«I han es Zundhölzli aazündt …»

08.07.2026 | Nerina Keller

Seit heute Mittag gilt im ganzen Kanton Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Welche Massnahmen werden getroffen? Und wie gut ist die Feuerwehr für einen Ernstfall gewappnet? Die TP hat beim Forst und Feuerwehr nachgefragt.

Schön, aber derzeit strikt verboten aufgrund der zu grossen Waldbrandgefahr: Feuer am Waldrand oder im Wald. Fotos: Archiv

Mani Matter besang es 1974 zum ersten Mal und seither ist es fester Bestandteil aller Lagerfeuerrunden: Das Streichholz bzw. das «Zundhölzli» mit der grossen Zerstörungskraft. Der Liedtext ist dystopisch. Und trotzdem nicht ganz fern von der Realität. Denn ein Streichholz vermag vielleicht nicht die ganze Welt in Brand zu setzen. Ein grosses Feuer oder einen Waldbrand kann ein Hölzchen aber durchaus verursachen. Besonders, wenn der Grund, auf den es fällt, völlig trocken ist. Und das ist im Kanton momentan der Fall. Der seit Wochen fehlende Regen führt zu grosser Trockenheit. Glut, Funken, eine Zigarette oder eben ein brennendes Streichholz können ohne Weiteres ein Feuer entfachen. Seit heute Mittag ist es deshalb verboten, Feuer zu machen. Vorerst gilt das Verbot für den Wald und den Waldrand. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, ist die Ausweitung auf ein generelles Feuerverbot denkbar.

«Wir haben die Feuerstellen abgesperrt.» Das sagt Ruedi Roth am Telefon. Der Forstwart und stellvertretende Leiter des Forstamts ist mit seinen Kollegen unterwegs, um das kantonale Verbot umzusetzen. Wobei von einer Umsetzung natürlich nur bedingt die Rede sein kann. «Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand», sagt er. Mehr als Feuerstellen und Holzvorräte absperren und Informationen über das Feuerverbot anbringen, kann das Forstteam schliesslich nicht tun. Alfred Höhener, Leiter Bauamt, hat mit seinen Leuten zusätzlich ein paar Informationstafeln bei Fusswegen ins Tobel angebracht. «Überall, wo es ins Tobel geht, also zum Beispiel zum Strom oder zum Höchfall, haben wir heute Hinweise platziert.» Für die inoffiziellen Feuerstellen in der Wassernähe ist die Gemeinde nicht direkt zuständig. Weil aber die Temperaturen weiterhin hoch bleiben, ist anzunehmen, dass viele die Nähe zum Wasser suchen oder baden gehen. Feuer sind aber auch dort verboten.

Und was, wenn es trotz des Verbots und der Massnahmen brennen sollte? «Wir sind wie immer bereit», sagt Dominik Krummenacher, Kommandant der Feuerwehr MITAPP. Besondere Vorkehrungen trifft er aber nicht. «Wir haben den Vorteil, dass wir über Material und Infrastruktur verfügen, mit dem wir im Brandfall auch abgelegene Orte erreichen können.» Und: «Unsere Wälde sind im Vergleich zu Bergwäldern relativ gut erschlossen – beispielsweise durch Forststrassen.» Zusammengefasst ist im Gebiet der «MITAPP» ein Löscheinsatz im Waldbrandfall also überall möglich. Wasser sei – trotz der anhaltenden Trockenheit – genügend vorhanden. Auch dank der Feuerweiher. «Diese sind voll und falls das Hydrantennetz, unsere primäre Wasserquelle, nicht mehr ausreichen sollte, haben wir auch so genügend Löschwasser.» Übrigens: Letzte Woche gab es bereits einen Brand bei einer Feuerstelle in Gais. Auch Dominik Krummenacher kommt während des Gesprächs am Telefon auf den «gesunden Menschenverstand» zu sprechen «Wo jetzt Feuer gemacht wird, muss einfach immer Wasser in der Nähe sein. Und das Feuer soll aufmerksam beaufsichtigt werden.»

So viele Waldbrände gab es schon in AR

Acht Waldbrände gab es im Kanton Appenzell Ausserrhoden zwischen 1918 und 2018. Zum Vergleich: Im Tessin waren es während dieser hundert Jahre 6305. Diese Angaben stammen aus einem SRF-Artikel aus dem Jahr 2023. Und die erfassten Feuer sind die, die in der Datenbank Swissfire eingetragen sind. Letztere ist ein Instrument zur Sammlung von Daten und Informationen über Flur- und Waldbrände. Sie soll dabei helfen, die Bekämpfung von Waldbränden zu optimieren. Und natürlich liefert sie wertvolle Zahlen. Noch weniger Waldbrände als in Appenzell Ausserrhoden soll es nur in den Kantonen Basel-Stadt (1) und Genf (5) gegeben haben. Ein Blick auf die Statistik sagt also: Die Gefahr für Waldbrände ist in Ausserrhoden deutlich kleiner als im Tessin, dem Wallis oder Bern.

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