
Was war der Hauptgrund für deinen Aufenthalt in Jamaika?
In der Kanti Trogen müssen alle am Ende des zweiten Schuljahres einen Sprachaufenthalt absolvieren. Da wir private Kontakte nach Jamaika haben, war es für mich schnell klar, dass ich meine vier Wochen dort verbringen möchte, da ich dort auch Trainingsmöglichkeiten bekam.
Wie unterscheidet sich das Training dort von dem in der Schweiz?
Dort trainierten wir viel mehr Läufe auf Ausdauer, das heisst über 200m und 300m. Starts aus Blöcken kamen kürzer. Mein Trainer arbeitete sehr intensiv an meiner Arm- und Beinhaltung. Leider konnte ich nicht intensiv laufen, da sich meine Fussschmerzen wieder meldeten. Zuhause trainieren wir ausserdem intensiver Kraft.
Gibt es Trainingsmethoden in Jamaika, die du jetzt noch anwendest?
Ich bemühe mich, die Technik zu verinnerlichen. Irgendwann kommt der Moment, wo mich diese Korrektur weiterbringen wird.
Wie war es, mit jamaikanischen Athletinnen und Athleten zu trainieren?
Die Leute sind extrem offen und freundlich. Die Girls, mit denen ich trainierte, besuchen alle das College, wo es eine grosse Sportauswahl gibt
Warum glaubst du, ist Jamaika besonders im Sprint so erfolgreich?
Die fokussieren sich schon sehr früh auf den Sprint. Ich konnte bei den College Championships (Champs) zuschauen. Da gab es 13-jährige Mädchen, die bereits über 200m liefen. Ich lief meinen ersten 200m mit 15 Jahren.
Konntest du bekannte Trainer oder Spitzensportler kennenlernen?
Auf dem gleichen Platz trainierte Yohan Blake stets zur selben Zeit wie wir seine erwachsenen Athleten. Er war in der Zeit von Usain Bolt sehr erfolgreich. Eines Tages kam er zu mir hinüber und fragte mich, wer ich bin und weshalb ich bei ihnen trainiere …
Was hat dich an der jamaikanischen Kultur am meisten überrascht?
Es gibt immensen Reichtum und daneben grosse Armut. Ich konnte nie einen Schritt allein ausserhalb des Ressorts, wo meine Gastfamilie wohnte, machen, da es zu gefährlich gewesen wäre. Aber die Leute sind offen und viel amüsierter. Die Strassen sind immer voller Leben und Regeln werden eher selten befolgt.
Wie war das Leben außerhalb des Trainings?
Am Morgen um 8 Uhr wurde ich 1 Stunde zur Sprachschule gefahren. Diese war zwar nicht weit entfernt, aber der Verkehr auf den Strassen ist ein riesiges Chaos. Dann hatte ich Privatunterricht bis Mittag. Danach wurde ich wieder abgeholt und zuhause ass ich das Essen, welches die Hausangestellte am Morgen früh zubereitet hatte. Um 14 Uhr wurde ich zum Training, welches gleich um die Ecke stattfand, gefahren und um 17 Uhr abgeholt. Dann wurde wieder gegessen und am Tisch haben wir immer sehr lange miteinander geredet und viel gelacht.
Gab es kulturelle Unterschiede, an die du dich erst gewöhnen musstest?
Ein Wochenende verbrachten wir bei Freunden direkt am Meer in deren Wochenendhaus. Das war ein Ressort, wo ausschliesslich Villen im Wert von 4 Mio. Dollar standen. Ein krasser Gegensatz zu Kingston, der Hauptstadt, wo ich wohnte. In Kingston sind die Strassen immer voll mit Menschen und es gibt nichts, was es nicht gibt.
Was war dein schönstes Erlebnis während des Aufenthalts?
Als wir zum ersten Mal zu einem wunderschönen Strand gefahren sind: 3 Stunden lang schwimmen, tauchen, sich sonnen, schwimmen, tauchen, sich sonnen… herrlich!
Was möchtest du noch zusätzlich loswerden?
Ein Physio auf dem Trainingsplatz in Kingston schaute meinen schmerzenden Fuss an und meinte, dass mein Fussgelenk nicht beweglich wäre und ich dies anschauen lassen sollte. Wieder daheim konnte ich dank meines Managements einen erfahrenen Osteopathen aufsuchen. Der entdeckte, dass im Fussgelenk ein Knochen die Beweglichkeit blockierte. Er richtete mich und nach nur 3 Sitzungen laufe ich wieder schmerzfrei. Ich bin ein wenig traurig, dass ich 8 Monate nicht laufen konnte, aber glücklich, dass die Ursache nun behoben ist. Jetzt bauen wir die Schnelligkeit wieder auf.