«Die Kontakte mit Betroffenen sind sehr konstruktiv»

04.12.2017 | Erich Gmünder
Paul Huerlimann AB Bahnhof Kreisel (52)
Wenn es um den Ausbau des Bahnhofs Teufen und der Bahnhofkreuzung geht, ist Paul Hürlimann der Ansprechpartner von Seiten der AB: Der dipl. Bauingenieur FH/NDS ist Projektleiter Infrastruktur der AB und als solcher zuständig für die beiden Teilprojekte im Zusammenhang mit der Modernisierung der Appenzeller Bahnen in Teufen. Bildbericht: Erich Gmünder Vorab stellt der Projektleiter den Einsprechern, aber auch den durch die Projekte direkt betroffenen Anstössern ein grosses Kompliment aus: «Mein Ziel ist es, auf die Leute einzugehen und sie ernst zu nehmen, um gute Lösungen zu finden. Ich führe mit den Teufner Einsprechern und den direktbetroffenen Anwohnern und Geschäften sehr konstruktive Gespräche.» Dabei versuche er immer, sich in die Lage des Gegenübers zu versetzen, um dessen Anliegen zu verstehen. Um seine Haltung zu illustrieren, greift er auf eine indianische Volksweisheit zurück: «Urteile nicht über Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in ihren Schuhen gegangen bist.» Die zeitlichen Vorgaben sind ambitioniert: Am 8. Oktober 2018 rollen die neuen Tango-Züge erstmals durch den Bahnhof, die Bahnhofkreuzung und das Dorf. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die beiden Teilprojekte soweit wie möglich realisiert sein.
Die beiden Teilprojekte Bahnhof und Kreisel im Überblick:
Der Endausbau des Bahnhofs mit drei Gleisen (grüne Linien) und vorerst einspuriger Durchfahrt durch den Kreisel. Hellgrüne Flächen: Die Verbindungen für den Langsamverkehr und der Perronübergang. Visualisierung: zVg. Die beiden Projekte werden parallel entwickelt und sollen auch möglichst gleichzeitig realisiert werden. Nach der öffentlichen Auflage geht es nun um die Bereinigung bis zur Ausführungsreife. Bei beiden Auflageprojekten gab es Einsprachen, die nun im Gespräch mit den Betroffenen behandelt werden. Der neue Bahnhof Die bestehende Gleisanlage beim Bahnhof mit den 2 Gleisen und das heutige Perrondach beim Bahnhofplatz werden zurückgebaut. Die neuen Perrons werden erhöht, so dass ein hindernisfreier, ebenerdiger Einstieg gemäss den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes möglich ist. Die Perronanlage erhält aus Sicherheitsgründen nur noch einen Übergang über die Gleise. Im Endausbau erhält der Bahnhof drei Gleise mit neuen Perrondächern. Das 3. Gleis dient als Wendegleis für die Viertelstundentakt-Züge während den Hauptverkehrszeiten; es wird etwas später realisiert. Bis dahin werden die Züge im Steigbach einen Zwischenhalt einschalten müssen.

«Mein Ziel ist es, auf die Leute einzugehen und sie ernst zu nehmen, um gute Lösungen zu finden. Ich führe mit den Teufner Einsprechern und den direktbetroffenen Anwohnern und Geschäften sehr konstruktive Gespräche.» Paul Hürlimann

Auf Wunsch der Gemeinde Teufen wird der Bahnhof künftig durch eine Fussgänger- und Radwegverbindung östlich der Gleisanlagen erschlossen. Damit erhält der Langsamverkehr zwischen Speicherstrasse und Landhaus eine neue, sichere Verbindung mit direktem Zugang zu den Perrons. Insgesamt werden für den Bahnhofausbau Kosten in der Höhe von ca. 15 Mio. Franken veranschlagt. Darin enthalten sind alle Infrastrukturkosten, die Perrons, die Perronausstattung und das neue Stellwerk, von dem aus der ganze Betrieb gesteuert wird. Enge zeitliche Vorgaben Gegen das Bahnhofprojekt gab es im Auflageverfahren drei Einsprachen. Die Verhandlungen seien auf guten Wegen, sagt Paul Hürlimann. Ziel sei der Baubeginn im März 2018. Vollstart ist am Osterdienstag, 3. April 2018; dannzumal wird der Bahnbetrieb zwischen St.Gallen und Teufen eingestellt. Dann bleibt ein halbes Jahr Zeit bis zur Betriebsaufnahme der Durchmesserlinie am 8. Oktober 2018. Die restlichen Arbeiten bis Sommer 2019 erfolgen dann wieder unter Betrieb. Kritik am Bahnhofprojekt aufgenommen Beim ursprünglichen Projekt war östlich eine grosse Stützmauer mit bis zu 5 Metern Höhe geplant. Diese stiess im Auflageverfahren auf Ablehnung. Diese Kritik wurde aufgenommen: «Wir sind in uns gegangen.» Im Rahmen einer Projektüberarbeitung konnte nun auf die prägende Stützmauer verzichtet und eine ortsbildtauglichere Lösung gefunden werden. Anstelle einer massiven Betonmauer wird nun eine Lösung mit Beibehaltung der Böschung realisiert. Entgegen verschiedener Befürchtungen bleiben die Parkplätze vor dem Bahnhofgebäude (Böhli) erhalten. Ebenso bleibt sich die Zahl der Parkplätze auf der gegenüberliegenden Seite beim Entsorgungsplatz gleich. Hierfür will die Gemeinde ein separates Projekt vorlegen. Neu wird die Postautohaltestelle für die Kantischüler nach Trogen ebenfalls in den Buswendeplatz beim Bahnhof integriert. Hier entsteht ein neues Busperron in Form einer kleinen Rampe, welche ebenfalls ein hindernisfreies, ebenerdiges Einsteigen ermöglicht.
Visualisierung des künftigen Kreisels. zVg.
Fünf Einsprachen gegen den Kreisel Ebenso komplex wie der Bahnhofumbau ist die Realisierung der neuen Bahnhofkreuzung mit Kreisel mit einem Kostenaufwand von ca. 5 Mio. Franken. Gegen das Auflageprojekt gab es fünf Einsprachen; auch hier seien die Verhandlungen auf guten Wegen. Der Kreisel wird von den neuen Zügen vorerst einspurig durchfahren werden, er ist aber so konzipiert, dass er künftig die beiden Gleise der geplanten Doppelspur aufnehmen kann. Die Züge werden zu den Hauptverkehrszeiten den Kreisel ab Beginn des neuen Fahrplans (9. Dezember 2018) im Viertelstundentakt durchfahren. Das bedingt den Bau einer Lichtsignalanlage mit vier Ampeln, für jeden Kreiselast eine. Diese werden jedoch nur bei der Durchfahrt eines Zuges aktiv und bleiben sonst schwarz. Auch bei der Planung der Bahnhofkreuzung wurde auf die Wünsche der Gemeinde eingegangen. So entsteht südlich eine neue Fusswegverbindung zwischen dem ehemaligen Café Spörri und der UBS. Dazu wird das Haus Dorf 18 leicht verschoben. Der Bau der Fussgängerverbindung bedingt den Bau einer Stützmauer in der angrenzenden Liegenschaft. Ebenfalls ist geplant, einen Teil der neuen Überbauung Unteres Gremm via Postplatz über den Kreisel zu erschliessen. Der Kreisel mit einem Durchmesser von 30 Metern bringt aber auch Veränderungen beim Zugang zur Post sowie beim «Restaurant Blume». Da dieses Haus unter Denkmalschutz steht, sind die Denkmalpflege des Kantons wie das Bundesamt für Kultur involviert. Ehrgeiziger Fahrplan Auch wenn die Behandlung der Einsprachen einmal erfolgreich abgeschlossen und die Teilprojekte ausführungsreif sind, geht Paul Hürlimann die Arbeit nicht aus. Zurzeit läuft die Submission mit der Eingabe der Unternehmerofferten, bereits im Dezember soll der Verwaltungsrat der AB über die Vergabe entscheiden. Danach folgt die Ausarbeitung der Werkverträge, so dass Ende März 2018 wie erhofft mit dem Bau begonnen werden kann. Dies alles mit dem Ziel, dass die Betriebseinstellung so genutzt werden kann, dass wesentliche Teile der neuen Anlagen mit der Betriebsaufnahme der Durchmesserlinie am 8. Oktober 2018 zur Verfügung stehen. Gleichzeitig läuft die Projektierung der Doppelspur weiter. Diese soll im 2020 in Angriff genommen werden; die Federführung liegt beim Gesamtprojektleiter Ortsdurchfahrt Teufen, Arthur Hitz. Paul Hürlimann hofft, dass die Einspracheverhandlungen für die beiden Teilprojekte Bahnhofumbau und Bahnhofkreuzung erfolgreich abgeschlossen werden können. «Wir versuchen alles, dass es für beide Seiten eine gute Lösung gibt.» Das letzte Wort habe allerdings das Bundesamt für Verkehr als oberste Genehmigungsbehörde, wie er im Gespräch betont. [grauer-kasten title=“Katzenbach“ text=“Ein Drittprojekt des Kantons ist die Sanierung des Katzenbaches, welcher die Gleisanlage unterquert. Die Erneuerung der über hundertjährigen Eindolung wurde vorgezogen, damit der Bau nicht die beiden anderen Projekte tangiert. Aktuell wird der Katzenbach im Bereich Böhli neu gefasst; der Weiterausbau erfolgt ebenfalls ab Betriebseinstellung der Bahn im April. “ ]

Paul Hürlimann

Der dipl. Bauingenieur FH/NDS verfügt über langjährige Erfahrung mit grossen Bahnprojekten insbesondere der SBB. So war er u. a. beim Bau des Gotthard-Basistunnels (AlpTransit) sowie bei Bahn 2000 involviert. Bei der Appenzeller Bahnen AG ist er als Projektleiter Infrastruktur für die Planung und Realisierung der Projekte auf der Strecke St.Gallen-Appenzell zuständig. [post_teaser id=“105972″]

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