Auf der Nebenspur

16.12.2022 | Timo Züst
velo_fahrrad
Das Dorfzentrum ist eine der „Problemstellen“ für den Veloverkehr im Dorf. Fotos: tiz Bei einer Sache sind sich Fahrradfahrende, Politiker und Verkehrsplaner einig: Einfach ist die Förderung des Langsamverkehr nicht. Das gilt besonders für das hügelige Appenzellerland mit seinen «Strassendörfern». Oft mangelt es schlicht an Platz für alle Verkehrsteilnehmenden. Aber trotz herausfordernder Ausgangslage könnte deutlich mehr getan werden. Davon sind Jaap van Dam (Präsident Pro Velo St. Gallen Appenzell / SP-Kantonsrat) und Sebastian Lanker (Pro Velo Teufen) überzeugt. Man könnte sagen, die Abstimmung um 17:17 Uhr am 5. Dezember war ein kleiner «Coup» des Rotbachtals. Wie üblich behandelte der Kantonsrat in seiner vierten Sitzung den Voranschlag des kommenden Jahres. Dazu gehört auch das Konto 5900 mit dem Titel «Strassenrechnung». Darauf – genauer auf die Position 31; Sach- und übriger Betriebsaufwand – zielte ein Antrag von Jaap van Dam aus Gais ab. Der SP-Kantonsrat ist Präsident des Vereins Pro Velo St. Gallen Appenzell und setzt sich wo immer möglich für die Förderung des Langsamverkehrs ein. So auch hier. «Gewissermassen ging es eher um eine symbolische Geste. Trotzdem: Das Geld kann auch Konkretes bewirken.» Symbolisch deshalb, weil das Konto «nur» um 150’000 Franken erhöht werden sollte – von 7’214’000 auf 7’364’000 Franken. Dieses Geld muss laut Antrag für Unterhaltsmassnahmen an Fahrradstreifen entlang der «alten» Kantonsstrassen eingesetzt werden. Ziel ist eine Erhöhung der Sicherheit durch bessere Markierungen, den Ausbau von Fuss- oder Veloquerungen sowie Analysen und Verkehrszählungen. «Da klingen 150’000 erstmal nach wenig. Aber der Kanton muss sie ja auch in einem Jahr ausgeben. Und natürlich hoffen wir auf Folgeprojekte.» Wir waren in diesem Fall Jaap van Dam und die sieben Mitunterzeichnenden – aus Gais, Teufen (Marco Sütterle), Trogen und Herisau – des Antrags. Der Kantonsrat folgte ihnen am 5. Dezember mit 33 Ja- zu 22 Nein-Stimmen (5 Enthaltungen). Eineinhalb Wochen später sitzt der SP-Kantonsrat mit einem Gleichgesinnten beim Kaffee im «Koller» in Teufen. Sebastian Lanker ist Vorstands- und Gründungsmitglied von «Pro Velo Teufen»: «Natürlich ist es besonders erfreulich, dass fast alle Teufner Vertreter ‘Ja’ gesagt haben.» Trotz dieser guten Nachricht: Laut den beiden gibt es bezüglich Langsamverkehr im Kanton noch sehr viel zu tun. Ein guter Start Es war die Titelgeschichte der Juli-Nummer der «Tüüfner Poscht»: Sebastian Lanker, Andreas Baumann und Andreas Künzli gründeten mit «Pro Velo Teufen» einen Lokalableger des übergeordneten Vereins «Pro Velo St. Gallen Appenzell». Ihr Ziel: eine bessere Langsamverkehr-Infrastruktur in und um Teufen. Inzwischen hat die Gruppe ihre Arbeit aufgenommen. «Nach der Veröffentlichung erhielten wir viele positive Rückmeldung. Inzwischen haben wir uns mit Pro-Velo-Mitgliedern, dem Elternrat und Interessierten getroffen.» Dabei wurden laut Sebastian Lanker Bedürfnisse aufgenommen, Problemstellen identifiziert und ein generelles Stimmungsbild erstellt. Grosse Überraschungen tauchten dabei nicht auf: «Genannt wurden natürlich das Dorfzentrum, der Schulweg – insbesondere zur neuen Sek – und die Verbindung nach St. Gallen.» Den Fahrradfahrenden sei zwar bewusst, dass es für viele dieser Punkte nicht von heute auf morgen eine Lösung geben wird, aber «man hofft auf positive Signale von Gemeinde und Kanton». Immerhin von der Gemeinde hat «Pro Velo Teufen» solche Signale bereits bekommen. Das Gründungsteam traf sich mit Vertretern des Bereichs «Bau und Planung» und wurde über aktuelle Projekte bzw. den Stand der Umsetzung des Verkehrskonzepts informiert. Dazu gehören nebst der Einführung von Tempo-30-Zonen in den Quartieren (mehr dazu lesen Sie hier) auch diverse Verbesserungen für den Langsamverkehr. «Klar ist: Die Gemeinde ist nicht untätig. Es läuft einiges. Eine Herausforderung ist aber sicher, dass man in vielen Fällen auch auf den Kanton angewiesen ist. Beim Dorfzentrum oder der Veloführung nach St. Gallen oder in den Bühler zum Beispiel.»
SP-Kantonsrat Jaap van Dam aus Gais (links) und Sebastian Lanker von „Pro Velo Teufen“ beim Kaffee im „Koller“. Eine Frage der Priorität Über die Aktivität auf Kantonsebene weiss Jaap van Dam ziemlich gut Bescheid. Und er sagt: «Es könnte und müsste noch deutlich mehr gemacht werden.» In seinem Antrag zur oben angesprochenen Budget-Erhöhung hat er zwei der akutesten Problemstellen aufgelistet: die Hauptzubringer nach Herisau (Appenzell-Hundwil-Waldstatt-Herisau) und St. Gallen (Appenzell-Gais-Bühler-Teufen-St. Gallen). Für ihn ist es Zeit für einen Haltungswechsel. «Bisher wurde Ausserrhoden immer als unattraktiv für Velofahrer eingestuft – wegen der Topografie. Mit dem Aufkommen der E-Bikes hat sich das aber definitiv geändert.» Das zeigen auch die Daten des Strassenverkehrsamtes. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der schnellen E-Bikes mehr als verdoppelt. Waren es im Jahr 2016 noch 393 sind es heuer 894. Dazu kommen geschätzt 5000 «langsame» E-Bike. Zum Vergleich: In Ausserrhoden sind ca. 32’000 PKW unterwegs bzw. eingelöst. Diese Entwicklung muss in der Verkehrsplanung berücksichtigt werden, meint van Dam: «Der Langsamverkehr darf nicht mehr als ‘Zusatzübung’ zur MIV-Planung angeschaut werden. Er sollte mindestens die gleiche Priorität geniessen. Nur so fahren diejenigen, die heute schon Velo fahren, sicher. Und andere steigen hoffentlich bald vom Auto aufs Fahrrad um.» Klare Veloführung Aber was können die vom Kantonsrat gesprochenen 150’000 Franken denn nun bewirken? Jaap van Dam und Sebastian Lanker hoffen, dass damit mindestens irreführende bzw. unklare Signalisationen korrigiert werden. «Der tödliche Unfall vom 16. November in Gais lässt sich teilweise auf unklare Markierungen zurückführen.» Aber das Geld soll auch abseits der Strasse als Signal dienen. Nämlich dafür, dass Ausserrhoden mit der Umsetzung des nationales Velogesetzes (tritt per 1.1.2023 in Kraft) nicht bis zum Ablauf der Umsetzungsfrist im Jahr 2028 zuwartet, sondern bereits jetzt loslegt. «Es braucht politischen Willen, aber auch kompetente Langsamverkehres-Planer. Hoffentlich macht sich der Kanton nun bereits auf die Suche nach ihnen.»  tiz

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