Wie aus dem Töchterinstitut Buser das Haus Eben-Ezer wurde

29.06.2018 | TPoscht online
Eben-Ezer 2016
Das ehemalige Institut Buser diente 40 Jahre lang als Wohnheim Eben-Ezer der Stiftung Waldheim. Der denkmalgeschützte Grubenmann-Bau befindet sich heute im Stockwerkeigentum. Fotos: zVg.
Am 1. Juli feiert die Stiftung Waldheim ihren 75. Geburtstag. Seit 1975 ist auch unser Dorf ein Waldheim-Standort. 30 Jahre waren die Menschen mit Behinderung im Eben-Ezer (ehemals Töchterinstitut Buser) im Gremm untergebracht. 2005 bezog die Stiftung einen Neubau im Schönenbüel am Dorfrand. Hanspeter Strebel*         
Josef Kämpf.
1943 eröffnete Gründer Josef Kämpf das erste Behindertenheim in Rehetobel. In den 1960er Jahren wurden in rascher Folge weitere Wohnheime in Betrieb genommen, in Rehetobel, Lachen-Walzenhausen und zeitweise in St.Gallen. 1974 wurde die frühere Trägervereinigung in eine Stiftung umgewandelt. Aus bescheidenen Anfängen durch private Initiative mit zwölf, von den Initianten Josef Kämpf und Sr. Margrith Frehner betreuten Menschen, war inzwischen bereits eine Grossorganisation mit sechs Wohnheimen, über 160 Bewohnerinnen und Bewohner sowie gegen 50 Vollzeitstellen geworden. Professionellere Strukturen waren nötig. Institut Buser als Waldheim In dieser Phase wurden erneut Ausbaupläne gewälzt, denn noch immer konnten lange nicht alle Wünsche für Aufnahmen erfüllt werden. Zunächst dachte man an den Neubau eines Zentralheims in Lachen-Walzenhausen, wo mit dem Bellevue und der Krone schon zwei Wohnheime domiziliert waren. Doch dann ergab sich eine unerwartete Gelegenheit in Teufen, wo das stattliche Grubenmann-Gebäude des ehemaligen, international bekannten Voralpinen Töchterinstituts von Professor Paul Walter Buser zum sehr vorteilhaften Preis von 700’000 Franken zum Kauf angeboten wurde.
Bewohner im ehemaligen Haus Eben-Ezer.
Die Stiftung Waldheim schlug zu und schon 1975 konnte das Gebäude als sechstes Wohnheim für 30 Bewohner eröffnet werden. Man gab ihm den biblischen Namen Eben-Ezer («Stein der Hilfe Gottes»). Zum günstigen Kaufpreis kamen allerdings noch höhere Aufwendungen für behindertengerechten Um- und Ausbau. So galt es, einen Lift und ein Treppenhaus einzubauen, und auch verschiedene Anpassungen im sanitären Bereich waren notwendig, was zusammen rund zwei Mio. Franken kostete. Dass man als Institution hohe Anerkennung und Wertschätzung genoss, zeigte sich im Umstand, dass sich die IV mit einem Baubeitrag unerwartet grosszügig erwies und man zudem von Geldern aus einem speziellen Fonds der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) profitieren konnte. Das «Problemkind» unter den Heimen Damals konnte man nicht wissen, dass das Eben-Ezer im Laufe der Jahre zum «Problemkind» unter den Heimen der Institution werden würde. Denn es zeigte sich bald einmal, dass das historische Gebäude, trotz umfangreicher Renovationen und heimeliger Atmosphäre betrieblich nicht geeignet war und die Schaffung von mehr Raum zur Verkleinerung der Gruppen nach den Richtlinien der IV unmöglich blieb. Zudem war das Haus äusserst «ringhörig», was wegen teilweise sehr starken Lärmemissionen einzelner Bewohner ein Problem darstellte und auch zu Klagen aus der Nachbarschaft führte.

«Vater Bischof»

Eine der historisch prägenden Figuren der Stiftung Waldheim ist der heute 97-jährige Teufner Robert Bischof. Er ging als «Baupräsident » in die Geschichte ein. Der erste Kontakt mit Waldheim-Gründer Josef Kämpf, der damals noch im Gründerhaus in Rehetobel wirkte, ergab sich auf ein Inserat «Heizungsinstallateur gesucht». In der Folge wurde Robert Bischof beauftragt, 1962 im Bellevue und 1964 in der Krone sowie weiteren Häusern, die zum Waldheim gehörten, Heizungen und sanitäre Anlagen einzubauen. 1962 wurde er in den Vorstand der damaligen Vereinigung Waldheim berufen. Nach der Überführung in eine Stiftung 1974 war Bischof Stiftungsrats-Mitglied, und 1986 übernahm er von Gründer Josef Kämpf das Präsidium der Stiftung, das er bis 1995 ausübte. Sein Interesse galt stets vor allem den baulichen Belangen und der Erneuerung der Heime unter Einbezug des einheimischen Gewerbes, er war aber auch sehr verbunden mit den Bewohnern. Wenn «Vater Bischof» in den Heimen auftauchte, gab es stets herzliche Begrüssungen. «Robert Bischof wurde aber auch von etlichen langjährigen Mitarbeitenden als Ansprechperson und manchmal auch als Beschwerdeinstanz geschätzt, und wer ihn mit seiner hemdsärmeligen und prägnanten, klaren und offenen Art akzeptierte, konnte sich über eine unkomplizierte und spontane Zusammenarbeit freuen», erinnert sich der langjährige ehemalige Heimleiter (auch im Schönenbüel) und zeitweilige Gesamtleiter Christian Frehner im Buch «Heimat bieten».
Die neue Stiftungspräsidentin Marianne Koller mit ihrem Vorgänger Hansruedi Früh. Foto: EG
Seit kurzem hat Teufen wieder eine Persönlichkeit, die die Geschicke des Waldheims leitet. Die ehemalige Frau Landammann Marianne Koller-Bohl hat von Hans-Rudolf Früh das Stiftungsratspräsidium übernommen und die Institution in das Jubiläumsjahr 2018 geführt, das mit verschiedenen Aktivitäten an allen Standorten begangen wird. In Teufen gab es bereits ein Mitarbeiterfest und auch der traditionelle Muttertagsbrunch stand unter diesem Zeichen.
Das Wohnheim Schönenbüel. Foto: EG Mai 2018
Neubau als Zangengeburt Man entschloss sich zu einem Neubau. Doch dieses Projekt sollte zu einer «Zangengeburt» werden. Im Jahre 1997 wurde mit der Planung begonnen. Nach erfolgloser Evaluation verschiedener Liegenschaften stellte die Gemeinde Teufen, der sehr am Verbleib des Waldheims im Dorf gelegen war, ein Grundstück im Schönenbüel am westlichen Dorfrand im Baurecht auf 100 Jahre zu Verfügung. Zunächst ging es plangemäss weiter. Der Kanton Appenzell A.Rh. bestätigte den Bedarfsnachweis, das Vorprojekt wurde von den Bundesstellen genehmigt und auch Subventionszusagen lagen vor. Doch es kam zu erheblichen Verzögerungen infolge von Einsprachen, bis im Mai 2001 die Teufner Stimmberechtigten knapp Ja zu einem Teilzonenplan sagten. Ende 2003 konnte dann endlich der erste Spatenstich vollzogen und um November 2005 das neue Heim mit wunderbarer Natursicht bezogen werden.
Einweihung des neuen Wohnheims Schönenbüel 2005.
An den Rand gedrängt? Die «Waldheimler» waren nun nicht mehr so alltäglich im Dorf präsent wie zuvor und sind deutlich weniger sichtbar. Es gab auch Stimmen, die den Umzug an den Dorfrand mit der Gewährung des Baurechts der Gemeinde als ein «Abschieben» kritisiert hatten. «Das war aber nie die Absicht der Behörden», wehrt sich der damalige Gemeindeschreiber und spätere Gemeindepräsident, Walter Grob, energisch. Man habe auch gemeinsam Standortabklärungen, zum Beispiel in der «Wellenrüti», gemacht und sei zusammen mit der Stiftung schliesslich zum Resultat «Schönenbüel» gelangt. Walter Grob äussert auch im Rückblick die Ansicht, der Umzug in die Natur mit grosszügigen Räumen habe sich positiv auf das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch auf die Mitarbeitenden ausgewirkt. Wie der heutige Gemeindepräsident Reto Altherr ist auch er der Ansicht, dass die Menschen mit Behinderung nach über 40 Jahren «einfach zum Dorf gehören und ein normaler Teil der Bevölkerung sind». Teufen ist und bleibt ein allseits geschätzter Waldheim-Standort. Heimleiter im Eben-Ezer Hans Lehmann 1975–1975, Richard Lübberstedt 1975– 1977, Sr. Heidi Schmid 1977–1980, Hans Lehmann 1980–1989 ,Dieter Köppel 1989–1992, Jürg Gammenthaler 1992– 2003, Roland Böhler 2003–2005 Heimleiter im Schönenbüel Roland Böhler 2005–2010, Rolf Hügli 2010–2012, Christian Frehner 2012–2017, Lukas Item 2017–2017, Werner Brunner (interimistisch), 2017 Lionel Monnet seit 2018 *Dieser Text basiert auf dem Buch «Heimat bieten», das die 75-jährige Geschichte der Stiftung Waldheim von der Gründung bis heute nachzeichnet und am 22. Juni offiziell vorgestellt wurde. Das reich illustrierte Buch von Hanspeter Strebel kann zum Preis von 38 Franken unter www.75jahreheimat.ch bezogen werden. [post_teaser id=“114824″]

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