Das Ende der Teufner Tunneldebatte

21.05.2017 | Erich Gmünder
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Der Entscheid fiel unerwartet deutlich aus: Die Teufnerinnen und Teufner erteilten der Idee für einen Kurztunnel mit 1’279 Ja zu 1’648 Nein oder im Verhältnis von 43,7 zu 56,3 Prozent eine Absage. Das überrascht.

Zwar haben die Stimmbürger bereits vor über zwei Jahren, am 18. Januar 2015, die längere Tunnelvariante an der Urne mit rund 1000 Ja gegenüber 1500 Nein deutlich abgelehnt. Das hinderte eine Handvoll Unzufriedene jedoch nicht, die Tunnelfrage mit einer reduzierten Variante wieder ins Spiel zu bringen. Sie machten geltend, der Gemeinderat habe Ängste vor den finanziellen Kosten und Risiken geschürt und die Bevölkerung nicht richtig informiert, weshalb die Tunnellösung eine zweite Chance verdient habe. Sie selber bewirtschafteten Ängste vor der Tramlösung: Sicherheitsprobleme für Velofahrer, Staus für Autofahrer, Chaos für den Bahnbetrieb, Eingriffe ins Ortsbild, schleichende Verstädterung, Bauphase usw.

Mit einer professionellen Werbekampagne via grossflächigen Plakaten, Inseraten und einem Flyer kämpften sie für ihr Anliegen. Die Offensive erweckte gegenüber Aussenstehenden den Eindruck, ganz Teufen stehe hinter dem Kurztunnel. Der Gemeinderat, dem in Sachen Kampagne die Hände gebunden waren, schien mit seiner Ablehnung allein auf weiter Flur zu stehen, trotz Sukkurs von Kanton und Bahn, welche auf das schlechte Kosten-/Nutzenverhältnis hinwiesen, und obwohl eine finanzielle Beteiligung von Seiten des momentan in finanzieller Schieflage stehenden Kantons durch Regierungsrätin Marianne Koller-Bohl explizit ausgeschlossen wurde.

Dass sich das Blatt rund drei Wochen vor der Abstimmung allmählich wendete, ist auf die (späte) Kommunikationsoffensive der Gemeinde und einige engagierte Leserbrief- und Flugblattschreiber zurückzuführen. Sie führten die Nachteile der Kurzvariante ins Feld: das Sicherheitsproblem beim Spar/Schützengarten, die grossen baulichen Eingriffe (Tunnelaushub, die beiden Tunnelportale, tiefergelegter Bahnhof) mit den zu erwarteten Belastungen während der intensiven Bauphase.

Immer stärker setzten sich offenbar auch die Vorteile einer modernen Strassenbahnlösung für das Strassendorf durch: Die leichteren, leiseren und weitgehend erschütterungsfreien Züge der Durchmesserlinie, die beispiellose Erschliessung mit fünf Bahnstationen, der komfortable Einstieg ohne Tieferlegung beim Bahnhof, die Option einer Verlängerung bis zur Lustmühle, damit einhergehend die neuen Möglichkeiten für den Langsamverkehr und insbesondere die Erhöhung der Sicherheit für die Schüler.

Auch die Initianten mussten mehr oder weniger kleinlaut einräumen, dass die reduzierte Variante nur die zweitbeste – und nur geringfügig günstigere – Tunnellösung ist. Sie verlegten sich nun auf das Argument, mit einem Ja bessere Entscheidungsgrundlagen zu erhalten. Nicht sie, jedoch manche ihrer Unterstützer machten unverhohlen klar, dass das Ja zur Initiative das Vehikel ist, um durch die Hintertüre nochmals eine – demokratiepolitisch heikle –  Grundsatzabstimmung zur Tunnelfrage zu erzwingen, was schliesslich den Gemeinderat zu einer Klarstellung herausforderte: Der Gemeinderat und mit ihm Kanton und Bahn können das klare Volksnein vor zwei Jahren nicht einfach ignorieren.

Den Ausschlag für die jetzt erfolgte Ablehnung gaben möglicherweise die Überlegungen zur zeitlichen Perspektive: Bei einem Ja und der darauf folgenden Abstimmungskaskade hätte die unbefriedigende und gefährliche Einspurlösung noch auf Jahre hinaus geduldet werden müssen. Die heutigen Kinder wären dann der Schule längst entwachsen, viele ältere Tunnelbefürworter auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Die Bahn hätte unverzüglich reagieren und mit Barrieren und Blinklichtern den gesetzlichen Vorgaben endlich Nachachtung verschaffen sprich für eine sichere Ortsdurchfahrt sorgen müssen, was zu zusätzlichen Behinderungen und jahrelangem Umwegverkehr geführt hätte. Statt der Taube auf dem Dach (Langtunnel irgendwann) entschieden sich viele für den Spatz in der Hand (sprich Tramlösung jetzt). Und vielleicht war man einfach müde von der endlosen, bereits rund 60-jährigen Teufner Tunneldebatte.

Den Initianten ist zugute zu halten, dass sie den enttäuschten Tunnelbefürwortern, welche seit der verlorenen Abstimmung vor zwei Jahren die Faust im Sack gemacht haben, nochmals eine Stimme verliehen haben. Nach dem klaren Entscheid darf nun gehofft werden, dass sich die Gräben wieder schliessen und die Gemeinde vereint die anstehenden grossen Aufgaben anpackt. Die Gestaltung eines attraktiven Dorfzentrums mit genügend Parkplätzen, aber auch die Anpassung der Infrastruktur im Bereich Schulen sind nur zwei der grossen Herausforderungen, die auf Teufen zukommen.

Erich Gmünder

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