Das grosse Finden beginnt

10.07.2026 | Timo Züst

Am 1. Juni 2027 beginnt in Ausserrhoden eine neue vierjährige Legislatur. Und zwar ohne Gemeindepräsident Reto Altherr (seit 2016), Gemeinderätin Bea Weiler (seit 2016), Gemeinderat Urs Spielmann (seit 2019) und den zwei GPK-Mitgliedern Rolando Zanotelli und Franziska Fawcett. Sie alle werden bei den Gesamterneuerungswahlen im Frühjahr 2027 nicht mehr antreten. Damit steht Teufen von einer personellen Herausforderung. Diese Vakanzen kommen zu einer strategisch kritischen Zeit –die Gemeinde wird während der nächsten Jahre einige wegweisende Entscheidungen fällen. Und ein grosses Infrastrukturprojekt umsetzen. Auch deshalb hat sich bereits jetzt eine zwölfköpfige Findungsgruppe gebildet. Sie will keine Kandidaten empfehlen, sondern die Diskussion anregen, Informationen zur Verfügung stellen und Gespräche führen. Am Mittwochabend fand die erste Sitzung statt.

Gemeinderat Urs Spielmann, Gemeinderätin Bea Weiler und Gemeindepräsident Reto Altherr (v.l.n.r.) treten nicht mehr zur Wiederwahl an. Und auch Rolando Zanotelli und Franziska Fawcett werden ab 2027 nicht mehr in der GPK sein. Für alle fünf werden geeignete Ersatzkandidaten und -kandidatinnen gesucht. Fotos: Archiv

«Am Mittwoch ging es vor allem um die Zielsetzung und einen Zeitplan», sagt Marco Sütterle am Telefon. «Offiziell werden wir erst nach den Sommerferien an die Öffentlichkeit treten.» Der FDP-Kantonsrat präsidiert die Findungsgruppe. Seine politischen Mandate – er ist auch Präsident der Ortspartei – haben aber nichts mit seinem Engagement in der zwölfköpfigen Findungsgruppe zu tun, die sich nur auf die kommunalen und nicht kantonalen Vakanzen fokussiert. Diese hat sich auf Bürgerinitiative gebildet und enthält Vertreterinnen und Vertreter aus allen Parteien, den Sport- und Kulturvereinen und der Landwirtschaft. «Uns geht es nicht darum, Kandidatinnen und Kandidaten zu empfehlen. Wir machen keine Vorselektion.»

Das Ziel – so wurde es am Mittwochabend definiert – sei vielmehr eine positive Diskussion im Dorf anzuregen. Zudem will die Findungsgruppe als eine Art Informationsforum fungieren. Dazu gehört beispielsweise die Beantwortung der «am häufigsten gestellten Fragen». «Wir erarbeiten gerade einen entsprechenden Frage-und-Antwort-Katalog. Wir wollen die wichtigsten Fragen zu den einzelnen Rollen schnell und kompetent beantworten können.» Dabei geht es beispielsweise um den Zeitaufwand, Sitzungsrhythmus, die konkreten Aufgaben oder die Entschädigung. Für die Beantwortung arbeitet die Findungsgruppe in dankeswerter Weise mit dem Gemeindeschreiber zusammen, «damit dann wirklich alles stimmt». Auch geplant ist ein Infoanlass im Herbst, bei dem Interessierte mehr über die einzelnen Ämter erfahren werden. «Mir scheint es, das ist eine der grössten Hürden bei der Besetzung kommunaler Ämter: Dass sich viele kaum ein Bild von der Rolle und den Erwartungen machen können», sagt Marco Sütterle. Dem wollen er und seine elf Kolleginnen und Kollegen entgegenwirken.

Ein besonderes Augenmerk legt die Gruppe naturgemäss auf das Gemeindepräsidium. Aber auch der Rücktritt des «Finanzchefs» bzw. des Vorstehers Ressort Finanzen (Urs Spielmann) wiegt schwer. «Im Hinblick auf die anstehenden Grossprojekte sind das sehr wichtige Rollen. Es braucht hier Personen mit Sachverständnis, Kreativität und ‘Biss’.» Trotzdem: Marco Sütterle macht sich bei Gemeindepräsidium und Gemeinderat weniger Sorgen, als bei der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Dort sind im Frühjahr 2027 zwei Stellen zu besetzen. Das ist aber nur der Anfang. Denn bereits jetzt ist klar, dass im 2028 ein weiteres und 2029 noch einmal zwei neue GPK-Mitglieder gefunden werden müssen. «Ich bin der GPK für ihre langfristige Planung sehr dankbar. Eine Herausforderung wird die Suche aber trotzdem sein.»

Hat die Findungsgruppe denn schon einige potenzielle Namen «auf dem Zettel»? «Es gibt einige Personen, mit denen wir nach den Sommerferien ein Gespräch führen wollen, ja.» Aber eben: Man werde nicht vorselektionieren. Es wird auch keine Nominierung durch die Findungsgruppe erfolgen. «Diese Aufgaben werden dann die einzelnen Organisationen und Parteien übernehmen, die dann möglicherweise auch vorgedruckte Wahlzettel zusammenstellen werden», sagt Marco Sütterle. Er betont auch, dass die Gruppe auf Eigeninitiative entstanden ist und keinen offiziellen Auftrag hat. Wer also für die Gesamterneuerungswahlen 2027 kandidieren will, kann das immer – ob Gespräche mit der Findungsgruppe stattgefunden haben oder nicht. «Wir sind einfach hier, falls ein Austausch gewünscht ist.»

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