden Politikern», zieht der «Mister Appenzeller Bahnen» seine Schlüsse für die jahrzehntelange Projektierungsphase.

Bundesgelder blieben unangetastet

In der «Schweiz Aktuell»-Sendung aus dem Jahr 1990, die in Teufen aufgezeichnet wurde (siehe Beitrag «Schweiz Aktuell aus Teufen – eine Trouvaille»), sprach der damalige AB-Direktor von der baldigen Realisierung des Ruckhalde- und des Teufner-Tunnels. Alt-Nationalrat Herbert Maeder liess sich vor 28 Jahren gar zur Aussage hinreissen, dass er hinsichtlich der beiden Tunnels mit «wenig bis gar keinem Gegenwind aus der Bevölkerung» rechne. Die dafür nötigen Bundesgelder in Millionenhöhe wurden 1990 bereits gesprochen.

In einer 1992 erfolgten Konsultativabstimmung äusserte sich dann aber eine knappe Mehrheit der Teufner kritisch gegenüber dem Bahntunnel vom Bahnhof bis zum Sternen. «Als Ausserrhoden daraufhin diese Chance ungenutzt verstreichen liess, wurden die Millionen halt in anderen Regionen der Schweiz für den ÖV eingesetzt», bedauert Georg Winkelmann.

Anlässlich seines letzten Arbeitstages fertigte Georges Winkelmann einen Zug nach guter alter Manier ab.

Kein Dorfsterben wegen Umfahrung

Georges Winkelmann findet, dass Politiker und Bevölkerung in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu wenig Mut an den Tag gelegt haben. «Ein Paradebeispiel für eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung ist für mich die Teufner Umfahrungsstrasse. Damals, als sie 1974 eröffnet wurde, gab es zahlreiche Skeptiker, die ein schnelles Dorfsterben prognostizierten. Vierzig Jahre später wissen wir, dass Teufen ohne Umfahrungsstrasse im Verkehr ersticken würde», so der pensionierte Bahnhofsvorsteher.

Georges Winkelmann hat sich in der Vergangenheit in zahlreichen Kommissionen, in denen teils auch die Verkehrsführung thematisiert wurde, engagiert.

Für Georges Winkelmanns Geschmack handelten in der Vergangenheit Politiker und Bevölkerung zu zaghaft.

Doppelspur bringt Entschleunigung

«Da ich ein Mensch bin, der nicht lange verpassten Chancen und Vergangenem nachtrauert, kann ich mich relativ schnell auf neue Gegebenheiten einstellen und diese akzeptieren.» Auch wenn er persönlich gerne einen Bahntunnel vom Entsorgungspark an der Bühlerstrasse bis zur Lustmühle gesehen hätte, kann er der geplanten Doppelspur durch Teufen durchaus auch Positives abgewinnen. «Die Doppelspur wird sicher eine gewisse Um- und Angewöhnungszeit von den Verkehrsteilnehmern voraussetzen, zeitgleich aber auch eine Beruhigung mit sich bringen. So manch ein Autofahrer wird sich künftig wahrscheinlich zweimal überlegen, ob er mit Tempo 30 der Strassenbahn quer durch Teufen hinterherfahren möchte oder doch lieber auf die Umfahrungsstrasse ausweicht.»

Bei seinem letzten Arbeitstag vor 4 Jahren, konnte sich Georg Winkelmann von vielen, treuen AB-Kunden verabschieden.

Von Kartonfahrkarten bis zur SBB-App

Der Betrieb rund um die Appenzeller Bahnen wandelt sich nicht nur aktuell massiv, sondern hat sich immer mal wieder den aktuellen Gegebenheiten angepasst. So wurde Ende der 80er-Jahre die Fusion des «Gääser Bähnli» mit den Appenzeller Bahnen vollzogen. Georg Winkelmann erlebte während seiner fünfzig AB-Jahre zudem die Umstellung von manuell bedienten Bahnhöfen und Kreuzungsstellen bis hin zur Automatisierung.

Auch der Billettverkauf modernisierte sich frappant. Kann heute eine ganze Reise via SBB-App im Vorfeld gekauft werden, händigte Georg Winkelmann den AB-Fahrgästen noch bis in die 90er-Jahre am Bahnhofschalter von Teufen die bunten Kartonbillette mit manueller Datumpresse aus.

Der 69-Jährige hat mit seiner dienstbereiten und kundenorientierten Art unzählige reiselustige AB-Kunden äusserst kompetent beraten. Dies stets im Bestreben, das günstigste Angebot ausfindig zu machen. Im Service inbegriffen waren stets wichtige touristische Detailinfos. Um nach seiner AB-Zeit eine bewusste Distanz zu schaffen, kehrte Georg Winkelmann zusammen mit seiner Frau Berta 2011 Teufen den Rücken und baute ein Mehrgenerationenhaus in Bühler um. Dort, direkt an der Hauptstrasse, sieht er seine geliebte Appenzeller Bahn nach wie vor täglich mehrmals vorbeifahren.

(Der Beitrag erschien zuerst auf www.zukunft-teufen.ch)

 

https://www.tpost.ch/news/31517/

 

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