"Appenzeller müssen sich für beide Lösungen einsetzen"

19.11.2014 | Erich Gmünder
Markus Bänziger
Markus Bänziger
Markus Bänziger ist Gemeinderat und Präsident der Finanzkommission und Mitglied der Geschäftsleitung eines St. Galler Textilunternehmens. Foto: EG

Wie profitiert Teufen vom Autobahnzubringer Liebegg, der vom Bund und von Stadt und Kanton St. Gallen zur Beseitigung des Engpasses der Stadtautobahn vorgeschlagen wird? Und steht diese Lösung in Konkurrenz zur Entlastungslösung in Herisau? Gemeinderat Markus Bänziger engagiert sich bei der IG Engpassbeseitigung A1 St. Gallen, welche sich für die 3. Röhre der Stadtautobahn und die Teilspange Richtung Appenzellerland stark macht.

Interview: Erich Gmünder

Was macht ein Teufner in der IG Engpassbeseitigung A1 der Stadt St. Gallen? Warum sind Sie dort dabei? 

Als Vorstandsmitglied der WISG (Wirtschaft Region St. Gallen, vormaliger Arbeitgeberverband mit über 350 angeschlossenen Unternehmen, die über 27‘000 Arbeitsplätze vertreten) setze ich mich mit engagierten Kolleginnen und Kollegen für die Standortattraktivität des Wirtschaftszentrum St. Gallen ein. Die WISG –mit Rolf Brunner und David Ganz sind zwei weitere Teufner aktiv im Vorstand – wirkt in verschiedenen Gremien mit, wenn es um die für die Wirtschaft zentralen Bereiche wie Aus- und Weiterbildung, Ressourcen. Energie, Verkehr, Erschliessung, Raumplanung und andere mehr geht. Die WISG hat sich u.a. stark gemacht für das leider gescheiterte Geothermieprojekt in St. Gallen, ist an vorderster Front bei der Förderung der Berufsbildung sowie der International School St. Gallen tätig oder beim Triebwerk, einem Informationsnetzwerk für die Berufswahl. Der Vorstand der WISG war massgeblich an der Gründung der IG Engpassbeseitigung beteiligt. Diese setzt sich für ein leistungsfähiges Verkehrsnetz in der Ostschweiz ein. Dies ist nötig, um im nationalen und auch internationalen Wettbewerb um Arbeitsplätze mithalten zu können.

Sehen Sie sich dort vor allem als Vertreter der Wirtschaft der Stadt St. Gallen oder auch als Teufner und Ausserrhoder? 

In der WISG setze ich mich primär für den Wirtschaftsstandort St. Gallen ein. Dieser umfasst aber nicht nur die Stadt St. Gallen sondern auch die angrenzenden Ausserrhoder Gemeinden, Speicher, Herisau und Teufen. Wir denken damit primär in Wirtschaftsräumen und nicht entlang der Gemeinde- bzw. Stadtgrenze. Es gilt drei weitere Punkte zu berücksichtigen: Erstens: Das Appenzellerland und damit auch Teufen sind seit Jahrhunderten mit St. Gallen eng verbunden. Denken Sie an die Textilindustrie, die Ausserrhoden über lange Zeit zu Wohlstand und Wachstum verholfen hat: Ohne das internationale St. Gallen hätte Ausserrhoden diesen Erfolg nie gehabt, umgekehrt hat St. Gallen auch massgeblich von den Appenzellern profitiert. Zweitens: Infrastrukturlösungen wie Verkehrsnetze müssen interkantonal gelöst werden. Drittens: Die regionale Verteilung der wirtschaftlichen Leistung und damit von Arbeitsplätzen ist in der Schweiz vorbildlich. Ein Blick nach Österreich genügt: Regionen wie Kärnten oder das Burgenland ringen um Arbeitsplätze und damit um Lebensraum für die Jungen. Dieses Beispiel – selbst über Jahre in Österreich mitverfolgt – zeigt mir wie wichtig es ist, St. Gallen in seiner Stärke zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? 

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, und zwar aus verschiedenen Gründen: Das vom Bund (ASTRA), dem Kanton und der Stadt St. Gallen vorgestellte Projekt bringt viele Vorteile, unter anderen folgende vier: Der akute und sich verschärfende Engpass in St. Gallen wird gelöst, für die Wirtschaft und natürlich auch für die Bewohner wichtig. Die Quartiere Oberstrasse, Teufener Strasse und vor allem Riethüsli werden durch die Entlastungen massgeblich aufgewertet. Für die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Postauto sowie vor allem für den zunehmenden Langsamverkehr wie Fahrräder können so sichere und effiziente Verkehrsführungen entstehen. Und letztlich: für uns Teufner und Mittelländer sowie auch für die Innerrhoder wird ein leistungsfähiger Anschluss an das Nationalstrassennetz für die weitere Entwicklung entscheidend sein. Es geht also um eine gute Lösung für Alle: Ausserrhoden und St. Gallen, Individualverkehr, Langsamverkehr und öffentlicher Verkehr.

Kann sich Ausserrhoden jetzt einfach voll auf diese Erschliessung des östlichen Kantonsteils fokussieren? Kommt da Herisau nicht zu kurz? 

Der Liebeggtunnel und der Wachteneggtunnel inkl. Umfahrung Herisau stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Die Lösung Herisau als Teil des Netzbeschlusses des Parlamentes soll aus dem künftigen Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds finanziert werden. Mit dem Anschluss Liebegg – Güterbahnhof werden insbesondere die St. Galler Verkehrsprobleme gelöst, die Finanzierung ist dabei über das Engpassbeseitigungsprogramm des Bundes vorgesehen. Nachdem die Ostschweiz bis anhin erfolgreich in Bern zusammengestanden ist, dass die Lösung St. Gallen in diesem Engpassbeseitigungsprogramm des Bundes in das Modul 2 vorrücken konnten, müssen nun die Kantone St. Gallen und die beiden Appenzell für die Konkretisierung und die teilweise Finanzierung zusammenhalten. Unser Kanton sowie auch Innerrhoden müssen sich für beide Lösungen einsetzen: Der Anschluss und die Umfahrung Herisau sind zentral für das Hinterland und Herisau Richtung Nationalstrasse, der beschleunigte Zugang nach St. Gallen bzw. ein leistungsfähiger Anschluss an die Nationalstrasse sind vital für das Mittelland.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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