365 Tage 24 Stunden für Teufen im Einsatz

28.03.2011 | Erich Gmünder
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Von Erich Gmünder

Wir sitzen bei Berta und Georges Winkelmann am Tisch. Der Blick geht auf die Kirche und das Gemeindehaus von Bühler – das Dorf ist seit ein paar Wochen die neue Heimat der Winkelmänner. Nie hätte sie, die ebenfalls in Teufen geboren und aufgewachsen ist, geglaubt, dass sie Teufen einmal verlassen würden. Zusammen haben sie ein Mehrgenerationenhaus gekauft und umgebaut. Georges Winkelmann wohnt mit Berta im mittleren Geschoss, Sohn Martin mit Sybille und Enkel Joel oben, und Sohn Stefan im Parterre.

Bäckerei, Restaurant, Post, Kirche sind nur einen Steinwurf entfernt, schräg vis-à-vis ist der Bahnhof mit der Bahn, welche seit 1964 den Lebensrhythmus von Georges Winkelmann bestimmt: Fast 47 Jahre, seit der Lehre in Teufen, ist er dabei, nur ein Dutzend Jahre, 1977 bis 1989, war er auf der Direktion, dann zog es ihn zurück an die Front. Bis vor kurzem bewohnte die Familie die Vorstandswohnung. Da war er rund um die Uhr verfügbar, wann immer man etwas von ihm wollte: Eine Auskunft, einen Tipp, ein Billett, eine Reservation. Für dieses Engagement erhält er nun den Tüüfner Bär (vgl. nebenstehende Würdigung).

Georges Winkelmann stockt etwas, wenn er gefragt wird, warum er all das auf sich genommen hat: „Ii bi eifach ine grotscht, no dis no“, sagt er schlicht, und seine Frau schiebt hinterher: „Ja, ja, aber du konntest auch nie Nein sagen“! Fast jeden Abend war er im Dorf unterwegs, immer irgendwo als Präsident oder Aktuar oder als Mitglied von einem OK an einer Sitzung oder Besprechung. Vielen guten Ideen hat er zum Durchbruch geholfen, unter anderem war er auch einer Geburtshelfer der Tüüfner Poscht, spürte, dass das Dorf „auseinanderfällt“, wenn der Zusammenhalt nicht aktiv gefördert wird.

Was lag näher, als dem Bahnhofvorstand auch das Verkehrsbüro und gleich das Präsidium des Verkehrsvereins anzuhängen. Oder die Reservierungen des Lindensaals. Oder den Veranstaltungskalender in der Tüüfner Poscht, den er bis Ende Jahr betreute. Und, und, und.

Jeden Abend unterwegs, das war für ihn aber nicht lästige Pflicht. Mit Fantasie, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit motivierte er andere. Viele Leute hat er kennen und sie haben ihn schätzen gelernt als Zuverlässigkeit in Person. Manche „Sitzung“ dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Viele Freundschaften hat er dabei geschlossen. Und ein bisschen wehmütig erzählt er, welche Beizen eingegangen sind seither: All die Wirtschaften in Niederteufen wie die Sonne, das Rössli, der legendäre Schweizerbund, das Hörnli, der Frohsinn und all Landbeizen „nebetosse“, die Frohe Aussicht, Schäflisegg, Frölichsegg (abgebrannt), die Rose, die Harmonie, der Löwen, das Rössli an der Bühlerstrasse oder der Pfauen mit dem Lädeli.

Und der Touristiker erinnert an die vielen verschwundenen Fressbeizen, die Teufen einst zur gastronomischen Hochburg machten: Der Sternen in Niederteufen, der Anker, der Ochsen, der Schützengarten, das Spörri und eine kurze Spanne auch die Blume.

Der Verkehrsverein hat sich im Ausserrhoder VAT aufgelöst, auch die Bahn ist nicht mehr dieselbe. Die SGA, die St.Gallen-Gais-Altstätten-Bahn, bei welcher er als Stift anfing, wurde fusioniert und modernisiert.

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Die Uniformmütze und die Kelle zum Abfertigen werden nicht mehr gebraucht, zentral gesteuerte Stellwerke haben den Vorstand ersetzt. „Teamleiter Verkauf“ heisst seine heutige Funktion ganz nüchtern. Wer mit Georges Winkelmann zu tun hat, spürt, dass er den alten Zeiten ein bisschen nachtrauert. Viele seien erschrocken, als sie von seinem Wegzug lasen, er konnte sie beruhigen: Erst in drei Jahren wird er pensioniert, wird nun halt selber als Pendler jeden Tag den Zug besteigen und in Teufen am Schalter stehen, mehr beraten als verkaufen, mehr leisten als Dienst nach Vorschrift.

Oben hört man Joel spielen, seine Holzklötze und ein Kinderbuch liegen auf dem Salontisch der Grosseltern. Georges kann sich jetzt mehr Zeit nehmen für das Enkelkind als früher für die eigenen Kinder. Er weiss, sein Pensum hätte er nicht leisten können, wenn seine Frau Berta, die selber aktiv am Dorfgeschehen mitmachte, ihm nicht den Rücken frei gehalten hätte.

 

Steckbrief Georg Winkelmann:

Geboren 23. Mai 1949 in Zürich

Aufgewachsen zuerst in Zürich Wollishofen, dann in Schönenwerd, bis die Familie im Februar 1957 nach Teufen zog. Die Schuljahre verbrachte er in Teufen in der Wetti, der

Gählern und im Hörli. 1964 Beginn der Lehre bei der damaligen SGA in Teufen unter Vorstand Ernst Gehri.

Seit 05.08.1977 verheiratet mit Berta geb. Waldburger, die als waschechte Teufnerin – Tochter von Schreiner Jakob Waldburger-Graf – im Löchli-Tobel aufgewachsen ist.

Zwei erwachsene Söhne Martin (1980), verheiratet mit Sibylle Schelling, 1 Enkel – Joel – (2009) und Stefan (1983).

 

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