Aus «Enzler» wird «Alpamore»

05.06.2026 | Timo Züst

Das grosse Haus mit der Adresse Unterrain 22 ist seit Monaten eingerüstet. Hier wird intensiv gebaut. Eine Totalsanierung. Die Liste der einheimischen Handwerksbetriebe auf der Blache am Geländer in Richtung Hauptstrasse ist lang. Aber was entsteht hier? Einziger Hinweis: Eine weitere Blache mit dem Begriff «Alpamore», umrandet von bekannten Namen aus der Unterhaltungsbranche. Peach Weber, Marc Sway, Claudio Zuccolini und der Tüüfner Gruess. Sie werden nicht etwa hier einziehen, sondern beim grossen Fest am 30. und 31. Oktober im Zeughaus auftreten. Damit wollen die neuen Besitzer des Hauses, Remo und Marina Ulrich, die Eröffnung von «Alpamore» feiern. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun.

Posieren vor dem Gerüst, das viele neugierig macht (v.l.n.r.): Remo Ulrich, Margrit und Ernst Enzler sowie Marina Ulrich. Foto: tiz

«Ah, Gerade haben wir etwas Verrücktes erfahren!», sagt Remo Ulrich zur Begrüssung. Er steht mit seiner Frau Marina im Erdgeschoss des eingerüsteten Gebäudes beim Unterrain 22. Mit dabei sind Ernst und Margrit Enzler. Sie sind hier für den Fototermin mit der Lokalzeitung. «Das war anscheinend mal ein Schlachtraum. Gell, Ernst?» Dieser nickt. Und fügt an: «Am Anfang war das eine Metzgerei. ‘Alder’ hiess die glaub’s.» Wann genau hier das erste Haus stand, wissen die Anwesenden nicht. Aber bei den Umbauarbeiten, die vor einigen Monaten begonnen haben, stiessen die Handwerker auf eine Jahreszahl in einem Holzbalken: 1822. «Wir haben uns deshalb entschieden, diese Zahl gleich in den Namen zu integrieren», erklärt Marina Ulrich. «Teufen1822» (www.teufen1822.ch) heisst nun also das Gesamtprojekt. Dazu gehören vier Mietwohnungen, ein Geschenke- und Delikatessen-Laden mit Degustationsfläche, ein Selbstbedienungs-Laden («16/7») und eine Pasta-Manufaktur sowie eine Kunstwerkstatt in der Remise.

«Man soll sich hier wohlfühlen und alles probieren können. Und natürlich gibt es dazu auf Wunsch auch einen Tee oder Kaffee», sagt Marina Ulrich. Sie wird hauptsächlich für den Betrieb des «Alpamore» zuständig sein. Sie ist es auch, die die «Amore» für Italien ins Projekt einfliessen lässt. «Während eines Besuchs in Pitigliano in der Toscana durften wir bei einer italienischen Nonna das traditionelle Pasta-Handwerk kennenlernen. Dieses Erlebnis wollen wir nun auch anderen ermöglichen.» Dafür wird ein Teil der Remise – sie steht direkt hinter dem Haupthaus – zu einer Pasta-Werkstatt umgebaut. Hier soll aber nicht nur gekocht werden. «Der Raum kann für Workshops oder kleine Feiern gemietet werden.»

Ganz früher war das übrigens mal eine Mosterei.

Ernst Enzler nickt anerkennend während des Rundgangs. Sie hatten die Remise hauptsächlich als Garage und Abstellraum genutzt. «Sehr schön, dass sie nun wieder belebt wird. Ganz früher war das übrigens mal eine Mosterei.» Er zeigt in den oberen Stock: «Dort stand der Motor für die Presse. Hier unten war das grosse Fass.» Apropos Fass: In den nächsten Tagen soll der Öltank nebenan abgeholt werden – in Zukunft wird das Haus mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt. Sowieso verändert sich hier gerade sehr viel: neue Raumhöhen, neue Aufteilung, neue Nutzung. «Von aussen glaubt man kaum, dass hier vier Mietwohnungen Platz finden. Das Haus ist ein echtes Raumwunder», sagt Remo Ulrich. Er und Marina Ulrich haben das Gebäude im Sommer 2025 über die Immoinside GmbH gekauft. Die Planung erfolgte dann in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Denkmalschutz. «Wer so ein altes Haus umbauen will, muss das mit Respekt und Sorgfalt angehen. Wir sind auch dankbar, dass wir auch bei diesem Projekt – wie damals weiter oben bei der ‚Bündt‘ – von Gemeinde, Denkmalpflege und Heimatschutz sehr unterstützt wurden.»

Dass hier wieder Leben einkehrt, ist sicher das Tollste, was passieren kann.

Für Ernst und Margrit Enzler ist die Baustellenbesichtigung besonders spannend. Sie haben hier über vier Jahrzehnte lang gewohnt und gearbeitet. Im Jahr 1981 zogen sie mit «Enzlers Bodenbeläge» ein. Ihr Sohn Andreas hat das Unternehmen im Jahr 2000 übernommen und wohnt immer noch im Haus. Emotional sei die Sache schon, sagt Margrit Enzler. Aber: «Am heftigsten war es für mich, als ich die Räume zum ersten Mal ganz leer gesehen habe. Das tat schon etwas weh. Inzwischen finde ich es eher spannend zu sehen, was entsteht.» Mit den Käufern und dem Alpamore-Projekt sind die beiden mehr als zufrieden. «Dass hier wieder Leben einkehrt, ist sicher das Tollste, was passieren kann.»

Eröffnungsfest am 30. und 31. Oktober

Die Umbauarbeiten beim Unterrain 22 laufen noch auf Hochtouren. Wann genau das «Alpamore» und die Remise ihre Türen öffnen, ist noch nicht ganz klar. Zwei Daten sind aber schon fix: Am 30. und 31. Oktober soll die Eröffnung im Zeughaus mit einem grossen Fest begangen werden. Dabei werden bekannte Künstlerinnen und Künster auftreten. Dazu gehören Marc Sway, Just Two, Claudio Zuccolini, der Tüüfner Gruess, Daniel Kalman, Peach Weber oder Sepp Manser. Einheimische können bereits ab Juli Tickets erstehen – und zwar zum Selbstkostentarif von 75 Franken (statt 125).

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